Es ist mehr denn je Auftrag der Kirchen, die Türen zu öffnen

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Rund um Pfingsten wird zu Pfingstempfängen eingeladen, zu einer Gelegenheit, miteinander in Kontakt zu kommen und sich auszutauschen. Traditionell oder neu ins Leben gerufen, kommen Vertreter:innen von Konfessionen und Religionen, aus Kirche und Gesellschaft in Begegnung. Christliche Gemeinden empfangen Menschen aus Stadt und Region und laden dazu ein, Themen wie politische Beteiligung, Ehrenamt und Institutionenvertrauen neu zu denken und damit den sozialen Zusammenhalt zu stärken. Pfingsten wird als Anlass genutzt, die Notwendigkeit einer Überwindung von Kommunikationsbarrieren in den Blick zu rücken. Verständigung führt zur Beziehungsstärkung der Verschiedenen und zur Offenheit für Unvertrautes, fördert die Bereitschaft, sich in den Diskurs und die Gestaltung von Kirche und Gesellschaft verantwortlich und aktiv einzubringen.
Wie wichtig offene Gespräche, gegenseitiges Zuhören und respektvoller Umgang miteinander sind, wird gerade dann erlebt, wenn Meinungen und Einstellungen auseinandergehen und Verständigung schwierig wird: Positionen verhärten sich, die Debatten werden härter und oft auch verletzend. Es entstehen krisenhafte Situationen, die den sozialen Frieden auf allen Ebenen gefährden.
Da braucht es Mut und Strategien, trotz tiefer Gräben immer noch Gesprächskanäle offen zu halten. Es braucht Vertrauen in die Mitmenschen und das Vertrauen darauf, dass sie sich vom Geist des Zusammenhalts und des Miteinanders leiten lassen. Und es ist unabdingbar, sich trotz gegenläufiger Interessen und Positionen in gesellschaftliche Debatten einzuüben und Kompromisse zu finden.
Ein Pfingstempfang ist ein kleiner Anfang für weitere pfingstlich motivierte Anlässe. Mehr denn je ist es der Auftrag der christlichen Kirchen, die Türen zu öffnen und zu sich einzuladen. Vielleicht gelingt es nicht wie beim ersten Mal, dass unterschiedliche Menschen einander verstehen, die gleiche Sprache sprechen. Aber es ist ein Anfang, wenn darauf vertraut wird, dass dies möglich ist.
Die Autorin
Agnes Wuckelt ist Professorin i.R. für Praktische Theologie an der Katholischen Hochschule NRW, Abt. Paderborn.
Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.