Orden "Pro Ecclesia et Pontefice"

Medienmann der Päpste: Jesuit Gemmingen vom Vatikan geehrt

Veröffentlicht am 19.06.2026 um 15:01 Uhr – Lesedauer: 

Vatikanstadt ‐ Mehr als ein Vierteljahrhundert lang war er eine der wichtigsten deutschen Stimmen des Vatikans: Jesuitenpater Eberhard von Gemmingen. Mit 90 wurde er nun im Vatikan geehrt – und blickte zurück auf bewegte Zeiten.

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Der Vatikan hat Jesuitenpater Eberhard von Gemmingen (90) für sein Lebenswerk geehrt. Der langjährige Leiter des deutschsprachigen Programms von Radio Vatikan zeigte sich im Gespräch mit "Vatican News" (Freitag) tief bewegt über die Auszeichnung mit dem Orden "Pro Ecclesia et Pontefice" (Für die Kirche und den Papst), die ihm vom Präfekten des Dikasteriums für Kommunikation, Paolo Ruffini, überreicht wurde.

Der heute in München lebende Jesuit leitete von 1982 an 27 Jahre lang die deutschsprachige Redaktion von Radio Vatikan, das inzwischen zum Internetportal "Vatican News" gehört. Im Rückblick auf diese Jahre hob der Geistliche im Gespräch mit den vatikanischen Medien die historische Tragweite der letzten Pontifikate hervor.

Darunter rage das Wirken von Papst Johannes Paul II. (1978-2005) als "Beispiel für gewaltlose Veränderung" besonders heraus. Durch bloße Überzeugungskraft und den wiederholten Aufruf "Habt keine Angst" habe das polnische Kirchenoberhaupt den Systemwechsel im Ostblock maßgeblich mitgestaltet und bewiesen, dass Päpste Weltgeschichte im positiven Sinne prägen könnten, so Gemmingen.

"Manchmal auch mit kleinen Provokationen"

Historisch sei Radio Vatikan insbesondere für die Menschen im Ostblock eine elementare Quelle der Ermutigung und der freien Information gewesen. Die christliche Botschaft müsse in der modernen Verkündigung so vermittelt werden, dass sie die Menschen intellektuell anspreche und als packende, geistige Kraft erfahren werde.

Bei der Ordensverleihung, die bereits am Dienstag im kleinen Kreis stattfand, hatte der langjährige Leiter von Radio Vatikan, Pater Federico Lombardi, an die tiefgreifende technische Modernisierung des Senders erinnert, die Gemmmingen mitgestaltet habe.

Inhaltlich bezeichnete Lombardi Gemmingen als einen manchmal unbequemen, aber stets visionären Vordenker. Lombardi führte aus: "Er hat nie zurückgeschaut, sondern immer nach vorn – manchmal auch mit kleinen Provokationen, etwa wenn er im privaten Kreis von der Möglichkeit des Kardinalshuts für Frauen sprach." (KNA)