Diözese Gurk-Klagenfurt hat neue liturgische Rahmenordnung veröffentlicht

Liturgiebeauftragter: Können uns nicht in Kirchen zurückziehen

Veröffentlicht am 25.03.2025 um 00:01 Uhr – Von Christoph Brüwer – Lesedauer: 7 MINUTEN

Klagenfurt ‐ Einmal im Quartal sollen Pfarreien in der Diözese Gurk-Klagenfurt einen Gottesdienst für Fernstehende anbieten. Das schreibt eine neue Rahmenordnung vor. Was dahinter steckt, erklärt der Leiter der Stabsstelle Bibel und Liturgie, Klaus Einspieler, im katholisch.de-Interview.

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"Rahmenordnung für die Entwicklung des liturgischen Lebens in den Pfarren und die Beteiligung von Laien am liturgischen Leitungsdienst". Das ist der Titel einer neuen liturgischen Rahmenordnung in der österreichischen Diözese Gurk-Klagenfurt. Das Dokument sieht unter anderem mehr Beteiligung von Laiinnen und Laien vor, sowie Gottesdienste, die auf Menschen ausgerichtet sind "die nicht zu den regelmäßigen Mitfeiernden zählen". Warum es dabei auch um die Existenz der Kirche geht, sagt Klaus Einspieler im katholisch.de-Interview. der Leiter der Stabsstelle Bibel und Liturgie hat die Rahmenordnung miterarbeitet. 

Frage: Herr Einspieler, Sie haben kürzlich eine neue Liturgie-Rahmenordnung für Ihre Diözese veröffentlicht. Warum war eine solche Rahmenordnung notwendig?

Einspieler: Das hatte zwei Gründe: Zum einen stammte die bisher gültige Rahmenordnung aus dem Jahr 2002. Die war also hoffnungslos veraltet, weil sich an der pastoralen Situation inzwischen sehr viel verändert hat. Zum anderen durchlaufen wir aktuell einen synodalen Kirchenentwicklungsprozess und haben insgesamt rund 5.000 Rückmeldungen zu unterschiedlichen Themen bekommen – auch zur Liturgie. Diese wollten wir ebenso in die Rahmenordnung einarbeiten.

Frage: Welches Ziel verfolgen Sie mit dem Text?

Einspieler: Wir schauen natürlich in die Zukunft und fragen uns, wie die Kirche in zehn oder fünfzehn Jahren aussehen soll. Wir haben 337 Pfarreien und insgesamt etwa 330.000 Katholiken in unserer Diözese. Wir haben also viele kleine Pfarreien – teilweise mit unter 500 Gläubigen. Das liegt daran, dass das Bundesland Kärnten sehr gebirgig ist und es langgezogene Täler gibt. Wir können also nicht einfach beliebig Pfarreien zusammenlegen. Deshalb war es uns wichtig zu überlegen, was wir brauchen, um in zehn Jahren als Kirche noch bestehen zu können.

Die Rahmenordnung im Wortlaut

Die "Rahmenordnung für die Entwicklung des liturgischen Lebens in den Pfarren und die Beteiligung von Laien am liturgischen Leitungsdienst" wurde auf der Homepage der Diözese Gurk-Klagenfurt veröffentlicht. 

Frage: In Ihrer Rahmenordnung fordern Sie unter anderem pro Pfarrei auch einen Gottesdienst pro Quartal, der "auf Menschen ausgerichtet ist, die nicht zu den regelmäßig Mitfeiernden zählen". Wie kann denn ein solcher Gottesdienst aussehen?

Einspieler: Wir haben da bewusst keine Vorgaben gemacht und wollen es lieber offen und synodal halten. Die Verantwortlichen in den Pfarreien sollen selbst erproben, zu welchen Gelegenheiten sich Menschen einladen lassen. Wir haben in Kärnten auch jetzt schon Gottesdienste, die sehr gut besucht sind. Die Speisensegnung am Karsamstag beispielsweise, die von manchen hier scherzhaft als achtes Sakrament bezeichnet wird. Zudem finden manche Gottesdienste auch jetzt schon in Kooperation mit örtlichen Vereinen statt, die dann einladen. Die Kärntnerinnen und Kärntner wandern außerdem gerne. Es gibt also schon jetzt Gottesdienste auf Berggipfeln, die vor allem im Spätsommer sehr beliebt sind.

Frage: Angebote also, die gar nicht in einer Kirche stattfinden?

Einspieler: Die Menschen, die wir damit ansprechen wollen, würden meist auch sonst nicht in die Kirche kommen. Da stellt sich die Frage: Wo kann die Kirche ihnen entgegenkommen, um zumindest das ein oder andere Mal eine liturgische Erfahrung zu bieten, die etwas niedrigschwelliger und weniger anspruchsvoll ist als eine sonntägliche Eucharistiefeier?

Frage: Welche Rolle spielen Laiinnen und Laien dabei?

Einspieler: Ohne die geht es gar nicht, das ist klar. Wir waren die erste Diözese in Österreich, die die Dienste des Lektors und des Akolythen eingeführt hat. Der Lektorendienst ist bei uns so gestaltet, dass es nicht nur um das Verlesen des Wortes Gottes in der Messfeier geht. Die Lektorinnen und Lektoren sind auch zur Gottesdienstleitung beauftragt, dürfen in den Gottesdiensten, die sie leiten, auch predigen. Manche haben ein gutes Sensorium dafür, wo man Menschen erreichen kann, die mit der Kirche nicht viel am Hut haben.

Der Leiter der Stabsstelle Bibel und Liturgie in der Diözese Gurk Klagenfurt, Klaus Einspieler
Bild: ©Diözesan-Pressestelle/karlheinzfessl.com

"Letztlich hängt unsere Existenz davon ab, dass wir in der Lage sind, Menschen zu erreichen", sagt Klaus Einspieler. "Pfarreien, die sich zurückziehen und nur in ihrem liturgischen Raum und Rahmen bleiben, laufen häufig Gefahr, irgendwann auszudünnen."

Frage: Im Prinzip sind das alles aber ja keine neuen Ideen. Solche Gottesdienstkonzepte wurden ja auch in der Vergangenheit schon ausprobiert. Wie viel Erfolg versprechen Sie sich davon?

Einspieler: Der Sinn dieser Rahmenordnung war es auch, ein Signal dafür abzugeben, dass solche Gottesdienstformen nicht nur geduldet werden, sondern explizit gewünscht sind und Teil unseres liturgischen Programms werden. Letztlich hängt unsere Existenz davon ab, dass wir in der Lage sind, Menschen zu erreichen. Pfarreien, die sich zurückziehen und nur in ihrem liturgischen Raum und Rahmen bleiben, laufen häufig Gefahr, irgendwann auszudünnen.

Frage: Ein weiterer Punkt der Rahmenordnung ist die Zusammenarbeit der Pfarreien bei der Vorbereitung dieser Gottesdienste für Fernstehende, aber auch bei hohen kirchlichen Festen. Besteht damit nicht die Gefahr, dass ein Stück liturgische Vielfalt wegfällt, weil es nicht mehr so viele Angebote gibt, zwischen denen ich mich als Kirchgänger entscheiden kann?

Einspieler: Bisher war es so, dass ein Pfarrer im Schnitt für drei Pfarreien zuständig war. Das ließ sich im Rahmen des Kirchenrechts also noch managen. Mittlerweile gibt es aber die ersten Pfarrer, die sich schon um fünf oder sechs Pfarreien kümmern müssen. Da ist also ohnehin schon mehr Mobilität und Absprache gefordert. Wir haben aber auch Wortgottesdienstleiterinnen und -leiter, die dann Wortgottesfeiern vorstehen. Es braucht beides: liturgische Feiern vor Ort und Kooperation. Die Gefahr, dass der Liturgietourismus bei uns zu sehr ausufern würde, besteht nicht. Dazu sind die Menschen hier in Kärnten zu ortsgebunden.

Frage: Segensfeiern sollen Ihrer Rahmenordnung zufolge stärker als bisher von beauftragten Laiinnen und Laien gefeiert werden. Warum ist das gerade eine Aufgabe für sie?

Einspieler: Zum einen haben wir zu wenig Priester und Diakone. Es spricht aber auch theologisch nichts dagegen: Die Aufgabe zu segnen kommt auch jeder Katholikin und jedem Katholiken mit der Taufe zu, jeweils in seinem oder ihrem Lebenskontext. Diese Segnungen betonen wir deshalb so sehr, weil sie auch für Fernsehende ein sehr niedrigschwelliges Angebot sind. Ein Segen kostet nichts und man muss keine Vorleistungen erbringen. Dadurch wird auch das Wohlwollen Gottes zum Ausdruck gebracht. Ein wesentlicher Katalysator für diese Entwicklung war auch die Corona-Pandemie.

„Ein Segen kostet nichts und man muss keine Vorleistungen erbringen.“

—  Zitat: Klaus Einspieler

Frage: Inwiefern?

Einspieler: Die Pandemie hat uns 2020 ja alle kurz vor der Osterzeit erwischt. Aber die Gläubigen wollten nicht auf das örtliche Brauchtum wie die Segnung der Palmzweige, bei uns "Palmbuschen" genannt, oder Speisensegnung verzichten. Aus diesem Grund haben wir damals an alle Haushalte der Diözese eine kostenlose Ausgabe der Kirchenzeitung mit einfachen Vorschlägen für diese und andere Feiern versendet, was von vielen Familien gut aufgenommen worden ist. Eine Homepage dazu besteht bis heute. Sehr viele, die ohnehin schon aktiv am kirchlichen Leben teilgenommen haben, haben dabei ein Charisma entdeckt und in dieser Zeit dann auch Segnungsfeiern in der Nachbarschaft gefeiert. So sind Netzwerke entstanden, die wir jetzt ausbauen wollen.

Frage: Bei der Auflistung von Anlässen, zu denen solche Segnungsfeiern gefeiert werden können, halten Sie sich sehr eng an das Benediktionale. Sind auch andere Anlässe und Formen denkbar?

Einspieler: Durchaus! In der Ausbildung für die Leiterinnen und Leiter solcher Segnungsfeiern vermitteln wir, dass es einen bestimmten Aufbau gibt, man aber auch kreativ sein kann. In einer Pfarrei wurden beispielsweise die Handys von Jugendlichen gesegnet, weil das einer der wichtigsten Bezugspunkte in ihrem Leben ist. Dabei ging es dann um gelungene und misslungene Kommunikation.

Frage: In Deutschland wurde in den vergangenen Monaten und Jahren immer wieder über Segensfeiern für gleichgeschlechtliche Paare diskutiert. Ist das bei Ihnen auch ein Thema – und könnte das auch von solchen beauftragten Laiinnen und Laien gefeiert werden?

Einspieler: Ja, das ist ein Thema und solche Feiern können auch von den Beauftragten umgesetzt werden – auf dem Boden dessen, was weltkirchlich möglich ist. Es soll ja keine offiziellen liturgischen Handreichungen in diese Richtung geben. Priester, die aus welchen Gründen auch immer solche Segnungen aber nicht vornehmen wollen, sind angehalten, Paare dann an einen Priester zu verweisen, von dem sie wissen, dass er den Segen spendet. Unserem Bischof Josef Marketz ist es sehr wichtig, dass niemand abgewiesen wird, wenn er um Segen bittet.

Von Christoph Brüwer