Arbeitspapier gelang ins Netz

Konsistorium: Über diese Themen werden Kardinäle und Papst beraten

Veröffentlicht am 18.06.2026 um 14:10 Uhr – Lesedauer: 

Vatikanstadt ‐ Kardinäle aus aller Welt treffen Ende Juni zu einem weiteren außerordentlichen Konsistorium im Vatikan ein. Worüber sie mit Papst Leo XIV. beraten werden, macht nun ein öffentlich gemachtes Arbeitspapier deutlich.

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Kurz vor dem außerordentlichen Konsistorium im Vatikan sind die Themen und der Ablauf der Beratungen bekannt geworden. Mehrere Internetblogs und Portale aus dem konservativen Spektrum der katholischen Kirche hatten am Mittwoch ein als vertraulich gekennzeichnetes Arbeitspapier öffentlich gemacht. Der Heilige Stuhl hatte sich bislang nicht zu der Veröffentlichung geäußert.

Dem Papier zufolge sollen sich die Kardinäle bei den für den 26. und 27. Juni angesetzten Beratungen unter Vorsitz von Papst Leo XIV. mit der internationalen Lage, ausgewählten Themen aus der KI-Enzyklika "Magnifica humanitas" und der weiteren Umsetzung der Weltsynode befassen. Ein Vermerk über das Kardinalstreffen besagt wörtlich: "Die Tage des Konsistoriums sind als Zeit des brüderlichen Austauschs über einige Herausforderungen konzipiert, die heute Leben und Sendung der Kirche betreffen. Durch das Hören auf die unterschiedlichen kirchlichen Erfahrungen und den gemeinsamen Dialog sind die Kardinäle eingeladen, ihren Beitrag zur Reflexion und Unterscheidung in pastoralen und missionarischen Fragen von besonderer Bedeutung zu leisten."

Ablauf und Themen

Die Beratungen beginnen den Angaben zufolge am 26. Juni mit einem Gottesdienst im Petersdom unter dem Vorsitz von Leo XIV. Anschließend sind vier thematische Arbeitseinheiten vorgesehen. In der ersten Sitzung sollen die Kardinäle unter der Leitfrage "In welcher Welt sind wir berufen, das Evangelium zu verkünden?" beraten. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, welche Spannungen, Leiden und Fragen derzeit die Völker und kirchlichen Gemeinsamen prägen. Eine weitere Sitzung ist dem Thema "Die Kultur der Macht und die Zivilisation der Liebe" gewidmet. Grundlage der Diskussion soll die kürzlich vom Papst veröffentlichte Enzyklika "Magnifica humanitas" sein. Die Kardinäle sollen darüber diskutieren, wie sich Kriege, gesellschaftliche Polarisierung und internationale Spannungen auf das Leben der Kirche auswirken und welche Beiträge Christen zu Frieden und Versöhnung leisten können.

Am zweiten Tag steht unter der Überschrift "Das Gute aufbauen: die Baustellen unserer Zeit" die Frage nach dem Gemeinwohl im Mittelpunkt. Das Arbeitspapier nennt gesellschaftliche Brüche, die Erwartungen der Menschen an die Kirche sowie mögliche Initiativen der Ortskirchen und der Weltkirche als zentrale Themenfelder. Die abschließende Sitzung soll sich mit dem Stand der Umsetzung der von Papst Franziskus (2013–2025) initiierten Weltsynode befassen. Vorgesehen ist zudem ein freier Austausch zwischen den Mitgliedern des Kardinalskollegiums und dem Papst. Die einzelnen Wortmeldungen sollen dabei auf drei Minuten begrenzt werden.

Zusammensetzung der Kardinäle

Laut dem Arbeitspapier werden die teilnehmenden Kardinäle wie beim Konsistorium im Januar in zwei Gruppenbereiche eingeteilt. Neun Gruppen von wahlberechtigten Kardinälen, die Ortsordinarien sind oder waren – einschließlich Nuntien. Es folgen weitere elf Gruppen von Kardinälen der Römischen Kurie sowie den nicht wahlberechtigten Kardinälen. Begründet wurde die Zusammensetzung wie folgt: "Diese Zusammensetzung entspricht dem Wunsch des Heiligen Vaters, den Erfahrungen der Teilkirchen besondere Aufmerksamkeit zu schenken und Stimmen aus den verschiedenen Regionen der Welt zur Geltung zu bringen."

Unterdessen werden die Kardinäle aufgefordert, während des Konsistoriums keine Stellungnahmen gegenüber Medien abzugeben. Die Inhalte der Beratungen sollen in diesem Zusammenhang vertraulich bleiben. Eine Pressekonferenz ist im Anschluss an das Ende des Konsistoriums geplant. (mtr)