Standpunkt

Ohne Annäherung an Franziskus wird es für die Deutschen nicht gehen

Aktualisiert am 19.10.2022  –  Lesedauer: 

Bonn ‐ Der Synodale Weg in Deutschland steht im Vatikan unter Verdacht, schreibt Volker Resing. Aber ohne Papst Franziskus werde es nicht gehen. Deshalb müsse ein Strategiewechsel her, um das ständige Aneinandervorbeireden zu beenden.

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Die Weltbischofssynode geht in die Verlängerung. Erstaunlich eigentlich, dass sich sowohl die deutschen Bischöfe als auch Vertreter des "Zentralkomitees der deutschen Katholiken" so positiv zur Papstentscheidung geäußert haben. Im Ergebnis bedeutet das nämlich: alles dauert noch viel länger. Erst recht die Reformen werden auf sich warten lassen, die doch nun so dringend angemahnt werden; und die aus Sicht des deutschen "synodalen Sonderwegs", wie ihn die Römer nennen, wirklich unausweichlich erscheinen.

Papst Franziskus liebt Prozesse mit ungewissem Ausgang, der Prozess wird gegen die Festlegung und die harte Entscheidung sogar theologisch überhöht. Veränderungen ja, aber sie müssen sich mehr ergeben, als dass sie gemacht werden. Es ist klar, dass dies der deutschen Mentalität total zuwiderläuft.

Im November pilgern die deutschen Bischöfe gemeinschaftlich nach Rom, erstmals seit sieben Jahren. Nun sind einige, so wie der Konferenzvorsitzende Bischof Georg Bätzing, schon mal als Vorauskommando zu Gesprächen im Vatikan gewesen. Hinter verschlossenen Türen scheint die Botschaft klar: die Deutschen stehen unter Verdacht. Doch dieser Frust und dieses ständige Aneinandervorbeireden kann nur mit einem klaren Strategiewechsel beendet werden.

Kardinal Reinhard Marx hat jüngst in einem beachtlichen "Welt"-Interview erklärt: "Die Idee homogener religiöser Kulturen für ganze Nationen, ganze Völker – dieses Modell hört auf zu existieren, nicht nur in Deutschland, sondern, mit zeitlichen Unterschieden, in der ganzen Welt." Dieser Ansatz schmerzt Rom mehr als alle Reformideen. Wenn die Deutschen die Einheitsidee subtil infrage stellen, dann werden sie nur noch mehr Unverständnis ernten. Marx sagt es so nicht direkt, aber doch deutlich: "Diese Transformation ist schmerzhaft, vor allem aber ist sie unumkehrbar."

Ohne Annäherung an Franziskus wird es aber nicht gehen. Es lohnt deswegen immer wieder, noch mal den Brief des Papstes "An das pilgernde Volk Gottes in Deutschland" von 2019 zu lesen. Dort warnt das Kirchenoberhaupt aller Katholikinnen und Katholiken, dass die Kirche nicht zu einer Hülle eines gut organisierten, aber "gasförmigen", vagen Christentums werden dürfe, der der "notwendigen 'Biss' des Evangeliums" fehle. Muten sich also alle zu, vor der Gruppenreise nach Rom, diesen Brief gründlich zu studieren?

Von Volker Resing

Der Autor

Volker Resing leitet das Ressort "Berliner Republik" beim Magazin "Cicero".

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.