Gegen eine Anerkennung übernatürlichen Ursprungs

Medienbericht: Vatikan lehnte Medjugorje-Erscheinungen ab

Der Marienwallfahrtsort Medjugorje in Bosnien.
Bild: marinv/Fotolia.com

Zahlreiche Kirchenvertreter sollen sich in der Vergangenheit gegen den bekannten Marienwallfahrtsort Medjugorje in Bosnien-Herzegowina gestellt haben. Das geht laut dem italienischen Journalisten David Murgia aus einem Dokument hervor, dessen Inhalt er veröffentlichte. Dabei soll es sich um ein Dokument aus dem Jahr 2016 handeln, in dem die Mehrheit der Mitglieder der damaligen Glaubenskongregation sowie andere Kirchenvertreter gegen die Anerkennung des übernatürlichen Ursprungs der Erscheinungen in Medjugorje waren.

Der Journalist gab zudem an, dass Papst Franziskus (2013–2025) damals nach Prüfung des Abschlussberichts der sogenannten Ruini-Kommission die Frage rund um Medjugorje an eine reguläre Sitzung der damaligen Glaubenskongregation verwiesen habe. Die Kommission unter dem Vorsitz von Kardinal Camillo Ruini wurde 2010 eingerichtet und ihr Auftrag bestand darin, das Phänomen Medjugorje zu untersuchen und die Ergebnisse ihrer Untersuchung der Kongregation für die Glaubenslehre vorzulegen. Die Kommission schloss ihre Arbeit im Jahr 2014 ab und äußerte sich positiv hinsichtlich des möglichen übernatürlichen Charakters der frühesten angeblichen Erscheinungen im Jahr 1981.

Risiko eines Schismas

Die Teilnehmer der Konsultation mussten sich, laut Bericht, anhand einer von drei Aussagen äußern: dass das Phänomen übernatürlichen Ursprungs ist, dass es nicht übernatürlichen Ursprungs ist oder dass nicht genügend Elemente vorliegen, um ein endgültiges Urteil zu fällen. Laut den von Murgia veröffentlichten zusammenfassenden Ergebnissen sprachen sich 21 Kirchenvertreter gegen die Anerkennung des übernatürlichen Ursprungs des Phänomens aus, neun sprachen sich für eine solche Anerkennung aus, während drei unentschieden blieben.

Im Jahr 2024 erteilte das vatikanische Glaubensdikasterium unter der Leitung von Kardinal Víctor Manuel Fernández der Marienverehrung in Medjugorje zwar grünes Licht – jedoch unter einem anderen Aspekt. Rom stellte mehrfach klar, dass diese positive pastorale Bewertung keine Anerkennung des übernatürlichen Ursprungs der Erscheinungen bedeutet. Laut der im gleichen Jahr überarbeiteten vatikanischen Normen zu Marienerscheinungen fällt die Kirche darüber auch kein Urteil mehr.

Murgia veröffentlichte außerdem eine Liste von 33 Kardinälen, Bischöfen und Experten, die nach seinen Angaben an der Konsultation teilgenommen hatten, verknüpfte jedoch keine einzelnen Namen mit ihren Aussagen. Einige der Kardinäle und (Erz)Bischöfe auf der Liste sind Gerhard Ludwig Müller, Christoph Schönborn, Peter Turkson, Angelo Scola, Kurt Koch, Marc Ouellet, Camillo Ruini, Vinko Puljić, Josip Bozanić und Angelo Amato, wie auch Rino Fisichella, Erzbischof Luis Ladaria, Erzbischof Charles Scicluna und Achim Schütz. Medjugorje liegt rund 100 Kilometer südwestlich von Sarajevo und ist seit 1981 weit über die Grenzen des Balkans hinaus bekannt geworden. Der Vatikan ließ die Berichte über die Erscheinungen mehrfach untersuchen. Bereits 2017 entsandte Papst Franziskus einen Apostolischen Visitator nach Medjugorje. (mtr)