Wie Frankreichs Bischöfe auf den Taufboom reagieren

Frankreich gilt seit einigen Jahren als eine Art Laboratorium für die Frage nach der religiösen Zukunft Europas. Besonders die Zahl der Erwachsenentaufen sorgt dort regelmäßig für Aufmerksamkeit – und für manche Spekulation über ein mögliches christliches "Revival". Allein im Jahr 2025 empfingen nach Angaben der katholischen Kirche in Frankreich rund 10.400 Erwachsene die Taufe. Hinzu kamen etwa 7.400 Jugendliche zwischen 11 und 17 Jahren. Im Vergleich zum Vorjahr bedeutete das bei den Erwachsenentaufen einen bemerkenswerten Anstieg um 45 Prozent.
Die französischen Bischöfe wollen diese Entwicklung nicht lediglich statistisch, sondern vielmehr pastoral und geistlich deuten. Bereits im April vergangenen Jahres kündigten die Bischöfe der Kirchenprovinz Île-de-France – darunter Paris, Versailles, Créteil, Saint-Denis und Nanterre – ein groß angelegtes Beratungsprojekt an. Im Mittelpunkt steht dabei die Frage, wie Katechumenen und Neugetaufte künftig begleitet und stärker in das kirchliche Leben integriert werden können.
Roms Intervention
Die erste Konsultationsphase begann bereits zu Jahresbeginn. Nach Angaben der katholischen Tageszeitung "La Croix" beteiligten sich daran rund 30.000 Personen mit etwa 3.000 Beiträgen. Auf der Tagesordnung stehen drei große Themenfelder: die Begleitung von Katechumenen und Neugetauften, ihre Beteiligung am kirchlichen Leben sowie die daraus resultierenden Veränderungen für die Pastoral insgesamt. Bis Ende Juni konzentriert sich die Arbeit zunächst auf die Frage der Aufnahme und Begleitung der Neugetauften.
Doch noch bevor die inhaltliche Arbeit richtig Fahrt aufnehmen konnte, kam aus Rom eine eher kirchenrechtliche Intervention. Der Vatikan nahm keinen Einfluss auf die Debatte selbst, wohl aber auf die Bezeichnung des Vorhabens. Bislang war von einem "Provinzkonzil" die Rede gewesen. Ein solches Konzil – auch Provinzsynode genannt – ist nach kirchlichem Recht eine Versammlung der Bischöfe einer Kirchenprovinz unter Vorsitz des jeweiligen Metropoliten, in diesem Fall des Pariser Erzbischofs Laurent Ulrich. Das Kirchenrecht sieht solche Zusammenkünfte ausdrücklich vor. Sie sollen dem Schutz und der Förderung des Glaubens dienen sowie pastorale Missstände benennen und beheben helfen. Schon das Konzil von Trient hatte im 16. Jahrhundert die regelmäßige Abhaltung solcher Provinzialkonzilien angemahnt – in der Praxis blieben sie jedoch vielerorts die Ausnahme.
Im aktuellen französischen Fall stellte sich allerdings ein kirchenrechtliches Problem: Neben den 131 stimmberechtigten Mitgliedern – darunter die Bischöfe der Region und der französische Militärbischof – nehmen auch zahlreiche weitere Gäste teil. Jede der neun Diözesen entsendet zusätzlich 16 Delegierte, hinzu kommen 44 Beobachter ohne Stimmrecht, darunter Protestanten sowie drei orthodoxe Christen. Gerade diese breite Beteiligung von Nicht-Geweihten machte aus vatikanischer Sicht die Bezeichnung "Provinzkonzil" problematisch.
Umbenennung nötig
Rom drängte daher auf eine Umbenennung. Künftig spricht man nun von einer "provinzialen kirchlichen Versammlung". Die französischen Bischöfe folgten dieser Vorgabe ohne größere öffentliche Diskussion. Inhaltlich und organisatorisch ändert sich dadurch allerdings nichts.
Kardinal Aveline hatte sich bereits mehrfach zum französischen Taufboom geäußert. Im vergangenen Jahr sagte er: "Diese jungen Menschen sind auf Wegen zu uns gekommen, die wir Bischöfe nicht vorgezeichnet hatten."
Feierlich eröffnet werden soll die Versammlung am Pfingstsonntag in der Kathedrale Notre-Dame in Paris durch Erzbischof Ulrich. Erwartet wird dabei auch der Vorsitzende der Französischen Bischofskonferenz, Kardinal Jean-Marc Aveline von Marseille, der innerhalb der französischen Kirche zu den prägenden Gestalten der Gegenwart zählt. Aveline hatte sich bereits mehrfach zum französischen Taufboom geäußert. Im vergangenen Jahr sagte er: "Diese jungen Menschen sind auf Wegen zu uns gekommen, die wir Bischöfe nicht vorgezeichnet hatten. Wir hatten zwar die Eingangstür vorbereitet, aber viele sind durch das Fenster hereingekommen."
In seiner Erzdiözese Marseille richtete der Kardinal inzwischen einen eigenen Dienst für Neugetaufte ein. Es brauche Begleitmaßnahmen über mehrere Jahre hinweg, betonte Aveline. Darin liege eine der vorrangigen pastoralen Aufgaben der kommenden Jahre. Anderswo in Europa, etwa in Italien oder Spanien, bemühen sich derzeit Kirchenvertreter um offizielle Richtlinien.
Weitere Beratungsphasen
Das öffentliche Interesse an den Taufzahlen bleibt unterdessen groß. Jahr für Jahr werden neue Höchststände vermeldet. Beobachter fragen inzwischen, ob sich hier lediglich ein vorübergehendes Phänomen zeigt oder tatsächlich ein tieferer religiöser Wandel in Frankreich ankündigt. Auch in Deutschland verzeichne man ein wachsendes Interesse, bei allerdings noch niedrigem Niveau der Taufzahlen.
Bemerkenswert ist auch die methodische Herangehensweise des Projekts. Die eingereichten Beiträge aus der Konsultationsphase sollen laut "La Croix" mithilfe Künstlicher Intelligenz ausgewertet werden, um grundlegende Tendenzen sichtbar zu machen. Ergänzend sollen klassische Auswertungen ausgewählter Fragebögen erfolgen, um die Ergebnisse zu überprüfen und einzuordnen. Auf dieser Grundlage soll anschließend ein Arbeitsdokument entstehen.
Im Herbst beginnt dann eine weitere Beratungsphase, die bis Mai 2027 dauern soll. In dieser Zeit wird die Versammlung dreimal zusammenkommen, um konkrete Vorschläge und pastorale Leitlinien zu erarbeiten. Nach Abschluss der Beratungen soll eine Delegation französischer Bischöfe nach Rom reisen, um die Zustimmung des Vatikans einzuholen. Erst danach könnten die erarbeiteten Beschlüsse in den beteiligten Diözesen umgesetzt werden – vorausgesetzt, aus Rom kommt das entscheidende "grüne Licht".