Theologe: "Freundschaft im Denken" zwischen Benedikt XVI. und Leo XIV.
Der Präsident der Vatikanstiftung "Fondazione Ratzinger", Roberto Regoli, sieht eine "Freundschaft im Denken" zwischen Papst Leo XIV. und Benedikt XVI. "Das ist für mich zentral, weil beide eine gemeinsame Quelle haben: den heiligen Augustinus. Papst Leo als Sohn des Augustinus und Papst Benedikt als dessen geistiger Bruder – gewissermaßen Sohn und Bruder zugleich", erklärte Regoli in einem Interview mit "Vatican News" (Dienstag). Leo und Benedikt teilten sich daher einen kulturellen Hintergrund und eine bestimmte Herangehensweise an Menschen, Theologie und Politik. "In diesem Sinne gibt es viele Gemeinsamkeiten." Regoli wurde im Januar zum neuen Direktor der Ratzinger-Stiftung ernannt.
Auf die Frage, was die Kirche in Deutschland heute von Benedikt XVI. lernen könne, betonte Regoli, dass Ratzinger Deutschland und vor allem Bayern immer sehr verbunden geblieben sei, es jedoch "immer wieder zu Missverständnissen" gekommen sei. "Seine Antwort auf manche Krisen der deutschen Kirche bestand darin, stets auf den geistlichen Horizont hinzuweisen und die Kirche an ihre geistliche Sendung zu erinnern", so der Theologe. "Die Ratzinger'sche Lösung wäre also, immer stärker auf die Berufung zur Heiligkeit zu schauen, damit die Kirche auch heute eine bedeutende und glaubwürdige Kirche sein kann."
Interesse Jugendlicher an Theologie Ratzingers
Angesprochen auf einen möglichen Seligsprechungsprozess erklärte Regoli, dass "das gläubige Volk Gottes diese Frage auf allen Ebenen stellt – von den Gläubigen über die Geistlichen bis hin zu den Bischöfen". Kirchenrechtlich gelte jedoch die Frist von fünf Jahren nach dem Tod, bevor ein Seligsprechungsprozess eröffnet werden könne. "Ab dem 1. Januar 2028 können diejenigen, die daran interessiert sind, einen entsprechenden Antrag stellen." Bei seiner Stiftung seien bereits "Berichte über empfangene Gnaden eingegangen", die "der Fürsprache Ratzingers zugeschrieben werden".
Regoli betonte, dass sich gerade heute junge Menschen für die Theologie Ratzingers interessierten. Den Grund dafür sieht er in einer immer größeren Sehnsucht nach Spiritualität. Ratzinger habe während seines gesamten Lebens Stellung bezogen und sei auch schwierigen Fragen nicht ausgewichen. Dadurch habe er sowohl Zuspruch als auch Ablehnung erfahren. Zudem habe er es verstanden, auf einfache Weise zu kommunizieren. "Wie die Kirchenväter verstand er es, selbst komplexe theologische Wahrheiten so auszudrücken, dass sie für sein Gegenüber unmittelbar verständlich wurden." (cbr)
