Das sind die starken Männer um den körperlich geschwächten Papst
Einig sind sich die römischen Beobachter in der Einschätzung, dass jetzt das medizinische Betreuungsteam deutlich mehr zu sagen hat als früher. Der 88-Jährige werde während seiner mehrmonatigen Rekonvaleszenz-Phase rund um die Uhr betreut werden, so die Ankündigung des neuen starken Mannes im Mediziner-Team um den Papst, Luigi Carbone.
Der Anästhesist und Spezialist für Reanimation in extremen Notlagen hat wesentliche Verdienste daran, dass Franziskus bei seinen schweren Atmungskrisen in der Gemelli-Klinik dem Tod noch knapp von der Schippe sprang. Bei der Pressekonferenz zur Ankündigung der Entlassung des Pontifex trat er gleichberechtigt neben Professor Sergio Alfieri. Alfieri ist der Chefarzt für Innere Medizin, der in früheren Jahren bei zwei schweren Bauch-OPs das Leben des Papstes rettete.
Beide Ärzte gehören sowohl zum Stab der Gemelli-Klinik als auch zum medizinischen Dienst des Vatikans. Doch mindestens so wichtig wie die Spitzenmediziner sind für den Papst die Pfleger. Er selbst hat einmal erzählt, dass er Menschen aus dieser Berufsgruppe mitunter mehr vertraut als Ärzten – weil sie näher dran seien am Menschen.
Mehrere Pfleger statt ein Kammerdiener
Und am allermeisten vertraut er seinem Pfleger Massimiliano Strappetti, der bereits bei der Darm-OP im Jahr 2021 die antreibende Kraft und der stetige Schutzengel des Papstes gewesen sein soll. Beim weltweit übertragenen ersten Comeback des Papstes nach der Lungenerkrankung auf dem Balkon der Gemelli-Klinik war es Strappetti, der den Papst im Rollstuhl schob, ihm das Mikrofon hielt und mit ihm Absprachen traf.
Da aber auch Strappetti nicht rund um die Uhr beim Papst sein kann, wird er von einem zweiten Pfleger, Andrea Rinaldi, unterstützt. Die beiden leiten seit 2022 den medizinischen Pflegedienst im Vatikan. Neben den Männern wurden dem Vernehmen nach zwei Schwestern für die Betreuung des Papstes eingeteilt. Die Rolle des päpstlichen Kammerdieners – bis 2024 war dies der oft auf Fotos zu sehende Hüne Sandro Mariotti – ist angesichts der umfangreichen pflegerischen Betreuung nun weit in den Hintergrund getreten.
An Bedeutung gewachsen ist hingegen die Aufgabe der Privatsekretäre des Papstes. Schon während des fünfwöchigen Klinikaufenthalts waren sie es, die dem Papst dienstliche und andere Post brachten und wichtige Schreiben zum Abzeichnen (oder Abnicken) vorlegten. Vaticanisti in Rom kennen inzwischen gleich drei Sekretäre. Nur einer von ihnen, Fabio Salerno, ist Italiener.

Privatsekretäre hatten bei Päpsten immer wieder Einfluss. Jetzt könnte es wieder dazu kommen.
Die beiden anderen (jeweils im Alter von Anfang 40) stammen wie der Papst aus Buenos Aires: Daniel Pellizzon und Juan Cruz Villalón. Während Pellizzon nominell in der Ersten Abteilung des vatikanischen Staatssekretariats arbeitet, ist Cruz offiziell Mitarbeiter des Klerusdikasteriums. Cruz gilt als eine Art geistlicher Ziehsohn von Bergoglio: Der damalige Erzbischof von Buenos Aires weihte ihn 2011 zum Priester. Wie nah er dem Papst steht, wurde sichtbar, als er den Pontifex bei der Eröffnung des Heiligen Jahres durch die Heilige Pforte des Petersdoms schob.
Dass er nun zwei junge Priester an seiner Seite hat, die sogar denselben argentinischen Dialekt sprechen wie er, ist angesichts der stark reduzierten Sprechfähigkeit des 88-Jährigen eine zusätzliche Hilfe: Noch mehr als andere können sie ihm buchstäblich manches gehauchte Wort von den Lippen ablesen, das andere kaum verstehen würden.
Doch nicht alles können einfache Sekretäre erledigen. Für höchstrangige Vorgänge wie Heiligsprechungen, Gesetzesänderungen oder Erklärungen mit außenpolitischem Gewicht kam während der Klinik-Phase Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, begleitet vom Substituten Edgar Pena Parra, zum Papst. Das geschah ganze zwei Mal in 38 Tagen.
Zentrale Stellung gestärkt
Auch in der Rekonvaleszenz-Phase dürften sich die Audienzen Parolins beim Papst auf wenige Termine beschränken. Dennoch ist seine zentrale Stellung weiter gestärkt. Bedingt durch die körperliche Schwäche und die absehbare mehrmonatige Abwesenheit des Papstes in der Öffentlichkeit wird der norditalienische Spitzendiplomat noch mehr als bisher zum sichtbarsten und meist gefragten Repräsentanten des Heiligen Stuhls in Rom und im Ausland.
Neben Parolin hat sich in den vergangenen Wochen ein weiterer Argentinier als Mann mit besonderem Zugang zum kranken Papst erwiesen: Glaubenspräfekt Victor Fernández war der erste Kardinal, der öffentlich die bevorstehende Entlassung des Papstes andeutete und zugleich deutlich machte, dass er mit ihm auch in der Klinik Kontakt hatte – freilich ohne zu verraten wie und wie oft.
Gleichzeitig setzte Fernández erfolgreich das Erwartungsmanagement für die nun begonnene Spätphase des Pontifikats und kündigte weitere Überraschungen an, die der Papst aus dem Hut zaubern werde. Mit Spannung wird nun beobachtet, ob die enge menschliche Beziehung der beiden Argentinier an der Spitze des Vatikans auch in der Rekonvaleszenz-Zeit des Papstes zum Tragen kommt. Vor der Klinikeinweisung Mitte Februar pflegten die beiden fast täglich miteinander im Gästehaus Santa Marta zu speisen.

Kardinal Mario Grech ist Chef der Bischofssynode
Ein weiterer Kardinal mit Sonderstellung in der aktuellen Phase des Pontifikats ist der aus Malta stammende Kardinal Mario Grech. Ihn beauftragte der Papst noch in der Klinik damit, den weltweiten synodalen Debattenprozess um Reformen in der Kirche um drei Jahre zu verlängern. Als krönenden Abschluss soll Grech eine Art kirchliche Generalversammlung für den Oktober 2028 vorbereiten, an der mutmaßlich noch mehr Laien und Frauen teilnehmen werden als an den Versammlungen der Weltsynode 2023 und 2024.
Da das von Grech geleitete Synodensekretariat außerhalb der vatikanischen Kurie steht und auch vom Staatssekretariat nicht kontrolliert werden kann, dürfte Grech – vermutlich im Gespann mit dem Luxemburger Kardinal Jean-Claude Hollerich – für ebensoviele inhaltliche Impulse in der kirchlichen Reformdebatte sorgen wie Fernandez im theologisch-dogmatischen Bereich.
Ein weiterer Kardinal mit Sonderstellung in der jetzigen Phase ist der Dekan des Kardinalskollegiums, Giovanni Battista Re. Auch dieses Gremium wird nicht vom Staatssekretariat kontrolliert. Nachdem der Papst die Amtszeit des 91-jährigen Norditalieners an der Spitze des Kollegiums unlängst auf unbestimmte Zeit verlängert hat, kann Re – sofern seine Gesundheit mitspielt – seine Rolle als Chef des höchsten Beratungs- und Wahlgremiums sowie als vom Papst geschätzter persönlicher Berater und Kritiker weiter ausfüllen. Als der Papst am Sonntag, am Ende seiner Fahrt durch Rom, sichtlich erschöpft nach Santa Marta zurückkehrte, war es kein anderer als Kardinal Re, der ihn dort willkommen hieß.