Eineinhalb Tage Konsistorium: Wie sinnvoll kann so ein Treffen sein?
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Alle 245 Kardinäle waren letzte Woche zum außerordentlichen Konsistorium eingeladen, etwa 170 kamen. Papst Leo XIV. will dieses beratende Gremium wieder mehr einsetzen, es soll auch die Einheit der Kirche fördern – die Absicht kann man nur loben. Nach der Versammlung berichteten einige Kardinäle, sie hätten große Brüderlichkeit und Einmütigkeit erfahren. Inhaltlich wurde kaum etwas berichtet, die Beratungen fanden hinter verschlossenen Türen statt.
Was für ein Gremium ist das? 245 alte, zölibatäre Männer, fast alle weiß, die eine Hälfte Ü-80, die andere (eher knapp) U-80, ein einziger U-50, nämlich 49. Viele so gebrechlich, dass sie nicht teilnehmen können. Alle von Päpsten ernannt – man bleibt in der Bubble. Vermutlich sind alle oder fast alle sehr ehrenwerte Männer, geistlich und menschlich reif, intelligent und gebildet, hingegeben an ihren Dienst und weise.
Aber: Wie können diese in nur eineinhalb Tagen sinnvoll den Papst beraten? In grundsätzlichen Themen, bei weltweit sehr unterschiedlichen kirchlichen Kulturen? In Gruppen um runde Tische und im Plenum tagten sie – der Stil wohl, was man bei uns "Anhörrunde" nennen würde, sicherlich erfahrungsgesättigt und geistlich bereichernd. Zu hoffen ist, dass der Papst durch solche Treffen bekommt, was er sucht: Weitung des Horizonts, Gemeinschaft, Bestärkung.
Dennoch die Anfrage: Wäre dafür nicht ein Gremium geeigneter, das die Breite des Gottesvolkes besser abbildet? Mit allen Geschlechtern, Lebens- und Berufsständen, Altersgruppen, Kulturen? In synodalen Prozessen gibt es diese Gremien ja, zumindest ansatzweise. Wären die Beratungen dann nicht weniger klerikal und altersweise, dafür lebendiger, realitätsnäher, geschwisterlicher? Alle sind wir als Christgläubige eins in Christus ...
Nochmals grundsätzlicher: Wie geht Leitung der Weltkirche? Braucht es überhaupt so viel weltweite Leitung? Der Geist weht doch überall, in den Ortskirchen, in christlichen Gemeinden und Gruppen – Papst Franziskus wollte dezentralisieren, aber es gelang ihm kaum. Die Einheit der Kirche besteht nicht in der einen Form oder Kultur – auch wenn das flutende Rot der alten Kardinäle beeindruckt –, sondern im einen Glauben der vielen Menschen, mit sehr vielen Lebensweisen, Spiritualitäten, Kulturen.
Der Autor
Pater Stefan Kiechle SJ ist seit 2018 Chefredakteur der Zeitschrift "Stimmen der Zeit". Zuvor leitete er sieben Jahre die Deutsche Provinz des Jesuitenordens.
Hinweis
Der Standpunkt spiegelt ausschließlich die Meinung der Autorin bzw. des Autors wider.
