Umbau der Diözese Rom vor dem Abschluss

Papst Leo XIV. setzt in seinem Bistum auf Effizienz und bewährte Männer

Veröffentlicht am 17.07.2026 um 00:01 Uhr – Von Ludwig Ring-Eifel (KNA) – Lesedauer: 

Rom ‐ Der Papst ist Bischof von Rom. Da er für dieses Amt nur wenig Zeit hat, gibt es für das römische Bistum eine eigene Leitung. Die hat Leo XIV. gerade mal wieder umgebaut.

  • Teilen:

Seit dem Jahr 1912 hat das Bistum Rom einen eigenen Leitungsapparat, der sich von allen anderen Bistümern der Welt unterscheidet: das "Vicariato di Roma". Da der Papst persönlich sein Bistum damals nicht besuchen konnte - er saß isoliert im Vatikan und betrat nie italienischen Boden - schuf Pius X. diesen Verwaltungsapparat. Und der hat seinen Sitz bis heute nicht im Vatikan, sondern im Lateran.

Das Gebilde war sinnvoll und praktisch - und blieb es auch, nachdem der Vatikan und Italien 1929 Frieden schlossen und der Papst wieder frei reisen konnte. Nur die Begründung wandelte sich: Im 20. Jahrhundert entwickelte sich das Papstamt rasch zur globalen Zentrale einer weltweiten Organisation, und der Pontifex hatte nur noch wenig Zeit, sich um sein Bistum Rom zu kümmern.

Rasch wachsendes Bistum Rom

Und das wuchs beinahe zeitgleich explosionsartig: erst ab 1870 als neue Hauptstadt des Königreichs Italien; und nach dem Zweiten Weltkrieg erneut, diesmal im Zuge von Wirtschaftswunder und Bauboom in der Italienischen Republik. Und so wuchs auch der Bedarf an Pfarreien, Seelsorgern und Priesterausbildung.

Im gleichen Maß wuchs auch die dazugehörige Verwaltung von Personal, Bauten, Akten und Finanzen. Seit Paul VI. (1963-1978) haben die Päpste immer wieder das dynamisch wachsende Bistum Rom umgebaut - und mit ihm das Vikariat als Leitungsorgan. Unter Johannes Paul II. wurde der Kardinalvikar des Bistums Rom, der unlängst verstorbene Kardinal Camillo Ruini, auch deshalb zu einem der einflussreichsten Kirchenmänner Europas, weil er gleichzeitig das Bistum des Papstes leitete und qua Amt auch noch Vorsitzender der mächtigen Italienischen Bischofskonferenz war.

Umbau des Bistums unter Franziskus

Papst Franziskus (2013-2025), dem jegliche Machtkonzentration jenseits des Papstamts zutiefst suspekt war, baute das Bistum Rom, das Vikariat und das Amt des Kardinalvikars entschlossen um. Unter anderem schaffte er die zentrale Seelsorgeregion Roms, zu der die Altstadt mit zahlreichen prestigeträchtigen Kirchen gehörte, ab und teilte sie unter den vier Außenbezirken auf.

Die Lateranbasilika hinter der Aurelianischen Mauer und der Porta Asinaria.
Bild: ©woe/Fotolia.com (Archivbild)

Die Lateranbasilika ist die Bischofskirche Roms.

Auch die Macht des Kardinalvikars und seiner Weihbischöfe beschnitt er. Und das komplette Leitungsteam musste regelmäßig bei seinem Bischof, also dem Papst, zum Rapport erscheinen.

Als Leo XIV. die Nachfolge antrat, machte er etliche Reformen seines unkonventionellen Vorgängers wieder rückgängig. Nun gibt es wieder eine zentrale und vier äußere Seelsorgsregionen in Rom. Für jeden der vier Außenbezirke ernannte er einen eigenen Weihbischof - sie alle waren bis dahin Pfarrer in Rom.

Papst Leo schafft ein neues Amt

Um Ordnung und Struktur in die seit Jahrzehnten wachsende und teils mit überlappenden Kompetenzen ausgestattete Bistumsverwaltung im Vikariat zu bringen, schuf er das neue Amt eines "Moderators der Kurie" (Moderator curiae), der für geordnete Abläufe in der Bistumsverwaltung sorgen soll. Er tat dies mit dem Motu Proprio "Confirma fratres tuos" vom 30. Juni 2026. Gleichzeitig beschnitt er die Macht des Viceregente, der bislang als Vize des Vikars weitreichende Befugnisse hatte.

Für die Dauer von fünf Jahren (mit der Möglichkeit einer einmaligen Verlängerung) ernannte er den bisherigen Pfarrer Pier Luigi Stolfi (55) zum Moderator der Kurie. Der gebürtige Römer hat sich im vergangenen Jahrzehnt unter anderem als Generalsekretär des Amts für den Bau neuer Kirchen in Rom sowie als Verwaltungsleiter des Lateranpalasts verdient gemacht. Daher kennt er die Stärken und Schwächen des kirchlichen Verwaltungsapparats in Italiens zweitgrößtem Bistum wie kaum ein anderer.

Wie schon bei etlichen Ernennungen im Vatikan blieb Papst Leo XIV. auch hier seiner Linie in Personalfragen treu: Er bevorzugt Kirchenmänner (und da, wo es möglich ist, auch -frauen) im Alter zwischen 55 und 65 Jahren, die einen Ruf als effiziente Arbeiter im Weinberg des Herrn haben.

Durch die Ernennung schwoll die Zahl der Leitungsposten in der Führungsspitze des Bistums Rom vorübergehend auf acht an: Kardinalvikar, Viceregente, vier Regionalweihbischöfe, ein Weihbischof für das Priesterseminar und zudem noch der Moderator der Kurie. Es gilt als sicher, dass diese Überzahl demnächst per Versetzung abgebaut wird.

Von Ludwig Ring-Eifel (KNA)