Bei Jungwählern gewann am Sonntag die Linke vor der AfD

BDKJ: Wahlergebnis bei jungen Menschen "wenig überraschend"

Veröffentlicht am 25.02.2025 um 14:35 Uhr – Von Steffen Zimmermann – Lesedauer: 5 MINUTEN

Berlin/Düsseldorf ‐ Junge Wähler haben sich bei der Bundestagwahl mehrheitlich für Parteien vom Rand des politischen Spektrums entschieden. Wie beurteilt der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) dieses Wahlergebnis? Und was muss daraus folgen? Ein Interview mit der BDKJ-Bundesvorsitzenden Lena Bloemacher.

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Die jungen Wählerinnen und Wählern bis 24 Jahre haben sich bei der Bundestagswahl am Sonntag mehrheitlich für Extreme entschieden: 25 Prozent der abgegebenen Stimmen in dieser Altersgruppe entfielen auf die Linke, 21 Prozent auf die in Teilen gesichert rechtsextreme AfD. Wie beurteilt der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) dieses Wahlverhalten der jungen Menschen? Und was müssen die Parteien der demokratischen Mitte tun, um selbst wieder attraktiv für Jungwähler zu werden?  Im Interview mit katholisch.de gibt die BDKJ-Bundesvorsitzende Lena Bloemacher Antworten.

Frage: Frau Bloemacher, wie erklären Sie sich die Wahlergebnisse bei den jungen Wählerinnen und Wählern? Und wie bewerten Sie sie?

Bloemacher: Junge Menschen haben im Wahlkampf erleben müssen, dass ihre Perspektiven, Interessen und Anliegen kaum vorgekommen sind. Allgemein wurden sie in den vergangenen Jahren kaum beachtet, man denke zum Beispiel an den Umgang mit der Klimakrise und die Corona-Pandemie. So ist es wenig überraschend, dass sie sich nun Parteien zuwenden, die sie direkt adressieren, sie als Zielgruppe wahrnehmen, die ihre Themen in den Blick nehmen. Vielleicht spielt hierbei auch eine Rolle, dass diese Parteien in den vergangenen Jahren nicht in der Verantwortung waren und nicht konkret Lösungen liefern mussten beziehungsweise daran gemessen werden konnten. Im Bezug auf die Wahl der AfD erschwert sicher auch die zunehmende Normalisierung von extrem rechten Narrativen, Positionierungen und Perspektiven in Politik, Gesellschaft und Medien sowie in den persönlichen Umfeldern junger Menschen die Abgrenzung zu extremistischen Positionen. 

Frage: Sehen Sie das Wahlverhalten der jungen Wählerinnen und Wähler als Alarmsignal? 

Bloemacher: Wenn die AfD in der Gesamtheit der Altersschichten über 20 Prozent der Stimmen bekommt, muss das natürlich ein Alarmsignal für uns alle sein. Menschenfeindlichkeit und Hetze der AfD lösen keine einzige Herausforderung unserer Zeit – im Gegenteil. 80 Prozent der Menschen wissen das ja auch. Es ist jetzt unsere gemeinsame Aufgabe, den Menschen aller Generationen, klarzumachen, dass das keine Alternative ist. Wir müssen gemeinsam für demokratische Gesellschaftsvisionen und generationengerechte Lösungen eintreten. Das Problem jetzt auf die jungen Generationen abzuwälzen, ist dabei der falsche Weg. Die AfD ist am stärksten in der Altersgruppe der 35- bis 44-Jährigen, und bei der U18-Wahl hat die AfD schlechter abgeschnitten als jetzt bei der Bundestagswahl. Trotzdem bleibt jedes Prozent für die AfD eins zu viel, denn ihre Politik gefährdet Jung und Alt gleichermaßen.  

Frage: Was müssen die demokratischen Parteien der Mitte aus Ihrer Sicht tun, um für junge Menschen wieder attraktiver zu werden? 

Bloemacher: Sie müssen vor allem Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen zuhören, sie und ihre Anliegen ernst nehmen. Wenn man die Mitte der Gesellschaft abbilden will, darf man junge Menschen nicht unbeachtet lassen, sondern muss sie in den Fokus nehmen, Politik für und mit jungen Menschen machen. Junge Menschen zeigen immer wieder, dass sie unser Land bereits jetzt mitgestalten und dies auch in Zukunft weiter tun wollen. Es lohnt sich, mit ihnen gemeinsam nach Lösungen für die Probleme unserer Zeit zu suchen. Nur gemeinsam können die Herausforderungen, vor denen wir stehen, bewältigt werden. Die Parteien, die glaubhaft junge Menschen ernst nehmen und mit ihnen gemeinsam an einer gerechteren Gesellschaft bauen, werden auch die Stimme junger Menschen bei zukünftigen Wahlen für sich gewinnen können.

Von Steffen Zimmermann