Vergessene Bräuche

Pfingsten: Von Ochsen, Birkenzweigen und unerwünschten Verehrern

Veröffentlicht am 24.05.2026 um 11:09 Uhr – Von Fabian Brand (KNA) – Lesedauer: 

Nürnberg ‐ Schon mal zu Pfingsten einen Ochsen geschmückt oder eine Taube aus der Decke hängen lassen? Viele Bräuche rund um das Kirchenfest sind in Vergessenheit geraten, werden aber teils noch praktiziert. Eine Auswahl.

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Pfingsten zählt zusammen mit Weihnachten und Ostern zu den drei großen Festen des Kirchenjahres. Während sich jedoch sowohl zu Ostern als auch zum Weihnachtsfest ein reiches Brauchtum entwickelt hat, sieht das zu Pfingsten anders aus. Denn Pfingsten hat sich nie richtig als Familienfest etabliert, sondern wird im Reigen der Feste mitunter etwas stiefmütterlich behandelt.

Dennoch gibt es eine Reihe von Bräuchen, die sich teilweise bis heute erhalten haben und um das hohe Pfingstfest herum gepflegt werden. Etliche werden oder wurden in ganz unterschiedlichen Regionen gepflegt. So werden um Pfingsten herum vielerorts Birken aufgestellt oder man schmückt die Wohnungen und Häuser mit Birkenzweigen. Der Hintergrund ist oft ähnlich zu dem, was man schon im Advent und an Weihnachten praktiziert: Man holt sich grüne Zweige ins Haus, die auf das Leben und die Lebenskraft hinweisen. Gerade im Monat Mai, in den das Pfingstfest häufig fällt, grünt und blüht es überall in der Natur. An diesem neuen Leben möchte man teilhaben, indem man sich das Grün in die direkte Lebensumgebung holt.

Eine Birke vor der Tür der Geliebten

Übrigens gibt es in diesem Kontext noch ein weiteres Brauchtum: das Aufstellen der sogenannten Liebesmaien. Der Brauch funktioniert so: Junge Männer schlagen eine Birke und stellen sie ihrer Geliebten in der Nacht zum Pfingstsonntag vor die Haustür. Die Freude bei den so Geehrten war nicht immer groß, je nachdem, wie offen man zu seinem Verehrer stand. Jedenfalls hat man das Birkenschlagen in früheren Zeiten oftmals verboten, weil es Ausmaße annahm, denen man Herr werden musste.

Zumindest in vielen Redewendungen bekannt ist heute noch der "Pfingstochse". Früher war es üblich, zu Pfingsten das Vieh zum ersten Mal auf die Weide zu treiben. Und aus diesem Grund krönte man einen Ochsen häufig mit einem Kranz aus Grün und Blumen. So, wie das heute noch vielerorts beim "Almabtrieb" praktiziert wird. "Geschmückt wie ein Pfingstochse" führte das so geehrte Tier die Herde an. In manchen Gegenden kürt man in unseren Tagen einen Pfingstochsen der ganz anderen Art: Wer am Pfingstsonntag am längsten schläft, erhält diesen "Ehrentitel".

Ministranten schwenken Weihrauchfass
Bild: ©stock.adobe.com/bilderstoeckchen (Archivbild)

An und um Pfingsten finden viele Flurumgänge und Bittprozessionen statt.

Ein Brauchtum, das vor allem in der Pfalz und im Elsass verortet ist, ist der "Pfingstquack". Kinder und Jugendliche schmücken sich einen Leiterwagen und ziehen mit ihm an Pfingsten durch die Straßen des Dorfes. Dort singen oder spielen sie für die Bewohner und erhalten dafür eine milde Gabe. Ein typischer Heischebrauch, wie er sich unter anderem auch im "Wasservogelsingen" erhalten hat: In wasserfester Kleidung ziehen junge Menschen von Haus zu Haus. Mit einem Verslein betonen sie, dass sie "bröseltrocken" sind und gegossen werden wollen. Die Hausbewohner gießen die "Wasservögel", indem sie Eimer oder Gießer mit Wasser auf sie herabschütten. Außerdem werden sie mit Naturalien belohnt.

In den Kirchen hat man oft die Tradition gepflegt, dass aus einem Loch in der Kirchendecke eine Holzfigur einer Taube im Gottesdienst herabgelassen wurde. Weil die Taube den Heiligen Geist symbolisiert, der an Pfingsten auf die Jünger herabkommt, trug die Öffnung in der Decke auch den Namen "Heilig-Geist-Loch". In vielen Kirchen kann man es noch entdecken.

Flurumgänge und Bittprozessionen

Außerdem finden um Pfingsten viele Flurumgänge und Bittprozessionen statt. Das hat oft damit zu tun, dass schon in vorchristlicher Zeit rund um den Monat Mai die endgültige Vertreibung des Winters durch den Sommer gefeiert wurde. Solches Brauchtum hat sich dann oft an den christlichen Feiertagen erhalten. Bei den Flurumgängen geht es ja darum, den Segen für die Felder zu erbitten, damit im Herbst eine reiche Ernte eingebracht werden kann.

Eine besondere Form dieses Flurumgangs ist unter anderem der Kötztinger Pfingstritt, der alljährlich am Pfingstmonat stattfindet. Bei der großen Prozession ziehen die Gläubigen auf Pferden reitend vom oberpfälzischen Bad Kötzting bis zur Kirche von Steinbühl. Dort wird der Reitergottesdienst gefeiert, bevor es wieder zurück zum Ausgangspunkt geht.

Von Fabian Brand (KNA)