Erinnerungen an 1950er-Jahre in der DDR

Weihbischof: Haben Anfänge der AfD nicht ernst genug genommen

Weihbischof: Haben Anfänge der AfD nicht ernst genug genommen
Bild: KNA

Der frühere Hamburger Weihbischof Horst Eberlein hat Versäumnisse im Umgang mit der AfD eingeräumt. "Wir haben die Anfänge dieser Bewegung nicht ernst genug genommen", sagte der emeritierte Weihbischof dem Münsteraner Portal "Kirche+Leben". Auch er selbst habe unterschätzt, "welches Potenzial sich bei der AfD sammelte und in vielen Herzen plötzlich ein Zuhause fand". Der 75-Jährige wurde in Sachsen-Anhalt geboren und war lange als Priester in Mecklenburg-Vorpommern tätig. In Sachsen-Anhalt wird am Sonntag ein neuer Landtag gewählt, in Mecklenburg-Vorpommern finden die Landtagswahlen am 20. September statt.

Eberlein sagte, er erinnere sich daran, früher in Schwerin eher lächelnd an einem AfD-Wahlstand vorbeigegangen zu sein. "Zugleich haben wir Menschen zu wenig Beachtung geschenkt, die darunter litten, dass viele alltägliche Dinge wie der Arbeitsplatz nicht mehr sicher waren." Er glaube nicht, dass die politische Entwicklung zwangsläufig gewesen sei.

Ostdeutsche nicht pauschal verurteilen

Mit Blick auf die heutige Situation in Ostdeutschland äußerte sich Eberlein besorgt. Er befürchte, dass Kräfte wie die AfD künftig immer stärker den Ton angäben und andere Stimmen in den Hintergrund gerieten. Pauschale Urteile über Ostdeutsche lehnte er jedoch ab. Die Mehrheit in den neuen Bundesländern wähle die AfD nicht und sehe die DDR-Vergangenheit kritisch.

Besorgt zeigte sich der Geistliche auch über das Verhältnis zwischen AfD und Kirchen. Zwischen beiden Seiten gebe es kaum Dialog. "Wir haben nicht miteinander gesprochen und werden wahrscheinlich auch nicht miteinander sprechen", sagte er. Er fürchte deshalb, dass sich das Verhältnis weiter verschärfen könnte. Das Auftreten der AfD erinnere ihn in mancher Hinsicht an die 1950er-Jahre, als die DDR gewaltsam gegen die Kirchen vorgegangen sei. Die klare Abgrenzung der Deutschen Bischofskonferenz (DBK) von völkischem Nationalismus bezeichnete Eberlein als richtig. Er habe die entsprechende Erklärung aus dem Jahr 2024 unterstützt. "Aber das Dokument hat natürlich keine Türen geöffnet."

Lehren aus dem Umgang in der DDR

Eberlein regte an, aus den Erfahrungen der DDR-Zeit zu lernen. "Damals gab es eine sogenannte Sprachregelung. Politische Gespräche zwischen einzelnen Priestern oder Pfarrgemeinden und staatlichen Behörden waren im Grunde ausgeschlossen." Wenn es aber um ein Bauvorhaben ging, sei selbstverständlich mit einem SED-Bürgermeister gesprochen worden. Politische Gespräche hätten dagegen benannte Vertreter der Kirche mit der Regierung geführt.

Eberlein wurde 1950 in Walsleben in Sachsen-Anhalt geboren und 1977 in Waren/Müritz zum Priester geweiht. Er war unter anderem Propst in Schwerin und Dekan der Region Mecklenburg. 2017 wurde er Weihbischof im Erzbistum Hamburg. Seit Oktober vergangenen Jahres ist er im Ruhestand. (KNA)