Standpunkt

Einsatz für Klimagerechtigkeit ist Christenpflicht

Veröffentlicht am 23.06.2026 um 00:01 Uhr – Von Katharina Goldinger – Lesedauer: 

Bonn ‐ Die erste große Hitzewelle des Jahres bringt Europa ins Schwitzen – der Einsatz für Klimagerechtigkeit dagegen hat keine Konjunktur. Für Katharina Goldinger ist klar: Das muss sich ändern.

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Meine Wetter-App zeigt die Meldung "Warnung vor extremer Hitze" an. Seit Tagen liest sich dieser "Sonnengesang" bedrohlich, denn er bedeutet – besonders für körperlich geschwächte Personen – ernsthafte Gefahr. Die aktuelle Hitzewelle ist ein Wetterphänomen, aber darüber hinaus auch Indikator für den menschengemachten Klimawandel. Auf die Erfolge und die mediale Präsenz der Fridays-for-future-Bewegung folgte das Rollback: Zwischenzeitlich gilt als mutig, wer sich als junger Mensch als Veganerin oder Veganer outet oder wer als Politikerin oder Politiker daran erinnert, dass die Klimakrise unbedingt von uns verlangt, CO2-Emissionen drastisch zu senken. Einsatz für Umwelt und Natur, für Klima und ein gutes Leben für alle wird als "grüne Ideologie" verspottet und als persönlicher Affront verstanden. Nur so ist erklärbar, wie etwa die Reform des Gebäudeenergiegesetzes durch Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) nicht zu einem deutlichen öffentlichen – und auch kirchlichen! – Aufschrei führt, obwohl sich hinter dem Label "Technologieoffenheit" faktisch ein Zurück zu fossilen Energien verbirgt.

Dabei sind die erhobenen Daten unbestechlich. Entgegen der landläufigen Meinung, die Krise sei zu komplex, um sie überhaupt verstehen zu können, zeigen sehr gut aufbereitete Factsheets (z.B. das Klimaradar des ZDF) für alle verständlich und eindeutig: Es gibt einen menschengemachten Klimawandel und er hat sich längst zur größten aller globalen Krisen ausgewachsen. Die Zeit für unser Handeln als Weltgemeinschaft ist begrenzt, und bislang sind unsere Bemühungen längst nicht ambitioniert genug. Im Gegenteil: In Deutschland stagnieren sie. Papst Franziskus hat mit seiner Enzyklika "Laudato Si" (2015) Maßstäbe gesetzt. Wir sind als Kirche ermächtigt und verpflichtet, uns für Klimagerechtigkeit stark zu machen. Unsere Gebäude, unsere Kapitalanlagen, unsere Mobilität, unsere Flächenbewirtschaftung, unsere Ernährung: Wenn alle Felder kirchlichen Alltagslebens sich an den Klima- und Nachhaltigkeitszielen messen lassen würden, wäre ein "Sonnengesang" wieder Lob Gottes und seiner Schöpfung und keine Gefahrenwarnung vor Überhitzung.

Von Katharina Goldinger

Die Autorin

Katharina Goldinger ist Theologin und Pastoralreferentin im Bistum Speyer und Religionslehrerin an einem Speyerer Gymnasium. Sie ist sehr gerne in digitalen (Kirchen-)Räumen unterwegs und ehrenamtlich im Team der digitalen christlichen Community da_zwischen aktiv.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.