Als Deutsche nicht wie Lehrmeister der Weltkirche verhalten

Bischof Krämer: Letztverantwortung des Bischofs unverzichtbar

Veröffentlicht am 29.12.2025 um 12:09 Uhr – Lesedauer: 

Rottenburg ‐ Warum wird der Synodale Weg in Deutschland international so kritisch beäugt? Aus Sicht von Bischof Klaus Krämer hat das einen einfachen Grund. In einem Interview sprach er auch darüber, wie sich Synodalität in seiner Diözese entwickeln ließe.

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Der Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Klaus Krämer, hat sich für eine bischöfliche Letztverantwortung starkgemacht. "Ich halte es tatsächlich für unverzichtbar, dass es eine Letztverantwortung des Bischofs dort gibt, wo es um Fragen des Glaubens oder der Einheit mit der Weltkirche geht", sagte Krämer in einem Interview mit der "Herder Korrespondenz" (Januar-Ausgabe). Gleichzeitig betonte er, dass ein Bischof in der Geschichte seiner Diözese bislang noch nie von seinem Veto-Recht habe Gebrauch machen müssen, weil es am Ende immer gemeinsam getragene Entscheidungen gegeben habe. "Es muss diese letzte Möglichkeit geben für einen Konfliktfall, der sonst zur Spaltung führen würde – oder zu einer unlösbaren Krise", sagte Krämer.

Insgesamt habe man in den vergangenen 50 Jahren in seiner Diözese gute Erfahrungen mit gelebter Synodalität gemacht. Gleichzeitig sei Synodalität etwas Lebendiges und müsse weiterentwickelt werden. So gelte es etwa, Synodalität als Herausforderung für die Gesprächs- und Debattenkultur zu sehen und als geistlichen Prozess zu verstehen. So könnten Beratungen bewusst unter das Wort Gottes gestellt und mit geistlichen Impulsen begonnen und unterbrochen werden. "Synodalität heißt für mich vor allem auch, dass jeder mit seiner Sicht und seinen Erfahrungen zu Wort kommen kann, dass wir aufmerksam aufeinander hören und dann zu Entscheidungen kommen, die von einem möglichst großen Konsens getragen sind", erklärte Kramer.

"Dieser Versuchung erliegen wir in regelmäßigen Abständen"

Auf die Frage, wie es zu Vorbehalten gegenüber dem Synodalen Weg der Kirche in Deutschland gekommen ist, sagte der Bischof: "Wir müssen als Deutsche vorsichtig sein, uns nicht wie Lehrmeister der Weltkirche zu verhalten. Dieser Versuchung erliegen wir in regelmäßigen Abständen." Das sei kontraproduktiv und führe fast immer zu Abwehrhaltungen. Er habe aber den Eindruck, dass sich durch den synodalen Prozess auf Ebene der Weltkirche in den vergangenen Jahren einiges verändert habe und die meisten Themen des Synodalen Wegs inzwischen auch in Papieren aus anderen Teilen der Welt auftauchten. "Ich bin zuversichtlich, dass wir uns aufeinander zubewegen und nicht zunehmend entfremden", sagte Kramer.

Stellwand mit dem Logo des Synodalen Wegs und Teilnehmer unscharf im Vordergrund
Bild: ©KNA/Bert Bostelmann (Symbolbild)

Die Themen des Synodalen Wegs der Kirche in Deutschland tauchten in den letzten Jahren auch in Papieren aus anderen Teilen der Welt auf, sagt Bischof Klaus Krämer.

Bei Reformen müsse insgesamt die richtige Geschwindigkeit eingehalten werden. Man dürfe nicht "auf den Letzten warten", weil sonst die Möglichkeit zur Blockade eröffnet würde. Die Spannungen zwischen den Reformerwartungen und der möglichen Geschwindigkeit sehe er, "aber man darf auch nicht das Gut der Einheit in der Weltkirche gefährden, weil wir sonst am Ende nichts erreicht haben".

Krämer kritisierte im Interview darüber hinaus das mangelnde Interesse in Deutschland an weltkirchlichen Entwicklungen. "Wir haben oftmals die Tendenz, uns zu sehr auf unseren deutschen Kontext zu beschränken und auch die Weltkirche nicht wirklich wahrzunehmen", so der Bischof. "Das ist eine Verengung, die wir überwinden müssen." So gebe es andernorts Ideen, die auch für die kirchliche Entwicklung in Deutschland interessant sein könnte, betonte der ehemalige Präsident des Hilfswerks Missio und des Kinderhilfswerks "Die Sternsinger".

Er stelle zudem fest, dass die Kontakte nach Rom zu wenig gepflegt würden. "Auch haben wir meines Erachtens zu wenig deutsche Theologen und Priester in den römischen Strukturen, die von innen her diesen Dialog führen können." Es brauche nicht nur Krisenintervention, sondern auch einen kontinuierlichen Kontakt. Hier habe sich in jüngster Zeit einiges zum Besseren gewendet. (cbr)