Glaubensgespräche in neuer Diözese

"Zusammen geht was": Bischof Wilmer auf Pilgertour durch sein Bistum

Veröffentlicht am 17.06.2026 um 00:01 Uhr – Von Jürgen Flatken – Lesedauer: 

Emstek/Bethen ‐ Bevor er sein neues Amt in Münster übernimmt, will Bischof Heiner Wilmer sein künftiges Bistum kennenlernen. Am ersten Tag seiner Pilgertour war er im Oldenburger Münsterland unterwegs – und immer wieder beeindruckt.

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"Ich finde es total cool, dass er seine Pilgertour durchs Bistum bei uns beginnt", freut sich Friederike Asbree auf den Besuch des ernannten neuen Münsteraner Bischofs Heiner Wilmer im Oldenburger Münsterland. Asbree gehört zu dem zehnköpfigen Organisationsteam, das den Tag mit vorbereitet hat. Die Vorbereitungszeit sei mit sechs Wochen zwar kurz und der Aufwand enorm gewesen. Aber: "So haben wir die Möglichkeit, ihn ein bisschen kennenzulernen und er uns. Ich bin gespannt, wie er so tickt."

Eine Woche vor seiner Amtseinführung als Bischof von Münster pilgert Heiner Wilmer mit rund 100 Menschen von Emstek über Höltinghausen nach Bethen. Er eröffnet damit seine Pilgerwoche, in der er an fünf Tagen unter der Überschrift "Zusammen geht was" die unterschiedlichen Regionen seines zukünftigen Bistums zu Fuß erpilgert.

Kaum ist der Pavillon auf dem Platz vor der Kirche St. Margaretha in Emstek im Oldenburger Münsterland, dem Startpunkt, aufgebaut, geht auch schon der erste kräftige Regenschauer des Tages runter. Und er sollte nicht der letzte gewesen sein. Das tut der Stimmung aber keinen Abbruch. "Das meiste fällt ja eh vorbei", versicherten sich die Teilnehmenden mit Blick aufs Regenradar gegenseitig.

Oberleutnant Andre Knappe (links) betet in der St. Aloysius-Kirche in Höltinghausen im Oldenburger Münsterland.
Bild: ©Jürgen Flatken

"Ich bin durch unseren Militärpfarrer zum Mitpilgern eingeladen worden", sagt Oberstleutnant Andre Knappe (links). "Und finde es spannend, dass ein Bischof sich mit uns austauschen will." Der Glaube habe ihn durch seine bisherigen 26 Dienstjahre getragen.

Heiner Wilmer begrüßt jeden Pilger per Handschlag und wechselt hier und da ein paar Worte. "Einen schönen guten Morgen wünsche ich", sagt Wilmer zu Beginn. "Oder, wie wir bei uns in der Verwandtschaft sagen: 'Moin'". Ein begeistertes Moin schallt aus über 100 Kehlen zurück. Der Ton für den Tag ist gesetzt. Dem künftigen Bischof von Münster ist die Freude an der Pilgertour anzumerken: "Es ist eine Ehre und ein Privileg heute bei euch, bei Ihnen zu sein. Und es ist ein bisschen wie nach Hause kommen", erzählt der gebürtige Emsländer. "Meine erste vernünftige Arbeit hatte ich als Lehrer für Geschichte, Politik und natürlich auch Religion an der Liebfrauenschule in Vechta", berichtet er den Pilgerinnen und Pilgern. Die Schule wird heute vom Bischöflich Münsterschen Offizialat in Vechta getragen. Das Offizialat verwaltet den niedersächsischen Teil der Diözese Münster, die bald von Wilmer geleitet wird.

"Ich möchte Ihnen zuhören, Sie kennenlernen und mit Ihnen ins Gespräch kommen", erklärt der Bischof die Idee hinter seiner Pilgertour. Seine große Leitfrage für alle fünf Pilgertage laute: "Welche Erfahrungen machen Sie mit dem Glauben und mit Gott? Mich interessiert, was Sie bewegt. Ich möchte Ihnen zuhören." Diese persönlichen Begegnungen mit den Menschen seien ihm wichtig. 

Die Einladung zum gemeinsamen Pilgern haben Menschen unterschiedlichster Berufsgruppen angenommen: Erzieherinnen, Landwirte, Soldaten, Lehrerinnen, Ingenieure, Polizistinnen, Banker – Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus unterschiedlichen Bereichen sind zusammengekommen, um gemeinsam mit ihrem neuen Bischof knapp zehn Kilometer durch das Oldenburger Münsterland zu pilgern.

Bischof Heiner Wilmer sitzt in einem Stuhlkreis mit Gläubigen aus seinem neuen Bistum.
Bild: ©Jürgen Flatken

Stuhlkreise sollen den Gläubigen die Möglichkeit bieten, über sich über ihren Glauben auszutauschen. Mit dabei ist auch Bischof Heiner Wilmer.

Einer von ihnen ist Oberstleutnant Andre Knappe. "Ich bin durch unseren Militärpfarrer zum Mitpilgern eingeladen worden. Und finde es spannend, dass ein Bischof sich mit uns austauschen will", erklärt der Bataillonskommandeur beim Objektschutzregiment der Luftwaffe in Schortens seine Teilnahme. Der Glaube spiele schließlich auch im Beruf als Soldat eine Rolle. "Mein Glaube hat mich durch meine bisherigen 26 Jahre Dienstjahre getragen und auch Kraft und Halt gegeben."

Auch wenn schon kurz nach dem Start der Pilgertour ein Platzregen auf die Gruppe niederprasselt, kommen die Pilgerinnen und Pilger schnell miteinander ins Gespräch. Mittendrin Bischof Heiner Wilmer, der die blaue Schirmmütze mit dem Spruch "Zusammen geht was – Unterwegs mit Bischof Heiner" tief in die Stirn gezogen hat. Unterwegs erzählt er, wie er auf die Idee der Pilgertour gekommen ist: "Ich bin nachts wachgeworden, habe mich im Bett umgedreht und dabei gedacht, dass das mit dem Pilgern doch eine gute Idee wäre, um Land und Leute kennenzulernen."

Diese Gelegenheit, den neuen Bischof persönlich kennenzulernen, wollte sich auch Josef Averbeck von der Friedhofsverwaltung der Kirchengemeinde St. Marien in Friesoythe nicht entgehen lassen. "Ich habe diese Chance am Schopf gepackt. So gesehen ist er ja jetzt auch mein Chef." Averbeck hat Respekt vor der Aufgabe, der sich der Wilmer nun stellt. Schließlich verändere sich viel in der Kirche.

Bischof Heiner Wilmer spricht mit zwei Jugendlichen, die Deutschland-Trikots tragen
Bild: ©Jürgen Flatken

Mit Jugendlichen sprach Bischof Heiner Wilmer über das bevorstehende Gruppenspiel der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft.

Plötzlich steigt ein eigentümlicher Geruch in die Nase. "Hier riecht es nach Landwirtschaft", sagt einer der Pilgernden lachend. Noch bevor man sie sehen kann, riecht man schon die Schweinemastställe. Als die Gruppe Höltinghausen erreicht, kommen die Menschen aus ihren Häusern. Sie wollen ihren neuen Bischof sehen und fragen, wo er denn sei, der neue Bischof. Denn Heiner Wilmer unterscheidet sich kleidungstechnisch kaum von den anderen Pilgern. Erkennbar ist er nur an seinem schwarzen Hemd mit dem Priesterkragen. Wieder werden viele Hände geschüttelt. Mit zwei Jugendlichen in Fußballtrikots tauscht sich Wilmer kurz zum bevorstehenden ersten Gruppenspiel der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft bei der Fußball-Weltmeisterschaft aus. Wilmer tippt auf ein "Zwei zu Null – ohne Verlängerung".

Nach der Mittagspause mit Schnittchen und Butterkuchen bilden sich zehn Stuhlkreise für die Glaubensgespräche, die für die Pilger die Möglichkeit bieten sollen, sich mit ihrem Glauben im Alltag auseinanderzusetzen. Fragen wie "Spielt der Glaube im Arbeitsalltag eine Rolle?", "Was ist dir auf der Arbeit heilig?" oder "Was stärkt mich, um in meinem Beruf arbeiten zu können?" Leiten die Gespräche. Wilmer wechselt zwischen den einzelnen Gruppen. Mit einem Gebet in der St.-Aloysius-Kirche wird die zweite Etappe des Pilgerwegs eingeleitet. "Ich bin immer noch ganz erfüllt und beseelt von unseren Gesprächen und Ihren Geschichten", sagt der Bischof. Besonders beeindruckt habe ihn die Aussage einer Pilgerin, dass es wichtig sei, "nicht zu urteilen, sondern erst einmal wahrzunehmen". 

Auf der Schlussetappe kurz vor dem Marienwallfahrtsort Bethen bei Cloppenburg zieht Wilmer ein erstes Resümee. Es sei eine beeindruckende Pilgertour gewesen, die ihn tief bewegt habe. "Es war ein wunderbarer Tag mit den Menschen des Oldenburger Münsterlandes. Ich bin unglaublich dankbar für so viele Gesichter, Begegnungen, Treffen und Gespräche", betonte der neue Bischof. "Es ist großartig, wie die Menschen hier im Glauben leben, wie sie hinstehen im Namen Gottes, so dass die Welt eine bessere wird in der alle Menschen gut leben können." Beindruckt habe ihn zum Beispiel ein Monteur, der ihm erzählt habe, dass Kirche ihm Halt gebe und dass er – wenn er fern sei von der Heimat und seiner Familie –, im Glauben, Trost und Zuversicht fände.

Bischof Heiner Wilmer predigt bei einem Gottesdienst vor der Wallfahrtskirche in Bethen
Bild: ©Jürgen Flatken

Bei einem Gottesdienst vor der Wallfahrtskirche in Bethen sprach Bischof Heiner Wilmer über den Mut der Christen im Oldenburger Münsterland in der Zeit des Nationalsozialismus.

Am Ziel des Pilgerwegs angekommen zieht die Pilgergruppe unter dem Applaus von rund 1.500 Menschen auf den Platz in die Basilika in Bethen ein. Als künftiger Bischof von Münster sei es eine große Freude, den ersten Gottesdienst auf dem Weg nach Münster in Bethen feiern zu dürfen, berichtet Heiner Wilmer. "Wir stehen an einem bedeutsamen Ort nicht nur für die Menschen im Oldenburger Münsterland, sondern für die Christen in ganz Deutschland und darüber hinaus." In seiner Predigt sprach er den Kreuzkampf von 1936 an, den mutigen Einsatz der Christen im Oldenburger Land. Dies sei ein starkes Zeugnis der Menschen für Treue im Widerstand gegen den Nationalsozialismus gewesen. "Wenn man die Historiker dazu befragt, sagen sie: Cloppenburg war das politische Zentrum des Widerstands, Bethen das geistliche Zentrum, um in Treue Widerstand zu leisten, damit Leben für alle gelingt."

Josef Averbeck ist froh, mitgepilgert zu sein. Die Glaubensrunden hätten ihn demütig gemacht: "Wenn ich mir die Sorgen der anderen so anhöre, dann habe ich keine Sorgen." Und beeindruckt sei er von seinem neuen Bischof: "Ich habe Bischof Heiner als sehr nahbar und zugänglich erlebt." Er wünsche ihm Kraft für seine kommende Aufgabe, die "nicht ohne ist".

Oberstleutnant Andre Knappe sagt am Ende der Pilgertour, dass er "so eine „Gemeinschaft im Glauben" noch nicht erlebt habe. Gleichzeitig sei es ihm wichtig gewesen, als Soldat erkennbar zu sein. "Es ist wichtig, die Uniform zu zeigen." Schließlich sei er ja als Soldat eingeladen gewesen. "Wir sind auch ein Teil der Gesellschaft." Schließlich hätte sein Beruf auch etwas mit Glauben zu tun. "Zumindest für mich. Letztendlich geht es bei uns um Leben und Tod." Es habe ihn gefreut, mit Menschen ins Gespräch gekommen zu sein, die er sonst nicht getroffen hätte.

Von Jürgen Flatken