Mädchen dienen am Altar – und später?
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Auf einer Party, ist bestimmt schon 20 Jahre her, motzte ein junger Mann einen anderen an: "Hast du überhaupt gedient?" Die Antwort kam – Verzeihung, aber die Redewendung muss jetzt auch noch sein – wie aus der Pistole geschossen: "Klar, am Tisch des Herrn!" Klingt wie ein Witz, ist aber tatsächlich so passiert. Gedient hatte der Angesprochene, vielleicht nicht als Soldat, aber eben als Ministrant, als Messdiener.
Ich war auch einige Jahre Ministrantin. Das war cool, nicht nur, weil wir bei Hochzeiten auch mal eine Taschengeldaufbesserung zugesteckt bekamen, sondern vor allem, weil wir mitten im Geschehen waren. Der Gottesdienst war so für mich als Zehn- oder Zwölfjährige kein Zuschau-Programm, sondern auch eine Aufgabe und Verantwortung. Denn für uns galt: "Damit alles läuft und funktioniert, braucht's uns junge Leute – und wenn wir ganz viele sind, dann ist es besonders feierlich." Am besten gefiel es mir, wenn ich beim "Großer Gott, wir loben dich" klingeln durfte, da war ich richtig stolz, denn schließlich war ich sozusagen zentral verantwortlich für die Feierlichkeit.
Auch viele Menschen, die als Erwachsene kaum noch Bezüge zur Kirche zu haben scheinen, erzählen mir immer wieder, dass sie ja auch ministriert haben und dann kommen ihnen oft noch lustige Anekdoten und andere gute Erinnerungen in den Sinn. Der Dienst am Altar – das Mittun, Mitgestalten, Verantwortung tragen – ist eine wichtige Erfahrung wohl nicht nur für meine Glaubensbiografie.
Dass die Verantwortungssphären für Frauen in der Kirche klar begrenzt bleiben, ist ein Missstand, den die gestern von der Deutschen Bischofskonferenz veröffentlichten Zahlen vor Augen führen. 54 Prozent der Kinder und Jugendlichen, die heute am Altar dienen, sind Mädchen und junge Frauen. 100 Prozent der Priester, die am Altar die Messe leiten, sind Männer.
Ob ihre tiefe Zugehörigkeit und Beheimatung in der Kirche Zukunft hat, wird für viele der jetzigen Ministrantinnen wohl auch davon abhängen, ob die Kirche sie auch als Erwachsene noch mittun, mitgestalten und Verantwortung tragen lässt – ohne Abstriche.
Die Autorin
Gudrun Lux ist Stadträtin (Grüne) in München und Mitglied des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK).
Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.
