ZdK halte eigene Position für die einzig richtige

Kramp-Karrenbauer: Kirchen und Grüne nähern sich an

Veröffentlicht am 20.02.2025 um 12:51 Uhr – Lesedauer: 4 MINUTEN

Osnabrück ‐ CDU-Politikerin Annegret Kramp-Karrenbauer sieht eine gesellschaftspolitische Annäherung zwischen den Grünen und den Kirchen. Die CDU habe sich hingegen von den Kirchen entfernt. Dem ZdK wirft sie vor, nur die eigene Meinung gelten zu lassen.

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Annegret Kramp-Karrenbauer sieht eine Annäherung der Kirchen an die Grünen. "Gerade in der Gesellschaftspolitik, etwa in der Frage von Geschlechterrollen oder der sexuellen Identität, hat sich das schon angenähert", sagte die CDU-Politikerin und bekennende Katholikin der "Neuen Osnabrücker Zeitung" am Donnerstag. Im Gegenzug hätten sich die Kirchen und die CDU seit Längerem voneinander entfremdet. Kramp-Karrenbauer war nach scharfer Kritik der Kirchen an der Migrationspolitik der Union zuletzt aus dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK), dem obersten katholischen Laiengremium, ausgetreten. Die CDU-Politikerin widersprach aber im Interview dem Vorwurf, die Kirchen seien eine Vorfeldorganisation der Grünen: Die Grünen und die Kirchen hätten auch unterschiedliche Standpunkte, so die Politikerin.

Vor einem Jahr hatten die deutschen Bischöfe in einer gemeinsamen Erklärung völkischen Nationalismus verurteilt und der AfD eine deutliche Absage erteilt. Sie sei nicht wählbar für Christen, so die Bischöfe. Kramp-Karrenbauer würdigte das Papier. Sie finde die strikte Positionierung der Erklärung richtig. Die AfD vertrete eine Ideologie, in der die Würde und der Wert des Menschen an Kriterien wie Herkunft, Hautfarbe, Geschlecht oder auch Religion festgemacht würden. "Das widerspricht wirklich diametral dem, wofür wir Christen einstehen oder einstehen sollten", so die Politikerin.

Es sei das gute Recht der Kirchen, ihre Position im Wahlkampf zu vertreten, so Kramp-Karrenbauer weiter. "Es war schon immer so, dass viele Bischöfe oder auch Pastoren am Wahlsonntag dazu aufgefordert haben, wählen zu gehen", so Kramp-Karrenbauer. Dabei hätten sie die Gläubigen dafür sensibilisiert, ihre Wahlentscheidung am eigenen Glauben zu spiegeln. "Die Gläubigen sind ja trotzdem kritische, selbstständige Menschen, und die Zeiten, in denen sie zu allen kirchlichen Verlautbarungen Ja und Amen gesagt haben, sind zum Glück lange vorbei."

Erneuerung von Kritik am ZdK

Weiter erneuerte Kramp-Karrenbauer ihre Kritik am ZdK. "Man hält die eigene Position für die einzig richtige, und von der aus wird mit dem erhobenen Zeigefinger auf alle anderen herabgeredet", sagte sie. Der Ton der Laienvertretung sei apodiktisch und verurteilend. Zu ihrem Austritt sagte die Politikerin: "Das ZdK hat die migrationspolitischen Debatten innerhalb meiner Partei, der CDU, schon länger sehr kritisch gesehen. Das ist etwas Normales, das war immer schon so, und das habe ich auch immer gut ausgehalten." Den Vorwurf von ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp, Friedrich Merz stehe nicht mehr auf dem Boden des Grundgesetzes, könne sie jedoch nicht mittragen, so die ehemalige CDU-Chefin.

Insgesamt sei sie von der Haltung des Gremiums enttäuscht, so Kramp-Karrenbauer weiter. "Das ZdK war für mich immer einer der wenigen Orte, wo man auch schwierige Debatten im gegenseitigen Respekt führen kann." Das sei auch in der heutigen Zeit wichtig. Zudem bemängelte die Politikerin, das ZdK habe zu anderen Themen wie dem Israel-Konflikt oder zu Fragen des Lebensschutzes keine so entschiedenen Statements abgegeben. (tmg/KNA)