Meditation beim außerordentlichen Konsistorium

Kardinal Radcliffe an Mitbrüder: Nützen Papst nicht, wenn wir streiten

Veröffentlicht am 08.01.2026 um 11:44 Uhr – Lesedauer: 

Vatikanstadt ‐ Die Exerzitien im Vorfeld der Weltsynode haben Timothy Radcliffe bekannt gemacht – und das Kardinalsbirett eingebracht. Auch beim aktuellen außerordentlichen Konsistorium schwor er seine Mitbrüder ein.

  • Teilen:

In seiner Eröffnungsmeditation beim außerordentlichen Konsistorium hat der britische Kardinal Timothy Radcliffe die Kardinäle zum Zusammenhalt aufgefordert. Wie das spanische Portal "vidanuevadigital.com" am Mittwoch berichtete, erklärte Radcliffe, dass "wir dem Heiligen Vater nichts nützen, wenn das Boot des Petrus voller streitender Jünger ist". "Wenn wir in Liebe miteinander in Frieden leben, auch wenn wir nicht einer Meinung sind, wird Gott wirklich gegenwärtig sein, auch wenn er abwesend zu sein scheint."

Radcliffe forderte seine Mitbrüder auf, "mit seinem Nachfolger im Boot Petri zu bleiben, während er sich den Stürmen unserer Zeit stellt". Der Dominikaner mahnte: "Wir können nicht am Strand bleiben und sagen: 'Ich würde heute nicht segeln gehen' oder 'Ich würde ein anderes Boot wählen'."

Kirche werde von eigenen Stürmen erschüttert

Der 80-Jährige mahnte, dass die Menschen in "Zeiten schrecklicher Stürme" lebten und nannte Gewalt und Kriege als Beispiele. Die Kluft zwischen Arm und Reich nehme zu, die nach dem Zweiten Weltkrieg entstandene Weltordnung zerbreche. Unklar sei auch, was Künstliche Intelligenz in Zukunft bringen werde. "Wenn wir nicht nervös sind, sollten wir es sein", fügte er hinzu. "Die Kirche selbst wird von ihren eigenen Stürmen erschüttert, von sexuellem Missbrauch und ideologischen Spaltungen."

Radcliffe wies darauf hin, dass im Konsistorium "einige von uns Verfechter der Erinnerung sein werden und die Tradition schätzen". Andere wiederum würden sich "mehr an der überraschenden Neuheit Gottes erfreuen, aber Erinnerung und Neuheit sind in der Dynamik des christlichen Lebens untrennbar miteinander verbunden", so der Dominikaner. Gespräche würden dann lebendig, wenn beide Seiten miteinander verbunden würden. "Es gibt keinen Wettbewerb", betonte der Kardinal.

Radcliffe hielt die Exerzitien im Vorfeld der beiden Sitzungsperioden der Weltsynode zum Thema Synodalität. 2024 erhob Papst Franziskus ihn zum Kardinal. Der Brite nahm selbst am Konklave zur Wahl von Papst Leo XIV. teil. Kirchenpolitisch gilt er als liberal. In einem Interview mit der Londoner Zeitung "The Telegraph" sprach Radcliffe sich am Dienstag dafür aus, die Weihe von Diakoninnen in der katholischen Kirche schnell voranzutreiben. Außerdem erklärte er, dass die sexuelle Orientierung eines Menschen aus seiner Sicht nicht besonders wichtig sei. "Ich mache mir keine Sorgen darüber, dass jemand schwul ist – ich würde mir Sorgen machen, wenn er niemanden lieben würde." Am Mittwoch und Donnerstag beraten die Kardinäle der Weltkirche gemeinsam mit Papst Leo XIV. über die Themen Mission und Synodalität. (cbr)