Debatte beginnt am Mittwoch

Vatikan-Treffen: Bischöfe aus aller Welt reden über "Amoris laetitia"

Bischöfe und Kardinäle ziehen bei einem Gottesdienst über den Petersplatz im Vatikan
Bild: KNA/Stefano Dal Pozzolo/Romano Siciliani

Im Vatikan beginnt am 7. Oktober eine einwöchige Debatte über die kirchliche Lehre zu Ehe und Familie. Ausgangspunkt ist das von Papst Franziskus (2013–2025) vor zehn Jahren veröffentlichte Lehrschreiben "Amoris laetitia" (Freude der Liebe). Es war seinerzeit vor allem in konservativen Kirchenkreisen heftig umstritten.

Kritisiert wurde der Ansatz, den Franziskus damals so formulierte: "Diejenigen, die zur Kirche gehören, brauchen eine barmherzige und ermutigende seelsorgliche Zuwendung. Denn den Hirten obliegt nicht nur die Förderung der christlichen Ehe, sondern auch die pastorale Unterscheidung der Situationen vieler Menschen, die diese Wirklichkeit nicht mehr leben."

In einer Fußnote deutete der Papst sogar die Möglichkeit an, Paaren, die in einer zweiten Zivilehe leben, unter bestimmten Bedingungen den Zugang zu den kirchlichen Sakramenten zu ermöglichen. Die Kritiker monierten, dass er damit die Unauflöslichkeit der Ehe infrage stelle. Diese geht nach katholischer Lehre auf Jesus selbst zurück.

Vier Kardinäle meldeten sich mit "Dubia"

Damals wandten sich vier konservative Kardinäle mit einer "Dubia" (Zweifel) öffentlich an den Papst und forderten ihn zu einer Klarstellung auf. Der Vorgang war in der jüngeren Kirchengeschichte einmalig und belastete das Pontifikat von Franziskus erheblich.

Zwei der vier Verfasser der Dubia, die Kardinäle Walter Brandmüller (Deutschland) und Raymond Leo Burke (USA), leben noch. Doch wird nicht das Kollegium der Kardinäle über den umstrittenen Text diskutieren, sondern eine Versammlung der Vorsitzenden der Bischofskonferenzen aus aller Welt. Sie und die Oberhäupter der mit Rom verbundenen Kirchen des Ostens hat Papst Leo XIV. zu gut einwöchigen Beratungen in den Vatikan eingeladen.

Kardinal Walter Brandmüller liest ein Buch
Bild: © KNA/Francesco Pistilli (Archivbild)

Gehörte zu den Verfassern der Dubia an Papst Franziskus: der deutsche Kurienkardinal Walter Brandmüller.

Sie beginnen am 7. und enden am 14. Oktober. Im Schlussgottesdienst wird der Papst in seiner Predigt vermutlich auf das eingehen, was bei den Beratungen hinter verschlossenen Türen debattiert wurde. Kirchenrechtlich handelt es sich bei dem Treffen nicht um eine Synode, weshalb kein formales Schlussdokument erforderlich ist.

Dennoch sollen die Beratungen in dem "synodalen Stil" stattfinden, der unter Papst Franziskus in der zweiten Hälfte seines Pontifikats eingeführt wurde. Dabei sprechen die Teilnehmer in kleinen Kreisen an runden Tischen miteinander; eine kontroverse Debatte im Plenum wird damit vermieden. Die Methode hat bei der sogenannten Weltsynode in den Jahren 2023 und 2024 viel Zustimmung gefunden.

Kritik an synodalem Stil

Allerdings kritisieren inzwischen einige Kirchenmänner hinter vorgehaltener Hand, dass dieses Verfahren – trotz mancher Vorteile – letztlich das Prinzip der Kollegialität aushöhle. Nur durch eine Debatte im Plenum sei wirklich erfahrbar, was das Kollegium denke.

Die Deutsche Bischofskonferenz ist bei den Beratungen durch ihren Vorsitzenden Heiner Wilmer vertreten. Er gilt als Befürworter der von Papst Franziskus angestoßenen Öffnungen. Diese betreffen nicht nur Paare in zweiter Zivilehe, sondern auch andere Paare, die in einer Weise zusammenleben, die dem Kirchenrecht und der kirchlichen Morallehre widerspricht.

Bischof Heiner Wilmer bei einer Pressekonferenz
Bild: © KNA/Katharina Gebauer (Archivbild)

Wird die Kirche in Deutschland beim Amoris-laetitia-Treffen vertreten: Der Münsteraner Bischof Heiner Wilmer. Aus Deutschland ist außerdem der Münsteraner Pastoraltheologe Christian Bauer als theologischer Experte eingeladen.

Das gilt etwa für "Ehen ohne Trauschein" oder für gleichgeschlechtliche Paare. Mit Spannung wird erwartet, ob und wie die Versammlung der Bischofskonferenz-Vorsitzenden aus allen Erdteilen über diese Themen diskutiert.

Offen ist auch, wie Papst Leo XIV. sich einbringen wird und welche Positionen er bezieht. Folgt er seinem bisherigen Kurs, wird er versuchen, die Gräben, die vor zehn Jahren durch die vorsichtige Öffnung unter Franziskus aufgetan wurden, nicht zu vertiefen.

"Das Evangelium in den Familien heute verkünden"

Das Thema des Treffens hat er so formuliert, dass es eher nicht um die strittigen Punkte aus dem Jahr 2016 gehen soll, sondern um eine positive Wendung. Es lautet: "Zehn Jahre nach Amoris laetita – Das Evangelium in den Familien heute verkünden."

In seiner Ankündigung des Treffens schrieb der Papst unter anderem, das Dokument "Amoris laetitia" biete "eine wertvolle Lehre, die wir heute weiter vertiefen müssen: die biblische Hoffnung auf die liebevolle und barmherzige Gegenwart Gottes, die es ermöglicht, 'Geschichten der Liebe' zu leben, auch wenn man 'Familienkrisen' durchlebt".

Die Vorbereitung der ungewöhnlichen Versammlung hat der Papst dem Dikasterium für die Laien, die Familie und das Leben sowie dem Generalsekretariat der Synode anvertraut. Neben den Vorsitzenden der Bischofskonferenzen und den Leitern der katholischen Ostkirchen sollen daran mit beratender Stimme auch Experten und die Betroffenen – also Familien – teilnehmen.

Ludwig Ring-Eifel (KNA)