Antwort auf Brief Leos

Vor geplanten Bischofsweihen: Piusbrüder bitten Papst um Entgegenkommen

Veröffentlicht am 30.06.2026 um 19:12 Uhr – Lesedauer: 

Écône ‐ Die Piusbruderschaft will am Mittwoch vier Bischöfe weihen – ohne päpstliches Mandat. Leo XIV. hat sie in einem Brief auf die Folgen dieses Schrittes hingewiesen. Nun reagiert der Generalobere darauf.

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Die Piusbruderschaft hat kurz vor ihren angekündigten Bischofsweihen auf den jüngsten Brief von Papst Leo XIV. reagiert und ihn um ein Entgegenkommen gebeten. In einem Antwortscheiben des Generaloberen Davide Pagliarani (Foto) heißt es am Dienstag: "So bitte ich Eure Heiligkeit lediglich darum, die Lauterkeit dieser unserer Absicht zu würdigen, bevor Sie eine Entscheidung über die Priesterbruderschaft St. Pius X. treffen. Es ist noch nicht zu spät."

Auf ein Bild in Leos Brief bezugnehmend schreibt Pagliarani weiter: "Es erscheint uns – so paradox es klingen mag – in der gegenwärtigen Lage als unsere ausdrückliche Pflicht, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um das Gewand Christi wieder zusammenzufügen, welches von Kräften und Strömungen zerrissen wird, die mit einem wahrhaft katholischen Geist unvereinbar sind." Der Heilige Stuhl habe bewiesen, dass er sehr komplexe Situationen zu verstehen vermöge und sich Zeit zu nehmen wisse. "Ich erlaube mir daher, Eure Heiligkeit in kindlicher Ergebenheit darum zu bitten, sich die für diese Unterscheidung notwendige Zeit zu nehmen."

Der Generalobere der Gemeinschaft verweist auf die seinen Angaben nach "Tausenden von Seelen", die dank der Piusbruderschaft den katholischen Glauben wiedergefunden hätten. "Ich bin gewiss, dass Ihr väterliches Herz als universaler Hirt für diese sehr besondere Situation empfänglich sein wird." Ein "Gestus des Verständnisses" werde der Einheit der Kirche nicht schaden und "vor der Welt und allen Christen nur Ihre Sorge um die Einheit und Ihre väterliche Güte offenbaren", so Pagliarani.

Kirchenrechtler Pulte: Piusbruderschaft als Ganzes schismatisch

Die angekündigten Bischofsweihen der Piusbrüder sind ein schismatischer Akt, stellte der Vatikan klar. Doch nicht nur Weihespender und -empfänger handeln schismatisch, betont der Kanonist Matthias Pulte.

Papst Leo hatte in einem ebenfalls am Dienstag veröffentlichen Schreiben die Piusbruderschaft aufgefordert, die für Mittwoch vorgesehenen unerlaubten Bischofsweihen im Schweizer Écône zu unterlassen. Direkt an Pagliarani gerichtet schrieb er: "Ich ermahne euch, das geistliche Wohl der Gläubigen sorgfältig zu bedenken, weil der schismatische Akt, den ihr begehen würdet, sie des erlaubten und in manchen Fällen auch des gültigen Empfangs der Sakramente berauben würde, welche sie lieben und zu ihrer Heiligung suchen."

Leo betonte, dass die Kirche einem Weg des Dialogs und der Verständigung aufgeschlossen gegenüberstehe. "Ich bete für euch, weil das Zerreißen des nahtlosen Gewandes Christi eine äußerst schwere Sünde ist. Der Herr erleuchte euer Gewissen und rüttle eure Herzen auf." Das Schreiben ist die erste direkte Äußerung von Papst Leo XIV. gegenüber der Piusbruderschaft.

Vatikanisches Vorgehen

Mitte Mai hatte der Präfekt des Glaubensdikasteriums, Kardinal Víctor Manuel Fernández, die Piusbruderschaft förmlich darauf hingewiesen, dass die für den 1. Juli geplanten Bischofsweihen einen schismatischen Akt darstellen und die Exkommunikation nach sich ziehen. Damit kündigte der Vatikan an, bei den anstehenden Weihen wie bei den ersten Bischofsweihen der Piusbruderschaft im Jahr 1988 vorzugehen. Damals hatte der Vatikan im Anschluss die automatisch eingetretene Exkommunikation des Weihespenders und Piusbruderschaft-Gründers Marcel Lefebvre (1905–1991) und der vier von ihm Geweihten bestätigt.

Im Februar hatte Glaubenspräfekt Fernández den Generaloberen Pagliarani noch im Vatikan empfangen, um zu einer gemeinsamen Position zu kommen. Kurz darauf hatten die Piusbrüder das Angebot ausgeschlagen und Mitte Mai eine "Glaubenserklärung" an Papst Leo XIV. vorgelegt. Darin hatten sie ihre Positionen bekräftigt und dabei zentrale Lehraussagen der Kirche bestritten. Vergangene Woche legten sie zudem ein "Glaubensbekenntnis" vor, in dem sie vor "modernen Irrtümern" in der Kirche warnten. (mal)