Vier neue Bischöfe der Piusbruderschaft geweiht

Die Piusbruderschaft hat vier neue Bischöfe geweiht. Trotz Warnungen aus dem Vatikan haben die Bischöfe Alfonso de Galarreta und Bernard Fellay am Mittwochvormittag im schweizerischen Écône die Weihen ohne päpstliches Mandat und damit unerlaubt gespendet. Die neuen Bischöfe sind Pascal Schreiber, Michael Goldade, Michel Poinsinet de Sivry und Marc Hanappier. Die Weihen ohne päpstliches Mandat sind ein schismatischer Akt und ziehen die Exkommunikation als Tatstrafe, das heißt mit Begehen der Tat, für die Spender und Empfänger der Weihe nach sich.
Der Schweizer Pascal Schreiber (Jahrgang 1972) leitet das Priesterseminar der Gemeinschaft im bayerischen Zaitzkofen. Der US-Amerikaner Michael Goldade (Jahrgang 1980) leitet das Priesterseminar in Virginia (USA). Der Franzose Michel Poinsinet de Sivry (Jahrgang 1984) ist Oberer des Distrikts Benelux der Gemeinschaft, Marc Hanappier (Jahrgang 1990), ebenfalls Franzose, ist Professor für Dogmatik am Seminar in Virginia.
Sowohl die Bischofsweihe ohne päpstliches Mandat wie das Begehen eines schismatischen Aktes sind mit der Tatstrafe der Exkommunikation belegt. Exkommunizierte dürfen unter anderem Sakramente weder spenden noch empfangen und keine kirchlichen Ämter, Aufgaben, Dienste und Funktionen ausüben. Damit die Strafe ihre volle Wirkung entfaltet, muss sie nach ihrem automatischen Eintritt durch die zuständige Autorität festgestellt werden. Wenn die Exkommunikation derart festgestellt ist, können die Exkommunizierten unter anderem keine kirchliche Leitungsgewalt ausüben.
Schnelle Reaktion des Vatikans erwartet
Bei den ersten unerlaubten Weihen der Piusbruderschaft 1988 teilte der Vatikan bereits zwei Stunden nach der Weihezeremonie mit, dass sich die Beteiligten selbst exkommuniziert hatten. Am Tag nach der Weihe erließ der damalige Präfekt der Bischofskongregation, Kardinal Bernardin Gantin, das Exkommunikationsdekret. Zwei Tage nach der Weihe veröffentlichte Papst Johannes Paul II. (1978–2005) das Motu prorio "Ecclesia Dei", mit dem er die Exkommunikation erläuterte.
Alle Dialogversuche des Vatikans vor der heutigen Weihe sind gescheitert. Das Angebot des Präfekten des Glaubensdikasteriums, Kardinal Víctor Manuel Fernández, in einen Dialog über theologische Streitfragen sowie über einen künftigen kirchenrechtlichen Status einzutreten, hatte die Piusbruderschaft abgelehnt. Zuletzt hatte sich Papst Leo XIV. persönlich in einem Schreiben an den Generaloberen der Piusbruderschaft, Pater Davide Pagliarani, gewandt und an sie appelliert, von ihrem Vorhaben abzusehen: "Ich bete für euch, weil das Zerreißen des nahtlosen Gewandes Christi eine äußerst schwere Sünde ist. Der Herr erleuchte euer Gewissen und rüttle eure Herzen auf." Der Generalobere antwortete umgehend, sah aber nicht von den Weihen ab. (fxn)



