Bericht über Konsistorium: Streit um Synodalität unter Kardinälen
Einem Medienbericht zufolge gab es beim außerordentlichen Kardinalskonsistorium in der vergangenen Woche große Meinungsverschiedenheiten beim Thema Synodalität. Das englische Magazin "The Catholic Herald" (Sonntag) zitiert einen nicht namentlich genannten hochrangigen afrikanischen Kardinal, der erklärte, dass er Synodalität grundsätzlich unterstütze, es jedoch klare Leitplanken und eine genaue Definition brauche. Die von Papst Franziskus eingeführten Erweiterungen der Bischofssynode auf Laien, Ordensleute und Priester sei "eine andere Ebene als das, was wir traditionell unter Synode verstehen". "Ich würde sagen, dass die ganze Idee einer Synode über Synodalität etwas Fluides ist", so der Kardinal. "Im Hintergrund steht, wenn wir über Synodalität sprechen, immer die deutsche Synode, der Synodale Weg, der Probleme verursacht." Er warnte vor Interessensgruppen, die bestimmte Richtungen durchzusetzen versuchten.
Ein weiterer nicht genannter konservativer Kardinal kritisierte dem Bericht zufolge die Sitzordnung und den synodalen Stil der Beratungen der Kardinäle. "Dieser ganze synodale Stil macht für mich einfach keinen Sinn. Ich verstehe die intelligenten Männer nicht, die endlos darüber schreiben." Ein anderer Kardinal kritisierte demnach, dass die Purpurträger nur wenige Tage vor dem Start des Konsistoriums über den Ablauf informiert worden seien und einige ältere Kardinäle ihre E-Mails nicht regelmäßig abriefen. "Es gab viel Verwirrung. Wenn man sich die Zusammensetzung der Tische ansah, hatte ich den Eindruck, dass die Dinge irgendwie vorgegeben waren." Ein anderer Kardinal scherzte: "Gemeinsam gehen und zuhören. Aber die Idee ist, dass man, wenn man mit der Gruppe nicht übereinstimmt, nicht genug zugehört hat."
"Sein Personenkult sollte nichts mit der katholischen Kirche zu tun haben"
Die Vorstellung der Ergebnisse der Gruppenarbeiten am Donnerstag seien einer Volksabstimmung über das Vermächtnis von Papst Franziskus gleichgekommen, berichtete "The Catholic Herald" weiter. Einige Freunde des verstorbenen Kirchenoberhaupts hätten demnach von einer neuen Kirche und einem absoluten Wandel gesprochen. Ein anderer Kardinal ging noch weiter und sagte: "Sein Personenkult sollte nichts mit der katholischen Kirche zu tun haben."
Beim außerordentlichen Konsistorium am vergangenen Mittwoch und Donnerstag hatte Papst Leo XIV. zum ersten Mal in seiner Amtszeit die Kardinäle der Weltkirche zu Beratungen nach Rom geladen. Als Themen wählten die Kardinäle Synodalität und Mission, die Themen Liturgie und Kurienreform erhielten keine Mehrheit.
Laut "The Catholic Herald" glauben einige Kardinäle, dass letztere Themen beim nächsten Konsistorium am 27. und 28. Juni behandelt werden. Obwohl die vorkonziliare Messe nicht offen zur Sprache gekommen sei, sei es aber auf schriftliche Weise präsent gewesen. So berichtete ein Kardinal von einem Schreiben von Liturgie-Präfekt Kardinal Arthur Roche, das sich negativ zur sogenannten "Alten Messe" äußere und den Kardinälen ausgehändigt wurde. Die Zeitschrift wertete das als einen "Abwärtstrend in der Haltung des Heiligen Stuhls gegenüber der traditionellen lateinischen Messe". (cbr)
