Gläubige sollten sich am Vorbild der Heiligen orientieren

Bischof Bonnemain ruft zu mehr Geduld bei Kirchenreformen auf

Aktualisiert am 03.11.2022  –  Lesedauer: 

Zürich ‐ Vielen Gläubigen gehen die Reformbemühungen in der Kirche zu langsam voran. Bischof Joseph Maria Bonnemain hat deshalb mehr Geduld angemahnt. Die Heiligen könnten den Gläubigen dabei Orientierung bieten – auch im synodalen Prozess.

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Der Churer Bischof Joseph Maria Bonnemain hat die Gläubigen zu mehr Geduld beim Warten auf Kirchenreformen aufgerufen. Ihm komme oft ein "klassischer Spruch" in den Sinn, nach dem Ungeduld Häretiker hervorbringe, "Geduld hingegen Heilige", sagte Bonnemain in seiner Predigt zu Allerheiligen am Dienstag, wie das Nachrichtenportal "kath.ch" berichtete. "Die Heiligen haben bestimmt nie vollends die Nerven verloren", so der Schweizer Oberhirte. Sie hätten die Kirche trotz ihrer Fehler geliebt und sich nicht von ihr distanziert oder getrennt. Gläubige, die keine Geduld mehr hätten, auf Veränderungen in der Kirche warten zu können, würden nicht dem Beispiel der Heiligen entsprechen.

Bonnemain regte zudem an, die Heiligen in den synodalen Prozess der Kirche einzubinden. "Wir sind Kirche im Anfangsstadium, sie sind Erfahrene der Kirchlichkeit, sie sind Profis, Hauptglieder der Kirche." Die Heiligen seien auch mit Blick auf kirchliche Reformen Vorbilder, denn "sie haben teilweise dunkle, grausame Perioden der Kirche erlebt, welche sie aber gut gemeistert haben". Sie hätten keine vernichtende Kritik geübt, sondern stets den Weg der geschwisterlichen Ermahnung gewählt. Seine Forderung, die Heiligen am synodalen Prozess teilhaben zu lassen, sei jedoch keine Rechtfertigung von Untätigkeit.

Vor Kurzem habe er den Wunsch geäußert, seine Diözese Chur zu einem "lebendigen und wagemutigen Bistum" zu machen, sagte Bonnemain. Darauf habe er Forderungen nach weitgehenden strukturellen Veränderungen erhalten. Die Heiligen könnten den heutigen Gläubigen jedoch aufzeigen, dass Wagemut vor allem darin bestehe, missionarische Christen zu sein. "Sie haben sich selbst vergessen und haben sich für die Menschen, für die Verkündigung der Frohbotschaft engagiert." Die Heiligen trügen die Hoffnung in sich, so heilig wie der Sohn Gottes zu sein. Deshalb habe ihnen viel an einem vertrauten Umgang mit Christus im Gebet gelegen. "Wenn wir den synodalen Prozess voranbringen wollen, sollte unsererseits die Bereitschaft nicht fehlen, beschauliche, kontemplative, mystische Christinnen und Christen zu sein", so Bonnemain. Am Hochfest Allerheiligen gedenkt die Kirche aller Heiligen, auch derer, ohne einen eigenen Gedenktag. (rom)