Kardinäle und Bischöfe knien vor Opfern des "Sodalicio" nieder
Mit einem außergewöhnlichen Bußakt hat die katholische Kirche in Peru indigene Bauernfamilien um Vergebung für jahrelanges Leid im Umfeld der aufgelösten Bewegung "Sodalitium Christianae Vitae" ("Sodalicio") gebeten. Bei einer Messe in Catacaos im Norden des Landes knieten am Pfingstwochenende mehrere Bischöfe, darunter die Kardinäle Carlos Castillo und Pedro Barreto, gemeinsam mit dem vatikanischen Sondergesandten Jordi Bertomeu vor Mitgliedern der betroffenen Gemeinde San Juan Bautista nieder.
Die Zeremonie war ein symbolischer Akt der Wiedergutmachung gegenüber Kleinbauern des Tallán-Volkes. Diese werfen Unternehmen mit Verbindungen zum "Sodalicio" vor, sie über Jahre enteignet, verfolgt und eingeschüchtert zu haben. In dem Konflikt wurden laut Kirchenangaben auch zwei Gemeindemitglieder getötet. Zudem seien Gemeindeführer kriminalisiert worden.
"Wir kommen nicht nur, um euch im Namen der Kirche um Vergebung zu bitten, sondern auch, um uns zu verpflichten, die Kirche zu erneuern", sagte Limas Erzbischof, Kardinal Castillo, in seiner Predigt. Unrecht könne nicht allein juristisch aufgearbeitet werden. "Wer zerstört, wer tötet, wer enteignet, was ihm nicht gehört, hat die Pflicht zu unendlicher Wiedergutmachung", erklärte er.
"Wir sind zu spät gekommen"
Der Vatikan-Gesandte Bertomeu räumte schwere Versäumnisse der Kirche ein. "Wir sind zu spät gekommen. Wir hätten schon vor 20 Jahren kommen können", sagte er vor den versammelten Familien. Zugleich bat er die Betroffenen, die Kirche auf ihrem Erneuerungsweg zu begleiten. Papst Leo XIV. unterstütze einen Kurs, der stärker auf Gerechtigkeit, Nähe zu den Opfern und konkrete Wiedergutmachung setze, sagte er.
Der Schritt fand über die Grenzen Perus hinaus Beachtung. Der in Ecuador lehrende Anthropologe und Salesianer José Enrique Juncosa lobte die eindringliche Geste der knienden Bischöfe. Sie zeige, dass Kirche "angesichts von Machtmissbrauch andere Geschichten schreiben kann". Der Akt sei ein Aufruf, "komplizenhaftes Schweigen" und die Versuchung zu überwinden, sich gerade nicht auf die Seite der Schwächsten zu stellen. "Diese Geste evangelisiert mehr als tausend Worte und Predigten", so Juncosa.
Das "Sodalicio", 1971 gegründet, war 1997 vom heiliggesprochenen Papst Johannes Paul II. (1978–2005) zu einer Kongregation päpstlichen Rechts erhoben worden. 2025 wurde es von Papst Franziskus aufgelöst. Die einst einflussreiche katholische Laiengemeinschaft war nach schweren Missbrauchs- und Korruptionsvorwürfen in die Kritik geraten. Ihr Gründer Luis Fernando Figari wurde 2024 aus der Bewegung ausgeschlossen. (KNA)
