Mit Musik erzählen wie Jesus

Theologe: Popstars erzählen oft besser vom Glauben als die Kirche

Veröffentlicht am 15.07.2026 um 14:25 Uhr – Lesedauer: 

Bern ‐ Taylor Swift statt Kirche: Popsongs können den Glauben oft besser vermitteln als Theologen, meint Uwe Birnstein – gute Songs seien wie die Geschichten, mit denen Jesus den Glauben vermittelt.

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Popmusik und Glaube greifen viel stärker ineinander, als viele denken, betont der Autor und evangelische Theologe Uwe Birnstein. Im am Mittwoch veröffentlichten Interview der katholischen Berner Zeitung "Pfarrblatt" sagte er, als er erfahren habe, dass Bob Dylan "Blowin' in the Wind" mit einer aufgeschlagenen Bibel geschrieben habe, hätte dies seinen Eindruck bestätigt.

Eigentlich gehe es bei spirituellen Erfahrungen darum, den Glauben zu entdecken und eine eigene Sprache dafür zu finden. "Viele Songs helfen Menschen dabei", so Birnstein. Kirchen wirkten dabei oft eher bremsend, weil sie den Glauben auf Moral oder einzelne ethische Fragen verengten. Jesus selbst sei ein "großartiger Geschichtenerzähler" gewesen, so Birnstein. Gute Songs täten etwas Ähnliches: "Sie erzählen Geschichten, die Menschen unmittelbar berühren." Musik erreiche dabei oft Ebenen, die Worten allein verschlossen blieben.

Unterschätzt: Taylor Swift

Laut Birnstein erzählen Musikerinnen und Musiker biblische Geschichten oft fantasievoller weiter als Theologen: "Sie zeigen, dass die Bibel voller Erfahrungen von Liebe, Scheitern, Hoffnung und Neuanfang steckt. Sie übertragen diese Geschichten auf ihr eigenes Leben." Dabei gehe es nicht um eine Kopie der Bibel, sondern um Weitererzählungen, etwa anhand der eigenen Biografie. "Die Musiker pusten den Staub von der Bibel." So zeigten sie, dass die biblischen Geschichten bis heute etwas mit dem Leben zu tun haben, betont der Theologe.

Taylor Swift habe er diesbezüglich unterschätzt: "Erst beim genauen Hinhören bemerkte ich, wie selbstverständlich sie Motive aus ihrer christlichen Prägung mit Erfahrungen von Liebe, Enttäuschung oder Scheitern verbindet – ganz ohne erhobenen Zeigefinger oder missionarischen Ton." Im deutschsprachigen Raum bemerkt Birnstein fehlende Sprechfähigkeit: "Viele trauen sich gar nicht mehr, ihren Glauben in eigenen Worten auszudrücken, oder haben Angst, nicht 'richtig' zu glauben", sagt der Theologe. In den USA fänden religiöse Themen viel selbstverständlicher ihren Platz in der Popmusik.

Birnsteins Songempfehlung für jemanden, der lange keine Bibel mehr aufgeschlagen hat: "'I Still Haven't Found What I'm Looking For' von U2. Der Song steckt voller biblischer Bilder und erzählt gleichzeitig von einer Sehnsucht, die nie ganz endet." (KNA)