Delegation der Bischofskonferenz war zu Besuch im Vatikan

Deutsche Charme-Offensive in Rom für den Synodalen Weg

Aktualisiert am 06.10.2022  –  Lesedauer: 

Vatikanstadt ‐ Lachende Gesichter bei hohen römischen Kurialen und deutschen Bischöfen: Das hat man lange nicht gesehen. Eine Delegation der Deutschen Bischofskonferenz war im Vatikan zu Gast – und warb auch für den Synodalen Weg.

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Das Foto, das am Montag vom vatikanischen Synoden-Sekretariat über Twitter nach einem deutsch-vatikanischen Gipfeltreffen verbreitet wurde, zeigt einen herzlich lachenden Bischof Georg Bätzing, einen strahlenden Kardinal Mario Grech, flankiert von den optimistisch lächelnden (General-)Sekretärinnen Nathalie Becquart und Beate Gilles und anderen. Die Begegnung habe in großer Herzlichkeit stattgefunden, heißt es dazu, und man habe über die "Frascati-Erfahrung" gesprochen.

Frascati, ein bekannter Weinort nahe Rom, scheint so etwas wie das Kontrastprogramm zu Frankfurt zu sein. Während in der Mainmetropole in bislang vier Synodalversammlungen Bischöfe, Laien und Theologen hochkonzentriert und mitunter auch verbissen um die Formulierung von Reform-Texten rangen, haben in Frascati Kardinäle, Kurienmitarbeiter und "Experten" vergangene Woche die nächsten Grundlagen-Texte für die sogenannte kontinentale Phase der Weltsynode formuliert. Auch von den Sitzungen in Frascati gibt es ein offizielles Foto. Es zeigt etwa 50 fröhliche Männer und Frauen, darunter die Kardinäle Grech und Hollerich, und in der Mitte einen lachenden Papst Franziskus.

Was in Frascati herauskam, wird bald in kontinentalen Treffen der Weltsynode diskutiert werden. Das europäische Treffen wird vom 5. bis 12. Februar in Prag stattfinden. Veranstalter ist der Europäische Bischofsrat CCEE, in dem seit jeher die osteuropäischen Bischöfe relativ stark vertreten sind. Dem Vernehmen nach sind die in Frascati verabschiedeten Texte thematisch eher dürftig. Sie bewegten sich überwiegend auf der Meta-Ebene zu Fragen, was genau Synodalität bedeute, und sind damit weit entfernt von dem, was die Synodalen in Frankfurt beschlossen haben.

Charme-Offensive der deutschen Reformer

Die deutschen Reformer waren unterdessen in einer Art Charme-Offensive in Rom unterwegs und versuchten, ihren bisherigen kommunikativen Nachteil auszubügeln, der darin besteht, dass die meisten Deutschsprachigen in der römischen Kurie die Reformideen aus Frankfurt eher kritisch sehen. Wichtigster Vertreter der deutschen Forderungen war der Bischofskonferenz-Vorsitzende Bätzing, der von Montag bis Mittwoch mit Kurialen, aber auch mit Vertretern deutscher und internationaler Medien in Rom sprach, um für den deutschen Synodalen Weg zu werben.

Eigentlicher Anlass des Besuchs war die Vorbereitung des Ad-limina-Besuchs der deutschen Bischöfe Mitte November. Bischof Bätzing, sein Vize, Bischof Franz-Josef Bode, und Generalsekretärin Gilles wollten auf Anregung von Kardinal Marc Ouellet von der Bischofskongregation das Terrain bereiten für einen möglichst reibungslosen und fruchtbaren Ablauf eines Rombesuchs, der alles andere als "business as usual" zu werden verspricht. Denn neben den üblichen kirchlichen Lageberichten soll es diesmal auch explizit um die Beschlüsse der deutschen Synodalversammlungen gehen.

Die Reformvorschläge, etwa zu Sexualmoral, Frauenweihe oder Bischofswahl, sind im Vatikan nur schemenhaft bekannt. Auch wenn manche sich bereits im Netz genauer darüber informiert haben, was die Mehrheit der deutschen Bischöfe und Laien-Verbände fordert. Das hindert manche jedoch nicht daran, weiter vor der Gefahr eines Schismas zu warnen, das die Deutschen herbeiführen könnten.

Charlotte Kreuter-Kirchhof im Gespräch beim Synodalen Weg
Bild: ©Synodaler Weg/Maximilian von Lachner (Archivbild)

Auch Charlotte Kreuter-Kirchhof warb in Rom für den Synodalen Weg.

Vor diesem Hintergrund warben Bätzing und sein Team für eine Versachlichung der Debatte. Man möge erstmal die aktuellen Probleme und die Lösungsvorschläge der Deutschen studieren, bevor man mit der Warnung vor einer erneuten Kirchenspaltung die Debatte abwürge, hieß es aus Bätzings Delegation. Ein entscheidendes Datum könnte der 18. November werden.

Dann sollen alle deutschen Bischöfe mit allen vatikanischen Behördenchefs und dem Papst über die Frankfurter Forderungen diskutieren. Noch weiß niemand, wie aus einem solchen Format eine echte Diskussion entstehen kann. Ein Etappenziel wäre erreicht, wenn es danach in Rom mehr "Deutschlandversteher" gäbe.

Für mehr Verständnis warb parallel zu Bätzing auf einer anderen Ebene die deutsche Juraprofessorin und aktive Synodale Charlotte Kreuter-Kirchhof. In einem Vortrag in der Deutschen Botschaft beim Heiligen Stuhl betonte sie, das Reformprojekt der deutschen Katholiken sei ein wahrhaft synodaler und geistlicher Weg. Dies werde in Medienberichten oft übersehen. Die Düsseldorfer Rechtswissenschaftlerin ist zudem Vize-Koordinatorin des vatikanischen Wirtschaftsrates und in dieser Funktion Stellvertreterin von Kardinal Reinhard Marx, der den Wirtschaftsrat leitet.

Einordnung des Synodalen Wegs

Vor einem Publikum, in dem neben Journalisten, Studenten und Diplomaten auch Kurienmitarbeiter, Mitarbeiter des Frankfurter Synodalpräsidiums sowie der schwedische Kardinal Anders Arborelius saßen, ordnete sie das Reformgeschehen in Deutschland noch einmal in den Kontext des Missbrauchsskandals und des massiven Einbruchs bei Mitglieder- und Priesterzahlen ein.

Ferner betonte sie, dass sich der Synodale Weg im Rahmen des Kirchenrechts bewege. Seine Beschlüsse hätten keine Gesetzeskraft, allerdings könnten die deutschen Bischöfe viele Reformen unter Wahrung des Kirchenrechts in eigener Regie umsetzen. Andere Neuerungen, die das universale Kirchenrecht tangierten, seien als Bitten an den Papst formuliert.

Mit Nachdruck wandte sich Kreuter-Kirchhof gegen die Mutmaßung, katholische Bischöfe und Laien in Deutschland strebten einen nationalen Sonderweg oder eine Abspaltung an. "Wir sind Teil der katholischen Weltkirche und wollen es bleiben", sagte sie. Zudem sei jetzt schon offensichtlich, dass auch in vielen anderen Ländern ähnliche Fragen und Probleme aufgeworfen würden wie in Deutschland.

Von Ludwig Ring-Eifel (KNA)