"Ein sehr wichtiger Wegbereiter"

Kommission für Missbrauchsaufarbeitung würdigt Wiesemann

Der Speyrer Bischof Karl-Heinz Wiesemann
Bild: picture alliance/Jens Schulze/epd Pool/dpa

Die Unabhängige Aufarbeitungskommission für sexuellen Missbrauch im Bistum Speyer lobt den am Mittwoch zurückgetretenen Bischof Karl-Heinz Wiesemann. Er habe einen "Prozess der transparenten und schonungslosen Aufklärung im Bistum ermöglicht, sehr unterstützt und institutionell abgesichert", teilte die Kommission am Freitag mit. Für die Arbeit der Kommission als unabhängiges Gremium sei Bischof Wiesemann "ein sehr wichtiger Wegbereiter" gewesen. Von der künftigen Bistumsleitung erhoffe man sich, dass der "eingeschlagene Weg der lückenlosen Aufarbeitung ohne Abstriche fortgeführt wird", so der Kommissionsvorsitzende Wolfgang Schwarz.

Von unfassbarem Leid erschüttert

Wiesemanns Entscheidung, das Bischofsamt aus gesundheitlichen Gründen aufzugeben, nehme die Kommission mit Respekt und Mitgefühl zur Kenntnis. "Wir wissen aus den gemeinsamen Jahren, dass die Last und die Konfrontation mit dem unfassbaren Leid der Betroffenen sowie den systemischen Vertuschungsstrukturen ihn auch persönlich tief belastet und gesundheitlich gezeichnet haben."

Wiesemann hatte erschüttert auf die Vorstellung der ersten Missbrauchsstudie für das Bistum im Mai 2025 reagiert. Er sprach von einem "tief beschämenden Geschehen in der Geschichte unseres Bistums". Es habe teils eklatantes Leitungsversagen in der Diözese gegeben, vor allem in den 1950er und 1960er Jahren. Wiesemann hatte gesagt: "Ich kann nur aus ganzem Herzen um Vergebung bitten."

2027 weitere Missbrauchsstudie

In der rund 470-seitigen Studie hieß es, fehlende Machtkontrolle und autoritäre Amtsausübung hätten jahrzehntelang Missbrauch und sexualisierte Gewalt durch Priester, Ordensleute und kirchliche Mitarbeiter im Bistum ermöglicht. Die unabhängige Untersuchung wurde von Wissenschaftlerinnen der Universität Mannheim erarbeitet. Sie hatten Personalakten und weitere Aufzeichnungen des Bistums für die Zeit von 1946 bis in die Gegenwart ausgewertet. Die Untersuchung kam so zu einer Gesamtzahl von 109 Priestern und 41 Nichtklerikern, die des Missbrauchs oder sexueller Übergriffe beschuldigt wurden.

Die Leiterin der Missbrauchsstudie, die Historikerin Sylvia Schraut, hat bereits angekündigt, dass in dem 2027 erscheinenden zweiten Teil einige brisante, "typische Fälle" näher analysiert werden. Als Beispiel nannte Schraut "Missbrauchsvorwürfe gegen Nonnen und Mitarbeiter des Kinderheims in der Engelsgasse" in Speyer. Das Kinderheim wird in dem ersten Teil der Studie als einer der "Missbrauchshotspots" der 1950er und 1960er Jahre bezeichnet. (KNA)