Zu wenig Respekt vor östlicher Tradition

Erzbischof: Verheiratete Priester wären Bereicherung für Kirche

Veröffentlicht am 15.07.2026 um 14:40 Uhr – Lesedauer: 

Mechelen ‐ Bis 2028 will der Antwerpener Bischof verheiratete Männer zu Priestern weihen. Sein Amtskollege, Erzbischof Luc Terlinden, hat sich jetzt verhaltener gezeigt – würde in verheirateten Priestern aber eine Bereicherung sehen.

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Der Erzbischof von Mechelen-Brüssel, Luc Terlinden, hat sich für verheiratete Priester in der katholischen Kirche ausgesprochen. "Für mich wären verheiratete Priester eine Bereicherung für die Kirche", sagte Terlinden in einem Interview mit dem "Nederlands Dagblad" (Mittwoch). Das sei bereits bei den katholischen Ostkirchen zu beobachten. "Ich sprach mit einem griechisch-katholischen Bischof, und er erzählte mir, dass 90 Prozent seiner Priester verheiratet sind. Im Westen haben wir nicht immer genügend Respekt vor dieser östlichen Tradition, die ja ebenfalls katholisch ist."

Die belgischen Bischöfe hätten sich im Zuge der Weltsynode 2023 in einem Dokument offen für eine Diskussion über die Möglichkeit der Priesterweihe verheirateter Männer gezeigt. Zum Vorstoß seines Antwerpener Amtskollegen, Bischof Johan Bonny, äußerte Terlinden sich verhalten. "Die Position des Bischofs von Antwerpen ist seine eigene Initiative, aber selbstverständlich kann er ohne die Erlaubnis des Papstes keine verheirateten Priester weihen", so der Erzbischof. Bonny hatte in einem im März veröffentlichten Hirtenbrief angekündigt, bis 2028 verheiratete Priester weihen zu wollen.

Synodalität bei Anglikanern "wie ein Parlament"

Im Interview sprach Terlinden auch über seinen Besuch bei der anglikanischen Synode im englischen York. Dort funktioniere Synodalität "tatsächlich wie ein Parlament", erklärte der Erzbischof. "Ich hatte den Eindruck, dass es mitunter an theologischer und philosophischer Tiefe mangelte." Außerdem lasse das System nicht ausreichend Raum für das, was in der katholischen Kirche "Unterscheidung der Geister" genannt werde. "Im Übrigen haben mir auch mehrere Anglikaner dies bestätigt: Sie könnten viel von unseren Erfahrungen mit der Synodalität lernen." Die anglikanischen Synodalen würden dafür viele Freiheiten genießen und könnten etwa Fragen stellen, die dann von Bischöfen beantwortet werden müssten. Dies biete die Gelegenheit, über alles zu reden.

In der katholischen Kirche brauche es ein Gleichgewicht zwischen der Teilnahme aller Gläubigen und der Kollegialität der Bischöfe, betonte Terlinden. "Wir Bischöfe haben ein besonderes Amt innerhalb der Kirche und dienen als Nachfolger der Apostel. Das ist von großer Bedeutung." Dass der Bischof oder der Papst immer das letzte Wort haben müssten, sei daher "logisch". "Gleichzeitig kann ich mich aber sehr gut mit den Worten identifizieren, die Papst Leo XIV. kürzlich an die Kardinäle richtete: 'Ich muss zuhören, bevor ich führe, lernen, bevor ich lehre.'" (cbr)