Standpunkt

Zwischen Kirche und Union sind nun Brückenbauer gefragt

Veröffentlicht am 27.02.2025 um 00:01 Uhr – Von Christof Haverkamp – Lesedauer: 3 MINUTEN

Bonn ‐ Kurz vor der Bundestagswahl hatten sich Kirche und Union wegen unterschiedlicher Auffassungen in der Migrationspolitik einen heftigen Schlagabtausch geliefert. Diesen Graben sollten beide Seiten nun wieder zuschütten, meint Christof Haverkamp.

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Nach der Bundestagswahl folgt die Regierungsbildung – und dann müssen Bischöfe, Vertreter der Katholischen Büros, des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) und katholischer Verbände bald offen mit den Unionsparteien sprechen, statt nur übereinander zu reden. Es geht darum, Brücken zu bauen. Friedrich Merz hat als Kanzlerkandidat Porzellan zerschlagen, indem er die Migrationsgesetze verschärfen wollte und dafür die Stimmen der AfD in Kauf nahm. Auch im katholischen Milieu, bei treuen Unionswählern, stieß er damit auf Ablehnung. Das Wahlergebnis zeigt: Der Vorstoß hat weder CDU/CSU genutzt noch der AfD geschadet.

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass sich auf katholischer Seite nicht jeder optimal und neutral verhalten hat. Statt lautstarker Empörung und vorschneller Urteile wäre im Wahlkampf mehr Zurückhaltung und ein anderer Ton angebracht gewesen. Die Bischöfe waren klug genug, im Ständigen Rat dazu zu schweigen. ZdK-Präsident Thomas Sternberg hätte sich geschickter verhalten als seine Nachfolgerin, die Merz sogar vorgeworfen hat, nicht mehr auf dem Boden des Grundgesetzes zustehen.

So gab es auf allen Seiten nur Verlierer und Austritte. Eine zunehmende Entfremdung der Union von den Kirchen war schon vorher festzustellen. Doch nun sind die Gräben tiefer als je zuvor. Beide Seiten brauchen einander, nicht nur, weil CDU und CSU in der Bundesregierung sitzen. Das "C" ist blasser geworden, die christlich-sozialen Wurzeln schwächer. Doch die Unionsparteien sind keine AfD light, wie ihnen auch Kirchenvertreter unterstellt haben. Noch immer stehen die Unionsparteien der katholischen Kirche am nächsten, personell wie inhaltlich, etwa bei Themen wie Hospiz, Sterbehilfe und Lebensschutz. Es gibt weiterhin große Vernetzungen, beispielsweise bei den Frauenverbänden KDFB und kfd, an deren Spitze Unions-Politikerinnen stehen. Es wäre eine Illusion zu glauben, in irgendeiner anderen Partei säßen mehr politische Unterstützer, die ähnlich ticken. Jetzt sind sensible Brückenbauer auf beiden Seiten gefragt.

Von Christof Haverkamp

Der Autor

Christof Haverkamp ist Pressesprecher und Leiter der Öffentlichkeitsarbeit der katholischen Kirche in Bremen und Senderbeauftragter der katholischen Kirche bei Radio Bremen.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.