Theologische Vorlesung interessiere niemanden

Ordensmann kritisiert dürftige Predigten in der Kirche

Veröffentlicht am 03.06.2026 um 11:45 Uhr – Lesedauer: 

Graz ‐ Predigten brauchen mehr als theologisches Wissen: Entscheidend ist laut Pater Hans Hütter die persönliche Glaubenserfahrung. Was sich der engagierte Ordensmann für die Kirche wünscht.

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Eine Vorlesung als Predigt interessiert laut Hans Hütter in der Kirche niemanden. Der Redemptorist sagte dem "Steirischen Sonntagsblatt", die Verkündigung durch manche Priester sei "dürftig". Er finde es problematisch, "wenn die Predigt Personen vorbehalten ist, die der Sprache nicht ausreichend mächtig sind und lediglich einen theologischen Text vorlesen".

In der Predigt brauche es intellektuelle Anreize; aber biblische Texte müssten vor allem berühren, so der Ordensmann. Zu viel Kopfarbeit halte die Menschen davon ab, in die Kirche zu gehen. Glaube könne erst dann Wurzeln schlagen, wenn sich Menschen von der Frohen Botschaft auch angesprochen fühlten, so Hütter.

Eigenverantwortliche Verkündigung

Vor 30 Jahren gründete der Pater das "Predigtforum" – eine Internetplattform mit Predigtimpulsen und Materialien zur Gottesdienstgestaltung – um auch Laien zur Glaubensweitergabe zu befähigen. Denn laut Hütter spielen Laien bei der Erneuerung des Glaubenslebens in der Kirche eine bedeutende Rolle.

Die Weitergabe bibeltheologischer Informationen brauche eine Fachfrau oder einen Fachmann, so Hütter. Dabei sei wichtiger als das Verstehen von Inhalten, wie das Bibelwort Eingang ins Herz finde. So sei Verkündigung nur echt, wenn es um den persönlichen Glauben gehe.

Das Predigtforum verzeichnet 13.000 Online-Zugriffe pro Woche. Es soll Menschen laut Hütter zur Verkündigung ermutigen. Immer wieder erlebe er, dass Menschen, die sich zum Gebet treffen, ungern ohne Priester und Amtsträger beten, weil sie nicht sicher seien, ob das, was sie machen, "in Ordnung ist". Der Ordensmann wünscht sich, "dass in der Kirche viel mehr eigenverantwortlich geschieht – auch auf das Risiko hin, dass das eine oder andere sich erst bewähren muss". (KNA)