Kardinal Müller: Darum sprachen wir nicht über die "Alte Messe"
Der ehemalige vatikanische Glaubenspräfekt, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, hat erklärt, warum die Kardinäle sich gegen Liturgie als Thema des außerordentlichen Konsistoriums entschieden haben. "Da die Zeit begrenzt war, haben die Kardinäle es bevorzugt, über die großen Herausforderungen für die Kirche zu sprechen und nicht so sehr über innerkirchliche Aspekte", sagte Müller in einem Interview mit dem Sender "EWTN" (Donnerstag). "Es ist nicht die zentrale Frage für die Kirche heute, weil wir in Zeiten der Säkularisierung, des Atheismus und einiger großer anti-christlicher politischer Systeme leben." Er sei aber überzeugt, dass Papst Leo XIV. bei den Diskussionen über die vorkonziliare Liturgie eine "gute Lösung für alle" finden werde.
Müller war einer der rund 170 Kardinäle, mit denen Papst Leo XIV. am Mittwoch und Donnerstag über die Themen Mission und Synodalität beraten hatte. Diese Themen wurden zu Beginn des Treffens von den Kardinälen gewählt. Die Vorschläge, über das Verhältnis der römischen Kurie und den lokalen Kirchen oder die traditionelle Form der Messe zu beraten, fanden keine Mehrheit.
Vielzahl der Kardinäle wünsche sich klassische Form der Konsistorien
Zum Thema Synodalität betonte Müller, Papst Franziskus habe Demokratisierung der Kirche immer wieder verurteilt. "Das Problem war die Vermischung von Bischofssynode und sogenannter 'Synodalität'", so der ehemalige Glaubenspräfekt. Es müsse einen Unterschied zwischen der Bischofssynode und synodalen Einrichtungen auf anderen Ebenen der Kirche geben. Gleichzeitig sei klar, dass Kardinäle und Bischöfe mit Nichtgeweihten zusammenarbeiten müssten. "Synodalität hat nichts mit einem Parlament in einem demokratischen Staat zu tun. Die Kirche ist kein Staat, sondern eine Zusammenkunft der Gläubigen, ein Sakrament für die Erlösung der Welt in Jesus Christus", so Müller.
Der deutsche Kardinal kritisierte im Interview auch die Form der Zusammenarbeit in kleinen Tischgruppen. Diese Form sei von den beiden Sitzungsperioden der Bischofssynode zur Synodalität übernommen worden. Klassischerweise kämen die Kardinäle bei Konsistorien mit vorbereiteten Redebeiträgen zu einer spezifischen Frage des Papstes zusammen und würden diese vortragen. "Ich glaube, eine Vielzahl der Kardinäle wünscht sich, zu dieser klassischen Form zurückzukehren", so Müller. Er selbst bevorzuge es auch, wenn alle zusammen im Plenum sprächen und am Ende kleine Gruppen gebildet würden, um Schlüsse zu ziehen. (cbr)
