Liturgiedikasterium hatte Laienpredigt verboten

Pastoraltheologe: Vatikanabsage hilft nicht gegen Klerikalismus

Veröffentlicht am 24.06.2026 um 12:25 Uhr – Lesedauer: 

Münster/Rom ‐ Die vatikanische Absage an Laienpredigten in Deutschland sieht Pastoraltheologe Christian Bauer kritisch. Er hofft, dass das Verbot keine Auswirkungen auf den Gemeinde-Alltag haben wird.

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Der Münsteraner Pastoraltheologe Christan Bauer hat sich enttäuscht über das vatikanische Verbot der Laienpredigt gezeigt. "Es war kein guter Tag für die Überwindung des hartleibigen und tiefsitzenden, seit Jahrhunderten eingeübten Klerikalismus einer Kirche, die sich nur sehr zaghaft synodalisiert", sagte er im Interview des Portals "Kirche+Leben" (Mittwoch).

Bauer kritisierte zudem die deutsche Anfrage im Vatikan um ein Indult. Dies wäre nur eine lokal begrenzte Ausnahme von der weiterhin gültigen Regel gewesen. "Ein aus meiner Perspektive weitaus stichhaltigeres Argument für die 'Laien'-Predigt im Sinne einer offiziellen Schriftauslegung ('Homilie') in der Sonntagsmesse ist der Hinweis auf die durchaus vorhandene Amtlichkeit der Predigenden", erklärte der Pastoraltheologe.

Pastoralreferenten predigen im Namen der Kirche

So habe der Vatikan argumentiert, bei der Homilie gehe es nicht um theologische Kompetenz, sondern um ein amtliches Geschehen. "Predigende Gemeinde- und Pastoralreferent:innen sind mehr als bezahlte Ehrenamtliche. Sie sind nichtgeweihte, aber bischöflich gesendete kirchliche Amtsträger:innen im Sinne von Can. 145 §1 des Kirchenrechts", sagte Bauer. Sie predigten daher nicht privat in ihrem Namen, sondern im Namen der Kirche. Da diese ämtertheologische Argumentation im deutschen Schreiben nicht vorgekommen sei, habe auch Rom darauf nicht reagiert. Daher lasse sich auch nicht fragen, "ob das hier geäußerte Verbot auf die genannte Situation überhaupt zutrifft".

Bauer äußerte die Hoffnung, dass das Vatikan-Verbot keine Auswirkungen auf den Gemeinde-Alltag habe. "Denn ich hoffe, dass mit dieser römischen Intervention in vielen Gemeinden genauso umgegangen wird, wie es bereits mit dem Predigtverbot von 1988 geschehen ist: Man hört Rom und geht dennoch in ungekündigter Verbundenheit mit der Weltkirche mit guten Gründen und im Vertrauen auf den schöpferischen Geist im Heilsplan Gottes einen anderen Weg."

Mikrofone auf Tischen, im Hintergrund das Synodalkreuz und das Logo des Synodalen Weges
Bild: ©KNA/Bert Bostelmann (Symbolbild)

Die Forderung nach einer Erlaubnis für die Laienpredigt war ein Beschluss des Synodalen Wegs. Der Vatikan hat den Wunsch nicht erfüllt.

Am Dienstag hatten Vatikan und Deutsche Bischofskonferenz (DBK) das Schreiben von Liturgiepräfekt Kardinal Arthur Roche an den DBK-Vorsitzenden Bischof Heiner Wilmer veröffentlicht. Darin bekräftigte Roche, dass Laien in der Eucharistiefeier keine Homilie halten dürfen. Die deutsche Bitte um ein Indult lehnte er ab.

Der italienische Liturgiewissenschaftler Andrea Grillo hält die Antwort des Vatikan für richtig, aber falsch begründet. Die Predigt stehe dem Vorsitzenden der Gemeinde zu. "Doch der Vorsitz einer Gemeinde ist nicht in erster Linie ein 'individueller Status', sondern eine komplexe, kirchliche Beziehung", schreibt Grillo in einem Blogbeitrag für das Portal "Munera" (Dienstag). "Zu den Neuerungen, die das Zweite Vatikanische Konzil der liturgischen Tradition wiedergegeben hat, gehört die 'Predigt'. Es handelt sich dabei nicht um einen 'Kommentar zur Heiligen Schrift', sondern um einen 'präsidialen' Akt, der in der Regel dem Vorsitzenden der Feier oder gegebenenfalls dem Diakon obliegt." Die Fähigkeit, die Predigt zu halten, entspringe nicht aus der "abstrakten Ordination", sondern aus der konkreten Weihe zum Vorsitz einer Gemeinde, um diese in "Prophetie, Nächstenliebe und Heiligung zu leiten".

"Die Idee, dass jeder vorbeikommende Priester die Predigt halten kann, anstatt eines voll integrierten Laien, ist völlig absurd und hat nichts Kirchliches an sich, außer der Achtung vor den Normen einer ungleichen Gesellschaft", betonte Grillo. Die Predigtmöglichkeiten zu erweitern, erfordere daher eine Erweiterung der Gemeinde-Leitung. Wenn nicht nur unverheiratete Männer, sondern auch verheiratete Männer oder Frauen Gemeinden leiten dürften, würde sich auch der Kreis derer direkt erweitern, die die Predigt halten könnten, so Grillo. (cbr)