Der Weihbischof im niederländischen Bistum 's-Hertogenbosch, Rob Mutsaerts, hat in einem Offenen Brief an Papst Leo XIV. Kritik am weltweiten synodalen Prozess der Kirche geübt. "Meine Frage ist einfach und ernst gemeint: Trägt der synodale Prozess tatsächlich dazu bei, die Seelen Christus und dem ewigen Heil näherzubringen? Das ist für mich die entscheidende Frage", schrieb Mutsaerts in der vergangenen Woche in einem Blogbeitrag. Die Welt befinde sich in einer tiefen spirituellen Krise. "Die Welt wartet nicht auf eine weitere Organisation, die ihr zuhört. Davon gibt es schon genug. Die Welt wartet auf jemanden, der ihr sagt, wozu sie geschaffen wurde." Sie brauche eine Kirche, die sie "mit Liebe, aber ohne Furcht auf Christus hinweist". In diesem Zusammenhang will Mutsaerts auch seine Kritik an der Weltsynode verstanden wissen. Er frage sich, "was das alles für den einfachen Gläubigen bedeutet, der von seiner Kirche keinen fortwährenden Prozess erwartet, sondern Klarheit über den Weg zu Gott".
Nach Jahren synodaler Konsultationen, Treffen, Berichte und Dokumente sei es an der Zeit, nach den Früchten zu schauen. Er wolle nicht leugnen, dass viele Menschen sich aufrichtig für den synodalen Prozess engagiert haben. "Gute Absichten verdienen Anerkennung. Aber gute Absichten entbinden uns nicht von der Pflicht, die Ergebnisse zu prüfen." Die Frage sei nicht, wie viele Treffen abgehalten oder wie viele Dokumente verfasst worden seien, sondern ob der Glaube gestärkt oder die katholische Identität vertieft wurden, die Sonntagsmesse nun besser besucht werde, die kirchliche Morallehre klarer geworden sei oder es mehr Berufungen zum Priesteramt gebe. "Wenn man solche Fragen stellt, kann man die Synode unmöglich als Erfolg bezeichnen."
Traditionell sei die Synode in der Kirchengeschichte ein Mittel gewesen, um bestimmte Themen oder pastorale Probleme zu besprechen. "Im heutigen synodalen Diskurs droht die Synodalität jedoch zu einem Selbstzweck zu werden. Und genau hier beginnt aus traditioneller katholischer Sicht das Problem", so der Weihbischof. "Christus hat keine Diskussionsgruppe gegründet. Er berief Apostel. Er verlieh ihnen Vollmacht. Er sandte sie aus, um zu verkünden, zu taufen und zu lehren." Die Kirche sei nicht demokratisch, da Wahrheit nicht durch Mehrheitsbeschluss entstehe. "Wenn morgen 90 Prozent der Katholiken nicht mehr an die wirkliche Gegenwart Christi in der Eucharistie glauben würden, wäre Christus deshalb nicht weniger wahrhaft gegenwärtig. Wenn 80 Prozent eine bestimmte moralische Lehre ablehnen, wird diese Lehre dadurch nicht automatisch unwahr."
Weltsynode: Leitfäden für nächste Versammlungsphase veröffentlicht
In der Umsetzungsphase der Weltsynode sind aktuell die Bistümer am Zug. Der Vatikan hat jetzt in einem Dokument festgelegt, welche Schritte bis zu den nächsten Versammlungen im kommenden Jahr absolviert werden müssen.
Zum ArtikelMutsaerts sieht zudem eine "historische Ironie": "Eine Reihe von Elementen der modernen synodalen Kultur weist tatsächlich Ähnlichkeiten mit Entwicklungen auf, die seit Jahrzehnten in protestantischen Kirchen zu beobachten sind." In weiten Teilen Westeuropas habe dieses Modell nicht zu einer "spektakulären christlichen Erneuerung" geführt. "Warum sollte die katholische Kirche dann ausgerechnet die Verwaltungs- und Seelsorgemodelle von Konfessionen übernehmen, die oft schon früher und stärker denselben Säkularisierungsprozess durchlaufen haben?", fragte der Weihbischof. "Ein Patient wird selten gesund, indem er die Medizin des Patienten im Nachbarbett einnimmt, dem es noch schlechter geht."
Er hoffe, dass das Pontifikat von Papst Leo XIV. Klarheit bringen werde. "Heiliger Vater, ich schreibe all dies in aufrichtiger Ehrfurcht vor Ihrem Amt und aus Liebe zur Kirche", so Mutsaerts. "Meine Kritik am Synodenprozess entspringt nicht dem Wunsch, Zwietracht zu säen, sondern der Befürchtung, dass wir wertvolle Zeit verlieren, während so viele Menschen Christus nicht mehr kennen."
Diözesanbischof distanziert sich: Hätte andere Möglichkeiten gegeben
Der Diözesanbischof von 's-Hertogenbosch, Gerard de Korte, kritisierte indes den Offenen Brief seines Weihbischofs. Mutsaerts habe ihn wegen des Offenen Briefs nicht konsultiert, sagte der Bischof gegenüber dem "Nederlands Dagblad" (Freitag). Ein persönlicher Brief an den Papst wäre der bessere Weg gewesen, wenn Mutsaerts tatsächlich keine Spaltung säen wolle, so de Korte. "Schließlich verfügt ein Bischof oder Weihbischof über eigene Wege, mit dem Bischof von Rom zu kommunizieren", so der Bischof. Die niederländischen Bischöfe würden auch weiterhin gemeinsam mit dem Papst am Aufbau einer synodalen Kirche arbeiten.
Mutsaerts wurde 2010 zum Weihbischof in 's-Hertogenbosch geweiht. Im Jahr 2020 beschloss er in Absprache mit Bischof de Korte, einen großen Teil seiner Verwaltungsaufgaben abzugeben. Im vergangenen Oktober führte er gemeinsam mit dem texanischen Bischof Joseph Strickland, dem kasachischen Weihbischof Athanasius Schneider und dem Schweizer emeritierten Weihbischof Marian Eleganti eine Gebetsaktion durch, um eine aus ihrer Sicht erfolgte "Entweihung" des Petersdoms durch eine LGBTQ-Pilgerfahrt wiedergutzumachen. Im Mai erlitt Mutsaerts einen schweren Autounfall. (cbr)