Standpunkt

"Geschwätzige alte Frauen": Der Papst hat ein Frauenproblem

Aktualisiert am 15.11.2022  –  Lesedauer: 

Bonn ‐ Mit seinen jüngsten Aussagen über tratschende Priester hat Papst Franziskus Frauen verletzt, kommentiert Christoph Brüwer. Die Worte zeigten, dass fehlende Wertschätzung in der Kirche nicht erst mit der Ämterfrage für Frauen beginne.

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Mit Sicherheit wollte der Papst deutliche Worte wählen, um den lateinamerikanischen Priesterausbildern zu verdeutlichen, welche Geistlichen er sich vorstellt: "Ihr seid Männer, verhaltet euch wie Männer, seid keine geschwätzigen alten Frauen, bitte", betonte das Kirchenoberhaupt dabei mit Blick auf den Klatsch und Tratsch der Priester untereinander. Diese patriarchale und sexistische Aussage hat vollkommen zurecht gerade in sozialen Netzwerken für Aufregung gesorgt. Es ist dabei nicht das erste Mal, dass der Papst sein teilweise schräges Frauenbild offenbart. Erinnert sei hier etwa an die Beschreibung "Erdbeeren auf der Torte" für die Bedeutung von Theologinnen für die Kirche.

Natürlich stammt der 85-jährige Papst aus einer anderen Generation und einem anderen Kulturkreis. Nichtsdestotrotz sollte er sich als weltweites Kirchenoberhaupt seiner Rolle und der Tragweite seiner Worte bewusst sein. Zahlreiche Frauen tragen und prägen nicht nur in Deutschland das Gemeindeleben. Gerade in einer Zeit, in der immer mehr Pfarreien zusammengelegt und hauptamtliche Seelsorgerinnen und Seelsorger vor Ort weniger werden, übernehmen sie etwa Katechese, Wortgottesdienstfeiern oder auch Taufen.

Dass sich Frauen von solchen Papst-Aussagen verletzt fühlen, dürfte daher nicht verwundern. So richtig und wichtig die Diskussion über die Weihe von Frauen zu Diakoninnen oder Priesterinnen ist, zeigt sich daran, dass die Ungleichbehandlung und fehlende Wertschätzung noch viel tiefer liegt und es hier dringend ein radikales Umdenken braucht. Gleichberechtigung hat aber nichts mit dem immer wieder bemühten "Zeitgeist" zu tun, sondern ist vielmehr ein christlicher Auftrag.

Vor diesem Hintergrund klingt es fast ironisch, dass der Papst vor nicht einmal 14 Tagen bei seinem Bahrain-Besuch eine Anerkennung von Frauen "in Bildung, Arbeit sowie bei Ausübung ihrer sozialen und politischen Rechte" eingefordert hat. Wenn er will, dass diese Appelle ernstgenommen werden, wird es Zeit, bei sich selbst anzufangen.

Von Christoph Brüwer

Der Autor

Christoph Brüwer ist Redakteur bei katholisch.de.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.