Hollerich: Keine Sorge angesichts von Spannungen in der Kirche

Weltsynode in Rom wird mit ökumenischem Großereignis beginnen

Aktualisiert am 23.01.2023  –  Lesedauer: 

Vatikanstadt ‐ Der Papst hatte es schon angedeutet, jetzt wurden erste konkrete Pläne vorgestellt: Am Beginn der Weltsynode in Rom im Herbst steht ein ökumenisches Großereignis. Kardinal Hollerich äußerte sich bei der Vorstellung auch zu Spannungen in der Kirche.

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Die nächste Phase der Weltsynode der katholischen Kirche in Rom soll Ende September mit einem religiösen Happening beginnen, an dem sich Gläubige vieler christlicher Kirchen und Konfessionen beteiligen. Erste Pläne für das Ereignis wurden am Montag im Vatikan bei einer ökumenisch besetzten Pressekonferenz vorgestellt. Beteiligt waren der Hauptberichterstatter der Synode, der Luxemburger Kardinal Jean-Claude Hollerich (Foto oben), der Leiter der ökumenischen Gemeinschaft von Taize, Frere Alois, die offiziellen Vertreter der anglikanischen und der armenischen Kirche in Rom, Erzbischof Ian Ernest und Khajag Barsamian, sowie der Präsident der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK), der reformierte Pastor Christian Krieger.

Kardinal Hollerich und Frere Alois kündigten an, dass in den Tagen vor Eröffnung der Weltsynode Tausende junge Menschen aus allen Ländern Europas nach Rom kommen werden. Mit Versammlungen und Gebeten wollten sie das Projekt der "Synode zum Thema Synodalität" begleiten. Wichtigstes Ereignis werde eine lange, von der Gemeinschaft von Taize geleitete Gebetsvigil am 30. September, dem Vorabend der Synodeneröffnung, auf dem Petersplatz sein. Nach der Eröffnung am Sonntag ziehen sich die Synodenteilnehmer zu einer dreitägigen geistlichen Auszeit an einen Ort nahe Rom zurück. Die Besinnungstage leiten wird der englische Dominikanerpater Timothy Radcliffe (77).

Nach Worten Hollerichs unterstreichen die Gebetsvigil und der geistliche Auftakt, dass die Synode vor allem ein spirituelles Ereignis sei und nicht nur aus Debatten bestehe. Es gehe dabei "nicht um Kirchenpolitik, sondern um Gebet, den Heiligen Geist und das Volk Gottes, das demütig gemeinsam vorangeht". Zur ökumenischen Dimension der Synode erklärte Hollerich, es sei an der Zeit, in der Ökumene "einen Schritt nach vorn zu machen". Synode bedeute, dass alle Getauften mitwirken könnten; dazu gehörten auch die Getauften anderer Kirchen und Gemeinschaften. "Wir brauchen die anderen Brüder und Schwestern, um vollständig synodal zu werden", so Hollerich. Aus diesem Grund erhoffe er sich einen "neuen Frühling der Ökumene" als Folge der Synode.

Hollerich: Keine Sorge angesichts von Spannungen in der Kirche

Frere Alois erläuterte, dass er die Idee zu einer ökumenischen Beteiligung an der Synode bereits im Oktober 2021 vorgetragen habe. Nun hätten Papst Franziskus und die zuständigen Stellen im Vatikan die Idee aufgegriffen und arbeiteten an der Umsetzung. Das Großereignis in Rom werde unter dem englischen Titel "Together" stehen, der Untertitel in verschiedenen Sprachen ist "Versammlung des Volkes Gottes". Alle Getauften könnten mitwirken; denn die Taufe sei es, was Christen unterschiedlicher Kirchen schon heute vereine. Die von Papst Franziskus ausgerufene Weltsynode sei ein "Moment der Einheit angesichts so vieler Polarisierungen in der Gesellschaft, aber auch in unseren Kirchen."

Die derzeitigen Meinungsverschiedenheiten in der katholischen Kirche sind nach Einschätzung Hollerichs kein Grund zur Sorge. "Ich bin nicht besorgt darüber, dass es Spannungen gibt", sagte der Kardinal. Die Kirche lebe derzeit an einer Epochenwende, die durch den Beginn der Digitalisierung gekennzeichnet sei. In solchen Momenten der Geschichte sei es "normal, dass es Meinungsverschiedenheiten gibt". Laut Hollerich gilt es, notwendige und schädliche Spannungen zu unterscheiden. Wenn man die Kirche als ein Zelt begreife, sei eine gewisse Spannung notwendig, damit das Zelt überhaupt stehen könne. Schädliche Spannungen gelte es jedoch zu vermeiden. "Würden wir Kirchenpolitik machen, dann täten wir denen einen Gefallen, die uns Christen verachten und am liebsten an den Rand drängen würden."

Die bevorstehende Versammlung der Weltsynode im Vatikan im Oktober werde, so Hollerich weiter, keine Spaltungen bewirken. Vielmehr werde sie unterschiedliche Sichtweisen zur Sprache bringen und das wechselseitige Zuhören fördern. Zwar gebe es derzeit einige laute und auch schrille Stimmen in der Kirche. Doch zeige die weltweite Befragung im Vorfeld der Synode, dass es einen erstaunlich breiten Konsens in der katholischen Kirche gebe. (tmg/KNA)