Causa Spahn löste Debatte aus – Fraktionschef tritt zurück

Moraltheologe: Kirche hat gute Gründe für Leihmutterschafts-Ablehnung

Veröffentlicht am 18.07.2026 um 14:31 Uhr – Lesedauer: 

Köln ‐ Dass CDU-Politiker Jens Spahn durch Leihmutterschaft zum Vater geworden ist, hat eine große Debatte ausgelöst. Die Kirche hat dazu eine klare Meinung – zurecht, sagt Moraltheologe Jochen Sautermeister.

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Der Bonner Moraltheologe Jochen Sautermeister hat die kirchliche Position gegen Leihmutterschaft bekräftigt. "Wenn sich die katholische Kirche gegen die Praxis der Leihmutterschaft wendet, dann hat sie dafür gute Gründe", schreibt Sautermeister in einem Beitrag für das Kölner "Domradio" (Samstag). Die Position habe das vatikanische Glaubensdikasterium zuletzt in der Erklärung "Dignitas infinita" (2024) festgehalten. Die Kirche sehe in der Leihmutterschaft "eine Verletzung der Würde des Kindes und der Würde der Frau, die für Dritte eine Schwangerschaft austrägt", so Sautermeister.

Aus einem Kinderwunsch lasse sich kein Rechtsanspruch auf ein Kind ableiten, betont der Moraltheologe. "Dass in Deutschland die Leihmutterschaft verboten ist und die Parteien, die sich auf das christliche Menschenbild berufen, gegen eine Legalisierung der Leihmutterschaft votieren, hat seinen guten Sinn", schreibt er. "Dieser sollte nicht dadurch in Frage gestellt werden, dass Paare für eine Leihmutterschaft ins Ausland gehen."

Die theologisch-ethischen Argumente gegen die Leihmutterschaft ließen sich in fünf Punkte zusammenfassen. So werde die Entwicklung der wichtigen pränatalen Beziehung der Mutter zu ihrem Kind "wissentlich und willentlich rein instrumentell konstelliert", schreibt Sautermeister. Auch die Instrumentalisierung des Körpers der Frau habe Auswirkungen auf diese vorgeburtliche Beziehung. Die Leihmutterschaft bringe zudem eine große Gefahr der Ausbeutung von Frauen und der Kommerzialisierung von Schwangerschaften mit sich.

Bischof Stefan Oster bei einem Pressegespräch
Bild: ©KNA/Julia Steinbrecht (Archivbild)

Auch aus Reihen der Kirche kam Kritik an der Inanspruchnahme von Leihmutterschaft durch Jens Spahn. Der Passauer Bischof Stefan Oster bezeichnete den Vorgang als skandalös.

Darüber hinaus dürften Kinder nicht zum Gegenstand vertraglicher Vereinbarungen und somit zu einem Vertragsobjekt gemacht werden. Zuletzt nehme die Praxis der Leihmutterschaft besondere Herausforderungen für die Identitätsentwicklung und Identitätsbildung des Kindes in Kauf.

CDU-Politiker Spahn und sein Ehegatte hatten jüngst mitgeteilt, Eltern eines Sohnes geworden zu sein und haben damit eine Debatte über Leihmutterschaft ausgelöst. Das Kind kam demnach in den USA zur Welt und wurde von einer Leihmutter geboren. Leihmutterschaft ist in Deutschland verboten. Die CDU lehnt eine Legalisierung ab und bekräftigte das zuletzt auch auf ihrem jüngsten Parteitag. Der Vorgang sorgte für Kritik aus Politik, Gesellschaft und Kirche und Theologie. Der Passauer Bischof Stefan Oster bezeichnete den Vorgang als skandalös, auch der Regensburger Moraltheologe Rupert Scheule und der Berliner Sozialethiker Andreas Lob-Hüdepohl äußerten sich kritisch. Der Jesuit Klaus Mertes sieht einen Rücktritt von Spahn als unausweichlich an.

Spahn selbst sagte am Freitag in einem Podcast, er habe in der Frage einen Prozess durchgemacht und lange mit sich gerungen. Als Christ wisse er, dass "das eine die reine Lehre ist - und das andere das echte Leben". In manchen Lebenssituationen gebe es "kein Schwarz und Weiß - und keine einfachen Entscheidungen". Er räumte ein, mit seinem Handeln im Widerspruch zur Haltung seiner Partei zu stehen. Übereinstimmenden Medienberichten am Samstag zufolge teilte Spahn in einem Schreiben an die Unionsfraktion mit, dass er vom Amt des Fraktionsvorsitzenden zurücktrete. "Mir ist in den letzten Tagen bewusst geworden, dass mein persönliches Glück, gemeinsam mit meinem Mann eine Familie zu gründen und Vater zu werden, nicht vereinbar ist mit meinem politischen Amt", schrieb Spahn demnach. (cbr)