Bischof warnt vor "Strukturfetischismus in der Kirche"
Der Linzer Bischof Manfred Scheuer hat sich gegen einen "Strukturfetischismus in der Kirche" gewandt. Viele Sitzungen würden nach einem kurzen spirituellen Einstieg bei der Verwaltung, beim Geld, bei der Macht und bei Strukturen landen – und das auch im Bereich der Seelsorge, sagte Scheuer am Wochenende bei der Priesterweihe eines Franziskaners im oberösterreichischen Wels. Nicht Zahlen, Statistiken oder auch Strukturen sollten die Hauptrolle in kirchlichen und auch gesellschaftlichen Vollzügen spielen.
Hinwendung zu Gott bedeute nach dem Vorbild des heiligen Franziskus, auch das Wahrnehmen von Armutserfahrungen, die jeder aus dem Alltag kenne. Scheuer nannte Entbehrung, Enttäuschung, Verzicht, Mangel an Angenommen- und Geliebtsein, jedes Zukurzkommen, Vergessen und Übersehenwerden. Er erwähnte außerdem Erfahrungen von Behinderten, leiblich und psychisch kranken und alten Menschen sowie Notleidenden.
"Angesichts solcher Erfahrungen werden Besitz, Geld und Macht relativiert", so Scheuer. Es gelte, zum heute vorherrschenden Lebensstil eine wirkliche Alternative zu finden. Der heilige Franziskus sei der Überzeugung gewesen, dass Habgier und Geiz die Beziehungen des Menschen zu Gott stören und Ehrgeiz und Konkurrenzdenken den Sinn für die Geschwisterlichkeit unter den Menschen zunichtemachen.
"Pflegen wir Beziehungen!"
Sein Appell: "Pflegen wir Beziehungen!" Auch wenn real existierende Familien und Gemeinschaften "kein idealistisches Paradies" seien, gelte es, sich der Herausforderung zu stellen, "mit den Licht- und mit den Schattenseiten, mit Stärken und Defiziten, mit Begabungen und Behinderungen, mit den Rosen und Neurosen beziehungsreich umzugehen".
Der von den Nazis ermordete evangelische Märtyrer Dietrich Bonhoeffer habe die Haltung des Segnens als christliche Antwort auf Leid und Unrecht empfohlen. "Segnen, das heißt, die Hand auf etwas legen und sagen: Du gehörst trotz allem Gott", sagte Scheuer. (KNA)
