Standpunkt

Papst Franziskus muss ein Vakuum in seinem Pontifikat verhindern

Veröffentlicht am 03.04.2025 um 00:01 Uhr – Von Björn Odendahl – Lesedauer: 3 MINUTEN

Bonn ‐ Papst Franziskus hat das Krankenhaus endlich verlassen und ist wieder im Vatikan. Doch markiert die Krankheit einen Wendepunkt im Pontifikat, schreibt Björn Odendahl. Der Papst müsse sich deshalb noch einmal neu erfinden.

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Zunächst die gute Nachricht: Papst Franziskus ist nach schwerer und zeitweise sogar lebensbedrohlicher Erkrankung in den Vatikan zurückgekehrt. Auch das Atmen und Sprechen falle ihm mittlerweile wieder leichter, ließ der Vatikan in dieser Woche verlauten. Öffentliche Auftritte sind allerdings noch nicht geplant. Auch Ostern ist damit in Gefahr.

"Es ist nicht die ideale Situation", sagt Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin über den Arbeitsalltag des Papstes. Zeitweise konnte Franziskus Dokumente etwa nur mit einem "F" unterzeichnen. Aber Franziskus habe "die Möglichkeit, die Kirche weiterhin zu regieren", so Parolin. Die Formulierung lässt aufhorchen: "die Möglichkeit". Das klingt optional. Regiert der Papst also nach seiner schweren Erkrankung nur theoretisch, aber nicht praktisch? Regiert er manchmal, aber nicht immer? Oder bald gar nicht mehr, weil er doch seinen Rücktritt vorbereitet?

Parolin ist Diplomat. Er wird seine Worte mit Bedacht gewählt haben. Antworten auf diese Fragen könnte daher wohl nur der Papst selbst geben. Eines aber ist schon jetzt klar: Das Pontifikat von Franziskus steht an einem Wendepunkt. Bisher war es geprägt von ungewöhnlichen und bildstarken Auftritten, von spontanen (und manchmal unbedachten) Äußerungen, von pastoral wohlgemeinten Zweideutigkeiten – mitunter in Fußnoten. Sein Besuch auf Lampedusa bleibt ebenso in Erinnerung wie seine spektakulären "fliegenden Pressekonferenzen". Und mit der Weltsynode zur Synodalität hat er der Kirche eine Neuausrichtung verordnet, hinter die es kein Zurück geben soll.

Was, wenn das alles so jetzt nicht mehr möglich ist? Bischof Georg Bätzing glaubt nicht, dass Papst Franziskus zurücktreten wird. Ähnlich wie Johannes Paul II., dessen Todestag sich gestern zum 20. Mal gejährt hat. Doch sind die Zeiten andere, bewegtere für diese Kirche. Wenn der Papst also weiterregieren möchte, ohne dass ein Vakuum entsteht, das mögliche Gegner seines Pontifikats nutzen können, muss er sich mit fast 89 Jahren noch einmal neu erfinden. Die überraschende Verlängerung der Reform-Agenda der Weltsynode vom Krankenbett aus war ein erstes Zeichen.

Von Björn Odendahl

Der Autor

Björn Odendahl ist Redaktionsleiter bei katholisch.de.

Hinweis

Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der jeweiligen Autorin bzw. des Autors wider.