Mehr Gemeindeformen jenseits der Territorialstruktur sind nötig
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Nur noch 9 statt 70 Pfarreien, orientiert an den Dekanatsgrenzen. Das ist der Plan der Diözese Speyer. Vor Ort in den Gemeinden soll kirchliches Leben weiter erfahrbar sein, die Pfarreien als Struktur haben koordinierende Funktion. Damit reagiert die Bistumsleitung – ähnlich wie in den meisten Diözesen – auf den sich schon lange abzeichnenden Personal- und Finanzmangel sowie auf den Rückgang von Gottesdienstbesuch und religiöser Praxis.
Der Säkularisierungsschub in unserer Gesellschaft, wie ihn die jüngste Kirchenmitgliedschaftsuntersuchung vor Augen geführt hat, verlangt nach Konsequenzen. Nur noch 13 Prozent bezeichnen sich als kirchlich religiös. Die Milieuverengung in den Gemeinden tut ihr Übriges.
Daher kann und darf die Zusammenlegung von Pfarreien, die sich primär am Personalschlüssel Hauptamtlicher orientiert, nicht die einzige Lösung sein. Es braucht Kirchenpioniere, die ganz real versuchen, den Tisch, um den wir uns als Christinnen und Christen versammeln, in die Mitte der Gesellschaft zu rücken. Die zusammen mit anderen wach und kreativ sind, wie und wo Gemeinschaft entstehen kann.
Die Beharrungskräfte im Blick auf die Territorialstruktur erschweren es, wirkliche Freiräume – und nicht nur "Spielwiesen" – für neue Gemeindeformen zu schaffen und Kirchenpioniere zu befähigen, sie gemeinsam mit anderen einzuüben. Wie vielfältig das sein kann, machen Initiativen wie Gründergeist deutlich, die u.a. von der Diözese Speyer mitgetragen wird. Ob Gemeinden wieder attraktiver werden, hängt nicht in erster Linie von optimierter Versorgung ab (worauf die neuen Strukturen häufig ausgerichtet sind), sondern davon, ob Menschen sich zu Hause fühlen, ob sie ein Gehalten- und Getragensein erfahren.
Dazu braucht es Vielfalt, die von der Kirchenleitung anerkannt und langfristig gefördert werden muss. Wir brauchen in Zukunft mehr Mischwald als Monokultur. Tradition und Innovation müssen in einem klugen Sowohl-als-auch zueinanderstehen. Bewährtes zu bewahren, bedeutet Sicherheit und Stabilität. Altes loszulassen, schafft Beweglichkeit.
Innovationsbereitschaft vertraut dem Wehen der göttlichen Geistkraft: "Macht mal! Es könnte gut werden!" Das wäre eine wichtige Bestärkung aller Engagierten an einer entscheidenden Wegmarke für die Zukunft der Kirche.
Die Autorin
Claudia Pfrang ist promovierte Pastoraltheologin und Direktorin der Domberg-Akademie der Erzdiözese München und Freising.
Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.
