Grund ist auch Vertrauenskrise in der Diözese

Deutlicher Einbruch bei Chormitglieder-Zahlen im Erzbistum Köln

Aktualisiert am 17.11.2022  –  Lesedauer: 

Köln ‐ Der Kirchenmusikdirektor des Erzbistums Köln schlägt Alarm: Man habe ein Drittel der Mitglieder aus kirchenmusikalischen Gruppen verloren. Grund sei neben Corona auch die Vertrauenskrise in der Erzdiözese.

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Im Erzbistum Köln singen immer weniger Menschen in Kirchenchören. "Die Corona-Pandemie, die weniger werdende Identifikation mit dem Glauben allgemein und die kirchenpolitische Lage im Erzbistum Köln haben dazu geführt, dass wir über 30 Prozent der Mitglieder aus kirchenmusikalischen Gruppen verloren haben", sagte der Kirchenmusikdirektor in der Erzdiözese, Richard Mailänder, der Kölner "Kirchenzeitung" (Freitag). So sängen heute rund 1.400 Menschen in Jugendchören und 18.000 in klassischen Kirchenchören. 2005 seien es noch 5.000 beziehungsweise 24.000 gewesen.

Während der Corona-Pandemie hörten viele ältere Sänger auf, wie Mailänder erklärte. Aber auch die Vertrauenskrise, die im Zuge der Missbrauchsaufarbeitung im Erzbistum Köln entstanden ist, habe dazu geführt, dass Menschen aus Chören "oder gleich aus der gesamten Kirche" austreten.

Zudem hat sich laut Mailänder in diesem Wintersemester erstmals an der Musikhochschule Köln niemand im Fach Katholische Kirchenmusik eingeschrieben. Auf manche freie Stelle im Erzbistum gebe es keine Bewerbung. Da in den kommenden 14 Jahren mehr als 120 Fachkräfte in den Ruhestand gingen, entstehe eine wohl nicht zu schließende Lücke. Mailänder schlug eine bessere Qualifikation von Neben- und Ehrenamtlichen vor, um Zielgruppen besser anzusprechen, sowie kreative Gottesdienstformate. "Wir brauchen mehr 'Ruheinseln im Alltag', für die es auch musikalische Formen geben kann", sagte er. (KNA)