Im Rahmen der Suche nach einem neuen Bischof von Hildesheim sind inzwischen mehr als 90 schriftliche Vorschläge beim Hildesheimer Domkapitel eingegangen. Darin würden 40 bis 50 Namen möglicher Kandidaten genannt, sagte der Domdechant und emeritierte Weihbischof Heinz-Günter Bongartz der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA). Bongartz zeigte sich mit der bisherigen Beteiligung an der Bischofssuche sehr zufrieden. "Die hohe Zahl der Zuschriften zeigt, dass sich die Leute motiviert fühlen zu schreiben und es ein echtes Interesse gibt." Das Bistum Hildesheim ist seit dem 21. Juni ohne Diözesanbischof. Der bisherige Amtsinhaber Heiner Wilmer, der das Bistum seit 2018 geleitet hatte, wechselte an diesem Tag als Bischof nach Münster. Bei der Suche nach einem Nachfolger bemüht sich das Domkapitel, ein Gremium aus acht Priestern, erstmals um eine breite Beteiligung der rund 523.000 Katholiken der norddeutschen Diözese.
Am Dienstagabend hatten sich Domkapitulare und Mitglieder des bisherigen Diözesanpastoralrats, eines Beratungsgremiums des früheren Bischofs, zeitgleich an acht Orten im Bistum mit Katholiken über deren Erwartungen an einen neuen Bischof ausgetauscht. Nach Angaben des Bistums nahmen insgesamt rund 630 Menschen teil. Bongartz selbst war bei einem Gottesdienst und dem anschließenden Gespräch in Göttingen. Dort habe es einen großen Konsens über die Erwartungen an den künftigen Bischof gegeben, sagte der Domdechant. "Das Profil heißt: Er soll menschlich sein, er soll auf die Menschen zugehen können." Zudem solle der künftige Bischof die Probleme der Gemeinden kennen, dort präsent sein, zuhören können und die Zusammenarbeit von hauptamtlichen Mitarbeitern und ehrenamtlich engagierten Gläubigen stärken.
Breite Zustimmung zu Reformkurs
Nach Einschätzung von Bongartz besteht dabei eine breite Zustimmung zum synodalen Kurs der vergangenen Jahre. Das Bistum habe unter Bischof Wilmer intensiv daran gearbeitet, den deutschen Synodalen Weg auf die eigene Diözese zu übertragen. In der großflächigen Diaspora des Bistums gebe es einen starken Wunsch, anschlussfähig an die Menschen zu sein und insbesondere auch ökumenisch zusammenzuarbeiten. In den Briefen ist das Bild laut Bongartz etwas vielfältiger. Neben vielen Zuschriften auf derselben Linie gebe es auch Stimmen aus einem eher konservativen Spektrum, die sich eine stärkere Intervention durch einen Bischof wünschten. Diese Beiträge seien aber weder überzogen noch kämpferisch, sondern sehr kommunikativ und höflich.
Domkapitel und frühere Mitglieder des mit Wilmers Wechsel aufgelösten Diözesanpastoralrats wollen nun auf Basis der Rückmeldungen gemeinsam eine Kandidatenliste erarbeiten. Ziel sei ein Konsens über drei bis fünf Namen. Formal müsse das Domkapitel anschließend über die Liste entscheiden, so Bongartz. Die Bischofswahl in Hildesheim richtet sich nach dem Preußenkonkordat von 1929. Das Domkapitel muss dem Apostolischen Nuntius, dem Botschafter des Papstes in Deutschland, eine Kandidatenliste übermitteln. Daneben können auch andere Bischöfe und der Nuntius selbst Namen vorschlagen. In Rom wird daraus schließlich eine Dreierliste erstellt und dem Hildesheimer Domkapitel zur Wahl vorgelegt. Der Papst bestätigt anschließend die Wahl und ernennt den neuen Bischof. Bongartz erklärte: "Wir wollen diese Wahl eines neuen Bischofs nicht zuallererst zu einem Politikum machen, sondern wir wollen sie als einen geistlichen Weg verstehen." Die Frage, welchen Bischof das Bistum brauche, sei für viele Menschen nicht nur eine Frage der Wahl, sondern auch eine Frage des Gebets. (KNA)