Was die Gottesdienste der Zukunft ausmachen könnte
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Den ökumenischen Pfingstmontagsgottesdienst feiern wir auf dem Marktplatz unserer kleinen Stadt. Der liegt genau zwischen den beiden großen Kirchen. Das Wetter ist prächtig. Es gibt 80 Sitzplätze auf Klappstühlen und Bierbänken, vor allem für die vielen alten Leute. Wem die Sonne zu heiß wird, der nimmt seinen Stuhl und setzt sich in den Schatten. Kinder sitzen auf dem Boden oder spielen am Stadtbrunnen, einige Hunde dösen im Schatten.
Im Laufe des Gottesdienstes kommen immer wieder Passanten dazu, andere gehen weg. Manche stehen an der Seite, als Zuschauer oder Zuhörerinnen. Einige bleiben, am Ende sind mehr Leute dabei als am Anfang. Um uns herum ein normaler Feiertagsmorgen. Familien essen Eis, Radsportler fliegen vorbei, PS-starke Autos werden extra laut aufgedreht, aus den Fenstern der Boliden wummern die Bässe der Songs vom Ballermann. Eine alte Frau mit Rollator sucht in den Mülleimern nach Pfandflaschen. Gegenüber in der Kneipe wird das erste Bier ausgeschenkt, als ich im Anklang an die Erzählung von Eldad und Medad aus dem vierten Buch Mose (Num 11,11-31) davon erzähle, dass Gottes Geist weht, wo er will, auch außerhalb des Heiligtums. Und dass der HERR selbst das Ehrenamt erfunden hat, lange bevor der Bundespräsident den 77. Geburtstag des Grundgesetzes zum entsprechenden Feiertag erklärt hat.
So stelle ich mir die Gottesdienste der Zukunft vor: Die Christen sind eine kleine, profilierte Gruppe mitten in der Stadt. Sie tun alles andere, als sich in verschlossene Räume zurückzuziehen. Ihre Gottesdienste werden radikal öffentlich gefeiert. Menschen können jederzeit dazukommen oder weggehen und ihre Nähe und Distanz zum Geschehen selbst wählen. Es wird nicht darüber geurteilt, warum jemand in der ersten Reihe oder am Rande des Platzes sitzt. Ökumene ist viel selbstverständlicher als heute. Kinder und Hunde stören niemanden, die ganze Schöpfung wird gesegnet. Die Predigt ist politisch – nicht parteipolitisch, aber doch tagesaktuell aus biblischer Perspektive. Die Gemeinde hat die Armen direkt im Blick – und sammelt für sie die Kollekte ein.
Ein Pfingsttraum? Vielleicht. Es ist nicht jeden Sonntag so gutes Wetter, dass wir draußen auf dem Marktplatz feiern können. Der Rest geht immer.
Der Autor
Dominik Blum ist Pfarrbeauftragter in der Katholischen Pfarreiengemeinschaft Artland im Bistum Osnabrück.
Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.
