Standpunkt

So können Christen ihren Nächsten durch den kalten Winter helfen

Aktualisiert am 26.10.2022  –  Lesedauer: 

Bonn ‐ Fromme Sprüche von der Nähe Jesu, die Licht und Wärme spendet, kennen wohl viele Gläubige. Ob diese Aussagen tatsächlich stimmen, entscheidet sich auch am Handeln der Christen in der Energiekrise, findet Dominik Blum.

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"Wir wissen doch, Jesu Nähe spendet Licht und Wärme." Diese peinlich-fromme Floskel haben Sie bestimmt schon in der einen oder anderen Predigt gehört. Im Herbst und Winter können wir Christinnen und Christen aber jetzt beweisen, ob das wirklich stimmt.

Vielleicht werden in den nächsten Monaten Menschen in Deutschland frieren müssen, weil sie ihre Heizkosten nicht bezahlen können. Viele können tatsächlich einen Pullover mehr anziehen und die Wohlfühltemperatur um zwei Grad Celsius absenken. Familien mit kleinen Kindern, Kranke und Alte brauchen aber höhere Temperaturen und mehr warmes Wasser. Bezieherinnen und Beziehern von Hartz IV wurden die Heizkosten in der Regel erstattet. Beim neuen Bürgergeld sollen den etwa 5,4 Millionen Berechtigten als Energiespar-Anreiz nur 80% der Heizkosten abgegolten werden. So will es zumindest die FDP in der Ampel-Regierung durchsetzen. Wie Verbraucher die restlichen Kosten tragen sollen mit einem Einkommen am Existenzminimum, das beantworten die liberalen Energiesparer nicht. Und überhaupt soll ja die Gaspreisbremse erst im März oder April greifen – ausgerechnet dann, wenn es wieder wärmer wird.

Auch die Christen und die Kirchen müssen Energie und Geld sparen. Aber sie können – weil Jesu Nähe ja Wärme spendet – nicht damit leben, wenn der Nachbar friert. Zumindest ein Raum im Pfarrheim sollte so geheizt sein, dass Menschen sich dort aufwärmen können. Auch sonntags, bei einer warmen Suppe, nach dem Hochamt. Vielleicht kann es Energiepatenschaften in der Gemeinde geben – kompetente, ehrenamtliche Beratung für alle, die Nachhilfe beim Energiesparen brauchen. Aber auch Spenden, um mit kleiner Rente das Heizkostendefizit auszugleichen. Und hier und da lohnt sich die fürsorgliche Nachfrage, ob zuhause genügend dicke Decken und warme Pullover im Schrank liegen.

Eine gute Handlungsanleitung in dieser Sache findet sich übrigens im Jakobusbrief. Der Autor schreibt im Blick auf die Wärme sehr konkret und realistisch: "Stellt euch vor, ein Bruder oder eine Schwester hat nichts anzuziehen. Es fehlt ihnen sogar das tägliche Brot. Nun sagt einer von euch zu ihnen: 'Geht in Frieden, ihr sollt es warm haben und euch satt essen.' Ihr gebt ihnen aber nicht, was sie zum Leben brauchen. – Was nützt das?" (Jakobus 2,16) Ob es für alle warm ist oder nicht, ist also tatsächlich eine Frage, an der sich der Glaube erweist. Heißt es doch weiter: "So ist es auch mit dem Glauben: Wenn er sich nicht in Taten zeigt, bleibt er für sich allein und ist tot." (Vers 17)

Von Dominik Blum

Der Autor

Dominik Blum ist Pastoraler Koordinator in der Katholischen Pfarreiengemeinschaft Artland im Bistum Osnabrück.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.