Pastoralpsychologin reflektiert Tätigkeit

Als Frau im Priesterseminar: "Bin ich Systemerhalterin wider Willen?"

Veröffentlicht am 02.06.2026 um 13:29 Uhr – Lesedauer: 

Wien/Frankfurt ‐ Als Frau im Priesterseminar zu arbeiten, bedeutet für die Pastoralpsychologin Christine Kliemann ein gewisses Spannungsfeld. Wie sie auf ihre Tätigkeit blickt, die andere auf einem Weg begleitet, der ihr verweht ist.

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Die Ordensfrau und Pastoralpsychologin Christine Kliemann sieht ihre Arbeit als Frau in der Priesterausbildung trotz eines Spannungsfeldes als eine Art von Berufung. Einerseits frage sie sich: "Bin ich Systemerhalterin wider Willen?", schreibt Kliemann in einem Beitrag für das Portal "feinschwarz.net" (Dienstag). "Gleichzeitig gibt es da diesen Eindruck, dass meine Tätigkeit in der Priesterausbildung vielleicht tatsächlich etwas mit Berufung zu tun haben könnte." Kliemann arbeitet im Frankfurter Priesterseminar St. Georgen und gehört dort zum Team der spirituellen und pastoralpsychologischen Ausbildung.

Dass sie als Frau andere bei ihrem Weg zum Priesteramt unterstütze, der ihr selbst verwehrt ist, würden ihr manche wohl als "masochistisch" auslegen, so Kliemann. Dazu wollten viele heutige Priesteramtskandidaten eine andere Kirche gestalten, als sie selbst sie sich wünsche. "Ich halte es nicht für unrealistisch, dass diejenigen, denen ich heute in unterschiedlichen Ausbildungskontexten begegne, morgen diejenigen sein könnten, die mich eines Tages endgültig aus der Kirche hinausdrängen."

Gegenseitiger Respekt

Dennoch könnte es für ihre Tätigkeit noch eine andere Erklärung "als eine masochistische Veranlagung" geben. Auch wenn sie den Begriff "Berufung" kritisch sehe, gebe es möglicherweise "so etwas wie einen Ruf, eine Einladung, die herausfordert und dennoch die menschliche Freiheit respektiert". Dass Frauen keine Priesterinnen werden können, finde sie zwar ungerecht. "Vielleicht tut mir da das Empfinden von Ungerechtigkeit ganz gut, wenn es darum geht, mich nicht einfach mit allem abzufinden, sondern meine Weise zu suchen, produktiv in der Priesterausbildung präsent zu sein."

Die Gespräche mit den Seminaristen könnten nur fruchtbar werden, wenn die Beziehung von gegenseitigem Respekt geprägt sei. "Vielleicht liegt gerade darin das zutiefst Sinnhafte meiner Tätigkeit." Und weiter: "Auch wenn ich manches nicht verstehe und anderes fragwürdig finde, respektiere ich ihre Motivation, ihre Lebensgeschichte, ihre Bereitschaft, sich zu engagieren, das Geheimnis ihrer jeweiligen Person, das sich nie ganz ergründen lässt." Auch die Seminaristen respektieren sie, so ihr Eindruck. Dieser Respekt fordere sie auf, unterschiedliche Überzeugungen auszuhalten und konstruktiv mit Spannungen umzugehen.

Berufung bedeute für sie, einer Resignation, von der bisweilen auch sei betroffen sei, etwas entgegenzuhalten und sich mit all ihren Fähigkeiten einzubringen, beschreibt Kliemann. Dass der Ort dafür die Priesterausbildung sei, erstaune sie manchmal. Sie wolle sich weiterhin "um Respekt, Komplexität, das Aushalten von Spannungen und um Hoffnung bemühen". (mal)