KjG: Thomas Morus bleibt Patron – weiter kritische Auseinandersetzung

Die Katholische junge Gemeinde (KjG) will an Thomas Morus als Verbandspatron festhalten, sich aber weiterhin kritisch mit seiner Person und ihrer Rezeptionsgeschichte auseinandersetzen. Einen entsprechenden Beschluss hat die KjG bei ihrer Bundeskonferenz getroffen, teilte der Verband am Sonntag mit. So sei Thomas Morus für viele Menschen in der KjG weiterhin bedeutend für die Verbandsidentität und Spiritualität, allerdings sei bislang zu wenig auf problematische Seiten seiner Biografie geblickt worden. "Ziel ist ein reflektierter und zeitgemäßer Umgang", heißt es.
Die KjG hebt demnach weiterhin Morus‘ Gewissenstreue, humanistische Ideale, Humor und sein Werk "Utopia" hervor. Gleichzeitig sollen auch "kritisch einzuordnende Aspekte seines Lebens sichtbar gemacht werden". Zu diesen zählt der Verband Morus' "polemische Haltung gegenüber reformatorischen Bestrebungen, die Verfolgung sogenannter Häretiker*innen bis hin zu Hinrichtungen in seiner Regierungszeit sowie sein Festhalten an reformbedürftigen kirchlichen Strukturen".
Weitere Möglichkeiten der Beschäftigung
Einen Prozess der verbandsinternen Neubewertung von Thomas Morus hatte die KjG vor zwei Jahren begonnen. "Im Prozess der bisherigen Auseinandersetzung sind die Schwierigkeiten eines zeitgemäßen Zugangs zu Heiligen und Patronaten deutlich geworden", betont der Verband. Für die Mitglieder würden weiterhin Möglichkeiten geschaffen, sich mit Thomas Morus als Verbandspatron zu beschäftigen und eine eigene Haltung zur historischen Person zu entwickeln. Die KjG kündigte an, die Ergebnisse dieses Prozesses etwa im Rahmen einer Social-Media-Kampagne bekannt zu machen.
Thomas Morus (1478–1535) war Lordkanzler unter dem englischen König Heinrich VIII. Da er sich weigerte, den geforderten Eid auf die königliche Oberherrschaft über die Kirche abzulegen und damit den Bruch von Heinrich VIII. mit dem Papst mitzutragen, wurde er 1535 hingerichtet. Morus ist außerdem als geistlicher und humanistischer Autor bekannt. In seinem bekanntesten Werk "Utopia" schilderte er eine ideale Gesellschaft. Seine Heiligsprechung 1935 wurde von Beobachtern als Signal der Kirche gegen die Herrschaftsansprüche totalitärer Staaten gewertet. 2000 rief in Papst Johannes Paul II. zum Patron der Regierenden und Politiker aus. (mal)