Der Bochumer Neutestamentler Thomas Söding hat sich dafür ausgesprochen, Bildung innerhalb und außerhalb der Kirche synodaler zu gestalten. Synodale Bildung bedeute, "Kinder-, Jugend und Erwachsenenbildung integral zu sehen, die Hinführung zu den Sakramenten mit der Erschließung von Möglichkeiten aktiver Mitarbeit konzeptionell zu verbinden, in den Gemeinden Bildungsarbeit eher nicht outzusourcen, sondern zu integrieren, die Beschäftigung mit Inhalten auf die Entwicklung der Persönlichkeit abzustellen – und vor allem, darauf zu setzen, dass der Glaube auch 'heute' Gottes Wort der Befreiung verstehen kann", schreibt Söding in einem Beitrag für die "Herder Korrespondenz" (Aktuelle Ausgabe).
Söding kritisierte, dass das seit der Jahrtausendwende propagierte Konzept der "Neuevangelisierung" zwar richtig bei einer Alphabetisierung derjenigen ansetze, die zwar getauft seien, aber nicht glauben. "Allerdings haben die Protagonisten der Neuevangelisierung einseitig auf die Propagierung des Katechismus gesetzt, markant im 'Youcat', und dadurch den Eindruck erweckt, im Grunde verfüge das Lehramt schon über alle Antworten auf alle wesentlichen Fragen, die Menschen über Gott und die Welt stellen können; es komme nur darauf an, sie besser zu vermitteln." Was Papst Leo XIV. in seiner Enzyklika "Magnifica humanitas" über die Würde des Menschen im Zeitalter Künstlicher Intelligenz schreibe, sei "aus einem anderen Holz geschnitzt", so Söding.
Keine "Dienstanweisung für kleine Christenmenschen"
Wer die innere Freiheit besitze, den Katechismus nicht "als eine Art Dienstanweisung für kleine Christenmenschen" zu betrachten, sondern als "Kompendium anerkannten Erfahrungswissens im Christusglauben, wird auf der Lesereise viele Entdeckungen machen können", schreibt der Vizepräsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). "Aber diese Freiheit kann nur haben, wer nicht einem instruktionstheoretischen Offenbarungskonzept des 19. Jahrhunderts verpflichtet ist, sondern dem kommunikativen des Zweiten Vatikanischen Konzils, das derzeit synodal ausbuchstabiert werden muss." Auch hier sei religiöse Bildung neu gefragt.
Söding mahnte, dass es bislang noch an abgestimmten Konzepten fehle, um den Herausforderungen für religiöse Bildung heute zu begegnen. "Eine 'Synodalkonferenz' der katholischen Kirche in Deutschland – wenn sie denn mit römischer recognitio starten darf – kann ein wichtiges Feld beackern, wenn sie sich dieser Schlüsselfrage stellt und eine Antwort vorschlägt, die neue Nachdenklichkeit, neue Kreativität, möglichst auch neue Motivation auslöst." (cbr)