Kritik am "Nein" des Vatikans

Verbände: Predigtverbot bremst Vielfalt "dreifach" aus

Veröffentlicht am 07.07.2026 um 11:10 Uhr – Lesedauer: 

Weilbach ‐ Vom Bischof beauftragte Laien sollen in der Messfeier predigen dürfen, hieß es beim Synodalen Weg. Doch dann kam die Absage aus Rom. Diese Entscheidung kritisieren nun die Verbände von Gemeinde- und Pastoralreferenten.

  • Teilen:

Die Berufsverbände der Gemeinde- und Pastoralreferentinnen und -referenten haben die Ablehnung einer offiziellen Zulassung der Laienpredigt in der Messfeier durch den Vatikan scharf kritisiert. Indem der Präfekt des vatikanischen Liturgiedikasteriums, Kardinal Arthur Roche, das entsprechende Anliegen der Kirche in Deutschland zurückweise, stelle er sich "einer heilsamen und bereichernden Vielfalt in den Weg", erklärten der Bundesverband der Gemeindereferenten (BVGR) und der Bundesverband der Pastoralreferenten (BVPR) am Montag in einer gemeinsamen Stellungnahme.

Ende Juni hatten der Vatikan und die Deutsche Bischofskonferenz (DBK) das Schreiben von Liturgiepräfekt Kardinal Arthur Roche an den DBK-Vorsitzenden, Bischof Heiner Wilmer, veröffentlicht. Darin bekräftigte Roche, dass Laien in der Eucharistiefeier keine Homilie halten dürfen. Zuvor hatte Wilmer in einem Brief an Roche um ein Indult für die Praxis der Laienpredigt gebeten. Auslöser für die Bitte Wilmers war der 2023 verabschiedete Handlungstext "Verkündigung des Evangeliums durch Lai*innen in Wort und Sakrament" des Synodalen Wegs.

Die Verbände verweisen in diesem Zusammenhang darauf, dass der Synodale Weg mit einer Zustimmung von rund 90 Prozent gefordert habe, vom Bischof beauftragte Laien die Predigt in der Eucharistiefeier offiziell zu ermöglichen. Es gehe dabei nicht um ein allgemeines Predigtrecht für alle Gläubigen, sondern um qualifizierte und beauftragte pastorale Mitarbeitende. Wörtlich heißt es: "Es geht um eine dreifache Vielfalt: Wenn nicht ausschließlich Kleriker das Wort Gottes auslegen, bildet sich auch in der Messfeier die Vielfalt der Geschlechter ab. Der Blickwinkel von Frauen fehlt schmerzlich in der offiziellen Messliturgie. Für immer mehr Menschen ist dies inzwischen unerträglich, weil die Männerdominanz sie Sonntag für Sonntag verletzt."

Gute Erfahrungen mit Laien als Predigende

Zugleich bleibe die Vielfalt kirchlicher Dienste unsichtbar. Gemeinde- und Pastoralreferentinnen und -referenten seien vom Bischof zur Verkündigung beauftragt und übernähmen häufig Leitungsverantwortung in Gemeinden. Dass sich dies in der Eucharistiefeier nicht widerspiegeln dürfe, lasse "den Reichtum unterschiedlicher Ämter in unserer Kirche" verborgen. Als dritten Kritikpunkt nennen die Verbände die mangelnde Berücksichtigung der Ortskirchen. Die von Papst Franziskus (2013–2025) geforderte "heilsame Dezentralisierung" werde erneut nicht umgesetzt. "Wir machen in Deutschland gute Erfahrungen mit beauftragten Laien, die auch in der Messfeier das Evangelium auslegen. Es besteht eine hohe Einigkeit beim Kirchenvolk wie bei den Bischöfen in dieser Frage", betonen BVGR und BVPR. Die Qualität der Laienpredigten sei hoch, da die Predigenden gut ausgebildet seien.

Die Verbände riefen unterdessen Bischöfe, Pfarrer sowie beauftragte Frauen und Männer dazu auf, die bisherige Praxis der Laienpredigt in der Messfeier fortzuführen. "Wir vertrauen darauf, dass auch weltkirchlich mehr Vielfalt möglich sein wird", heißt es in der Stellungnahme. "Wir wissen: viele Gläubige weltweit setzen sich dafür ein. Darum lassen wir uns nicht entmutigen." (mtr)