"Keine Möglichkeit", Beschluss des Synodalen Wegs umzusetzen

Erzbistum Bamberg: Bischofsbestellung wohl ohne Laienbeteiligung

Aktualisiert am 04.11.2022  –  Lesedauer: 

Bamberg ‐ Bereits im Februar hat sich der Synodale Weg auf einen Handlungstext zur Laienbeteiligung bei der Bischofsbestellung geeinigt. Bei der Wahl des Nachfolgers von Erzbischof Ludwig Schick könnte dieses Verfahren jedoch nicht zur Anwendung kommen.

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Die Ernennung des künftigen Bamberger Erzbischofs wird wohl ohne die vom Synodalen Weg vorgesehene Form der Laienbeteiligung stattfinden. "Aufgrund der momentan bestehenden Rechtslage in den Diözesen, die dem Bayerischen Konkordat unterliegen, sieht das Domkapitel leider keine Möglichkeit, bei der Erstellung der Listen den Beschluss des Handlungstextes (des Synodalen Wegs) 'Einbeziehung der Gläubigen in die Bestellung des Diözesanbischofs' umzusetzen", teilte das Erzbistum Bamberg am Freitag auf Anfrage von katholisch.de mit.

Grundsätzlich befürworte das Domkapitel bei der Erstellung der Kandidatenlisten für einen künftigen Erzbischof die Einbeziehung weiterer Gläubiger, etwa aus dem Diözesanrat oder dem Priesterrat. "Dafür müsste allerdings das geltende Recht entsprechend durch den Apostolischen Stuhl modifiziert werden." Das Domkapitel wolle aber trotzdem zeitnah auf den Diözesanrat zugehen, um "mit diesem Möglichkeiten auszuloten und das konkrete Vorgehen zu besprechen", so das Erzbistum.

Diözesanratsvorsitzender: "Man muss realistisch sein"

Auch der Vorsitzende des Bamberger Diözesanrats, Günter Heß, sieht nach eigener Einschätzung keine Möglichkeit, für eine Laienbeteiligung bei der Wahl eines Erzbischofs. "Man muss realistisch sein und sehen, dass das Bayerische Konkordat Laienbeteiligung mehr oder weniger ausschließt", sagte Heß katholisch.de auf Anfrage. Man wolle aber im Gespräch mit dem Domkapitel die eigenen Vorstellungen einbringen. "Aufgrund der Gegebenheiten des Erzbistums brauchen wir jemanden mit Kommunikationsfähigkeit und Integrationsfähigkeit, der ökumenisch eingestellt ist", beschrieb Heß das Profil für einen möglichen Nachfolger von Erzbischof Schick. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass das im Domkapitel anders gesehen wird".

Der Diözesanratsvorsitzende betonte, dass es bisher noch kein Gespräch mit dem Domkapitel gegeben habe und er auf eine Anfrage des Domkapitels warte. In den Gesprächen mit dem Domkapitel sei es durchaus vorstellbar, auch über konkrete Kandidaten zu sprechen, die aus Sicht des Diözesanrats geeignet oder nicht geeignet seien, um Erzbischof von Bamberg zu werden. Zudem wolle man sich im Diözesanrat weiter umhören und auch kirchenrechtliche Expertise einholen.

Ludwig Schick, Erzbischof von Bamberg, in Vierzehnheiligen.
Bild: ©KNA/Julia Steinbrecht

Das Erzbistum Bamberg und der Vatikan hatten am Dienstag überraschend den Rücktritt von Erzbischof Ludwig Schick bekanntgegeben. Nun beginnt die Suche nach einem Nachfolger.

Zuvor hatte der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) im Erzbistum bereits gefordert, dass neben den Mitgliedern des Domkapitels auch Vertreterinnen und Vertreter der Gläubigen mit am Tisch sitzen sollten, wenn über mögliche Nachfolger von Erzbischof Ludwig Schick entschieden werde. "Hier und jetzt zeigt sich, wie ernst es dem Klerus mit der Beschränkung der eigenen Macht und der Gewaltenteilung wirklich ist", heißt es in einer Erklärung vom Mittwoch. Die Verbandsjugend pocht auf die Umsetzung der Beschlüsse des Synodalen Wegs.

Die Synodalversammlung hatte im Februar den Handlungstext "Einbeziehung der Gläubigen in die Bestellung des Diözesanbischofs" verabschiedet. Der Beschluss sieht vor, dass jedes Bistum ein Gremium mit Laien bildet, das genauso viele Mitglieder wie das jeweilige Domkapitel habe und das Domkapitel bei der Wahrnehmung seiner Rechte im Prozess der Bischofsbestellung unterstützt. "Gemeinsam mit dem Domkapitel legt dieses Gremium die Liste geeigneter Kandidaten fest, welche das Domkapitel dem Apostolischen Stuhl zusendet", heißt es in dem Handlungstext.

Bei der Wahl eines Bischofs in Bayern muss das Domkapitel des betreffenden Bistums dem Konkordat zufolge nach dem angenommenen Rücktritt Vorschläge für die Bischofsnachfolge zusammenstellen und über alle geheim abstimmen. Die Namensliste wird vollständig mit den Stimmergebnissen an den Papstbotschafter in Deutschland übermittelt. Dieser erarbeitet daraus Vorschläge. In den Kandidatenpool fließen außerdem Voten ein, die die anderen bayerischen Domkapitel und Bischöfe jeweils alle drei Jahre in Rom einreichen. Entgegen der Konkordate in anderen deutschen Bistümern kann der Papst in Bayern frei über die Besetzung der Bischofsstühle entscheiden. Das Erzbistum Bamberg und der Vatikan hatten am Dienstag überraschend den Rücktritt von Erzbischof Ludwig Schick bekanntgegeben. (cbr)